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12.06.2015

17:07 Uhr

Milliardengrab Provinzflughafen

Warum ein eigener Airport nichts bringt

VonHans Christian Müller-Dröge

Einen eigenen Airport zu haben, mag ein Minusgeschäft sein, doch der Wirtschaft vor Ort gibt er einen Schub – so argumentieren Regionalpolitiker gerne. Doch nun zeigt eine neue Studie: Das stimmt nicht.

Neuer Airport, kaum Passagiere: Der Flughafen bei Kassel. dpa

Flughafen Kassel-Calden

Neuer Airport, kaum Passagiere: Der Flughafen bei Kassel.

DüsseldorfHessens Ministerpräsident Volker Bouffier war sich sicher: „Mit dem neuen Flughafen stellen wir die Weichen für die erfolgreiche Zukunft einer ganzen Region“, sagte er im April 2013 bei der feierlichen Eröffnung des Kasseler Airports. Im Wettbewerb um Investitionen habe man nun einen Vorteil, fügte sein Wirtschaftsminister hinzu – bald würden viele neue Jobs entstehen.

Direkt gelohnt hat sich der Ausbau bisher nicht: Abflüge gibt es kaum – im Eröffnungsjahr 2013 wurden etwa 46.000 Fluggäste gezählt. Zudem schreibt die staatlich getragene Betreiberfirma Millionenverluste. Genauso geht es den meisten Regionalflughäfen in Deutschland. Kaum einer ist profitabel.

Diese Flughäfen verlieren an Boden

Frankfurt-Hahn

Passagiere 2014: 2,45 Millionen
Verlust: 8,3 Prozent

Quelle: Flughafenverband ADV, Flughäfen

Karlsruhe/Baden-Baden

Passagiere 2014: 983.451
Verlust: 7,2 Prozent

Memmingen

Passagiere 2014: 750.315
Verlust: 10,6 Prozent

Nürnberg

Passagiere 2014: 3,26 Millionen
Verlust: 1,6 Prozent

Paderborn

Passagiere 2014: 763.872
Verlust: 3,9 Prozent

Saarbrücken

Passagiere 2014: 398.128
Verlust: 1,8 Prozent

Weeze

Passagiere 2014: 1,81 Millionen
Verlust: 27,3 Prozent

Bisher konnten sich die Politiker vor Ort zumindest mit der Hoffnung trösten, dass es der regionalen Wirtschaft gut tut, wenn man einen Flughafen vor Ort hat – auch wenn dieser Jahr für Jahr mit ein paar Milliönchen subventioniert werden muss.

Doch eine neue Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) verweist nun auch diese Hoffnung ins Reich der Mythen: Demnach wird das regionale Wirtschaftswachstum nämlich nicht zusätzlich angeschoben, wenn es vor Ort einen ausgebauten Regionalflughafen gibt.

Flughafenkrise

Regionalflughäfen schreiben Verluste

Flughafenkrise: Regionalflughäfen schreiben Verluste

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„Die Ergebnisse sind ernüchternd“, schreibt der Autor der Studie, Philipp Breidenbach. Es gebe schlichtweg keinerlei messbare Ausstrahlung auf die Region. Auch nicht bei der Zahl der Jobs. Für seine Untersuchung hat er 24 deutsche Landkreise, in denen es einen mittelgroßen Flughafen gibt, verglichen mit Regionen ohne Flughafen.

Kommentare (3)

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Herr Eugen Schmidt

12.06.2015, 19:15 Uhr

Die Rechnung würde ich gerne einmal sehen für den Ausbau des Rhein-Main Flughafens, insbesondere auf seine HUB Funktion. Man sollte dann auch die Milliarden Verluste an Haus- und Wohnungseigentum mit reinrechnen, die Nachteile der Städte und Gemeinden aufgrund der Siedlungsbeschränkungsgebiete, die Gesundheitskosten und die gesunkenen Lebenserwartung und die verminderte Leistung der Arbeitnehmer und besonders Kinder aufgrund der Lärmbelastung und der Schlafstörungen. An diese Rechnung traut sich keiner ran, weder die Poiitiker in Berlin, Wiesbaden oder Frankfurt, noch die famosen Manager von FRAPORT und Lufthansa. Hier wird Volksvermögen in großem Umfang verschleudert, aber wen geht das schon noch was an bie über 2 Billionen Staatsschulden.

Herr Fernando Fernandez

12.06.2015, 19:27 Uhr

...interessante Argumentation...am Besten wir lassen alle Investitionen sein, dann geht es uns in ein paar Jahren so wie Griechenland oder anderen Ländern. Es ist merkwürdig, dass alle immer die Vorteile unserer industrialisierten und Wohlhabenden Gesellschaft genießen wollen, aber niemand bereit ist sich den Konsequenzen daraus zu stellen. Kneipenniveau kann ich da nur sagen...es sind immer die selben Weltverbesserer die prinzipiell gegen alles sind, es sei denn es gereicht zum eigenen Vorteil, dann werden die Stimmen immer leider...merkwürdig, nicht wahr?

Herr Eugen Schmidt

12.06.2015, 20:33 Uhr

Herr Fernandez - Sie fingen ja gut an mit "interessante Argumentation".
Das Terminal 3 des Rhein-Main Flughafens wurde auf die famose Liste Deutschlands gesetzt für das völlig unsinnige Junckerprogramm der EU über 300 Mrd. €. Mit der ausdrücklichen Begründung dass es sich hier im ein Projekt handelt bei dem eine eigene Wirtschaftlichkeit nicht gegeben ist ! Warum wird die S-Bahn Station zum Gateway Gardens von der EU finanziert? REchnet sich alles nicht, und das bei über 2 Billionen Staatsschulden.
Wir haben es uns bisher geleistet in jedes noch so hirnrissige Projekt Milliarden zu investieren die wir über Schulden bezahlen und von denen wir nie einen Nutzen haben werden. Zählen Sie doch mal die Schiffe auf dem Rhein-Donau Kanal, ein Traum von Karl dem Großen und Herrn Strauß. Die Rechnungshöfe können ihnen dicke Bücher mit solchen Beispielen zeigen. Ist das alles Kneipenniveau? Dann verkehren sie aber in elitären Kneipen !!
Natürlich müssen wir investieren, aber ich hätte schon mal eine Rechnung der Wirtschaftlichkeit gesehen für die Flüge in Rhien-Main oberhalb von 400.000 Bewegungen im Jahr. Das ist aber sehr dünne Luft, alle Prognosen haben sich als falsch und maßlos übertrieben herausgestellt, da müssen dann schon die Geschäfte im Duty Free Bereich aushelfen. Ist das ihr Konzept von Zukunftsinvestition mit öffentlichen Mitteln?

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