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30.10.2011

10:56 Uhr

Milliarden-Fehler

Schäuble will aus HRE-Debakel Konsequenzen ziehen

Wie kann es sein, dass eine verstaatlichte Bank 55 Milliarden Euro falsch verbucht? Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kündigt hastig Konsequenzen an, während der Koalitionspartner FDP sich irritiert zeigt.

Wolfgang Schäuble (CDU) muss sich nach dem HRE-Buchungsfehler Kritik anhören. dapd

Wolfgang Schäuble (CDU) muss sich nach dem HRE-Buchungsfehler Kritik anhören.

BerlinBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat einem Bericht zufolge Vorstände der verstaatlichten Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) und ihrer Bad Bank zum Rapport bestellt. Grund ist eine Fehlbuchung von 55,5 Milliarden Euro. Für kommende Woche sei ein Vorstand der HRE in das Finanzministerium einbestellt worden, berichtete der „Spiegel“. Auch ein Vorstand der FMS Wertmanagement, der Bad Bank des Instituts, solle in Kürze bei Schäuble erscheinen.

Schäuble wolle von beiden wissen, wie es zu den Bilanzfehlern kommen konnte. Zu dem Bilanzierungsfehler sei es offenbar gekommen, weil die FMS Wertmanagement Kursgewinne bei den Papieren, die in die Bank ausgelagert worden waren, als Verlust verbucht hatte. Unabhängig von den Fehlbuchungen habe die Bad Bank zudem Papiere und Derivate im Wert von rund zehn Milliarden Euro verkauft, schrieb der „Spiegel“.

Das peinliche Buchungsdebakel soll auch ein Nachspiel im Bundestagsfinanzausschuss haben. Der Obmann der CDU/CSU-Fraktion in dem Gremium, Hans Michelbach, sagte, die Bank-Verantwortlichen sollten dem Ausschuss Rede und Antwort stehen.

„Ich erwarte von der Führung der Bank im Bundestagsfinanzausschuss eine lückenlose Aufklärung dieses unfassbaren Fehlers von mehr als 55 Milliarden Euro bei der Abwicklung der Hypo Real Estate“, sagte Michelbach. Bankintern müssten Konsequenzen gezogen werden. „Das schließt personelle Konsequenzen ausdrücklich ein.“ Der Vorgang sei geeignet, das Vertrauen in die Führung der Bank zu erschüttern.

Zugleich wies er die Kritik der SPD an Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) im Zusammenhang mit dem kapitalen Rechenfehler als „jüngstes Beispiel des fortgesetzten Politklamauks der Sozialdemokraten“ zurück. Der Versuch, die Verantwortung dem Bundesfinanzminister zuzuschieben, sei mehr als nur unseriös.

Ganz so einfach wird Wolfgang Schäuble die Kritik an seiner Person aber nicht abschütteln können: Schon regt sich deutliche Kritik beim Koalitionspartner FDP. Es sei unverständlich, wie ein Buchungsfehler in Höhe von 55,5 Milliarden Euro habe unentdeckt bleiben können, sagte Finanzexpertin Birgit Reinemund. Dies sei ein „Debakel für jedes Vertrauen in Banken und Wirtschaftsprüfung“. Die Vorsitzende des Finanzausschusses des Bundestags forderte: „Schäuble als oberster Dienstherr der Staatsbank HRE muss schleunigst für lückenlose Aufklärung sorgen.“

Sie frage sich, wie der Minister den Vorgang den Bürgern erklären wolle, sagte Reinemund. Auch SPD und Linke hatten zuvor kritisiert, es sei unverantwortlich, einen derartigen Betrag zu übersehen.

Das Finanzministerium hatte am Freitag einen Bericht bestätigt, wonach sich die dem Staat gehörende HRE-Bad Bank FMS Wertmanagement um insgesamt 55,5 Milliarden Euro verrechnet hat. Damit hat Deutschland weniger Schulden: Für 2011 rechnet das Ministerium nun mit einem gesamtstaatlichen Schuldenstand von 81,1 Prozent. Das sind 2,6 Punkte weniger als in der letzten Mitteilung an die Europäische Union erwartet.

Kommentare (13)

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Poolliter

30.10.2011, 11:18 Uhr

Wer wird wohl dieses mal mit ein paar Millionen Abfindung nach Hause geschickt?

Account gelöscht!

30.10.2011, 11:19 Uhr

Irgendein Abteilungsleiter in der dritten Führungsebene wird dafür seinen Hut nehmen müssen. Mehr sind schlappe 55 Milliarden in Zeiten der Billionen Rettungsschirme doch nicht mehr wert. Die Politik ist als Kontrollorgan vollkommen ungeeignet. Der Dilettantismus strahlt aus allen Ecken. Es gibt eigentlich nichts, was halbwegs sinnbehaftet erledigt wird.

J_D

30.10.2011, 11:36 Uhr

Abschlussprüfer Honorar für die Konzernabschlussprüfung: insgesamt: ca. 13.000.000,00 EUR. Empfänger: KPMG (Siehe auch ebundesanzeiger) Bezahlt: Steuergeldern Leistung: sehr fragwürdig. Konsequenzen für KPMG: Keine !!! Ist doch eine Klasse, oder?

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