Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.04.2014

08:52 Uhr

Millionenverluste

Lufthansa rüstet sich für den Streik

3800 gestrichene Flüge, 425 000 betroffene Fluggäste: Die Lufthansa versucht, den Schaden des Pilotenstreikes durch ausländische Jets abzufedern. Immerhin: Die Osterferien sind offenbar nicht vom Streik gefährdet.

3.800 Flüge gestrichen: Die Lufthansa rüstet sich für einen der größten Streiks ihrer Gesichte. dpa

3.800 Flüge gestrichen: Die Lufthansa rüstet sich für einen der größten Streiks ihrer Gesichte.

FrankfurtDie Lufthansa rüstet sich für einen der größten Streiks ihrer Geschichte. Als Reaktion auf die Arbeitskampfdrohung von rund 5400 Flugzeugführern hat das Unternehmen von Mittwoch bis Freitag insgesamt 3800 Verbindungen gestrichen. Die Pilotenvereinigung Cockpit hält die Dimension des Streiks für gerechtfertigt. Der Streitwert zwischen Piloten und Lufthansa betrage schließlich eine Milliarde Euro, sagte deren Sprecher Jörg Handwerg am Montagabend in der ZDF-Sendung „WISO“. Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Arnold Vaatz (CDU), befürchtet „einen enormen volkswirtschaftlichen Schaden“.

Der Pilotenstreik zeigt schon an diesem Dienstag (1. April) Wirkung. Laut einer Streichliste auf der Lufthansa-Internet-Seite fallen bereits rund 40 Flüge aus. Meist handelt es sich um Fernverbindungen, die am Mittwochmorgen in Frankfurt oder München landen sollten. Diese Maschinen würden Passagiere auf einen bestreikten Umsteigeflughafen bringen, von dem sie nicht weiterkommen, erklärte ein Lufthansa-Sprecher. Von daher verzichte man auf diese Flüge.

Streiks im deutschen Luftverkehr

5. März 2008

Auf dem Frankfurter Flughafen legen laut Gewerkschaft Verdi rund 2.000 Mitarbeiter von Vorfeld, Passagierkontrolle und Werkstätten für vier Stunden ihre Arbeit nieder.

23. Januar 2009

Wegen eines Warnstreiks des Kabinenpersonals fallen 44 Flüge von und nach Frankfurt aus. Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO verlangt Tariferhöhungen.

Februar 2012

Bei einem tagelangen Arbeitskampf in Frankfurt fallen mehr als 1.700 Flüge aus. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) will für Verkehrsdisponenten, Vorfeldlotsen und Flugzeug-Einweiser mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen erzwingen.

27. März 2012

Wegen Warnstreiks an den Flughäfen in Frankfurt/Main, Köln/Bonn, Düsseldorf, München, Stuttgart, Bremen und Hannover fallen Hunderte Flüge aus. Über Stunden sorgen die von der Gewerkschaft Verdi vertretenen Mitarbeiter von Feuerwehr, Gepäckabfertigung und Bodenverkehrsdiensten dafür, dass nicht mehr viel geht.

7. September 2012

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO verursacht den bis dahin größten Ausfall an einem einzigen Streiktag in der Geschichte der Lufthansa. Rund 1.000 Flüge werden gestrichen, mehr als 100.000 Passagiere sind betroffen. Bei zwei Streikwellen in den Tagen zuvor waren insgesamt bereits rund 500 Flüge ausgefallen.

Januar/Februar 2013

Streiks des Sicherheitspersonals privater Dienstleister legen mehrere deutsche Flughäfen mehrfach weitgehend lahm. In Hamburg, Düsseldorf und Köln/Bonn kommt es zu massiven Behinderungen.

22. April 2013

Die Gewerkschaft Verdi ruft zu einem ganztägigen Warnstreik auf, um Forderungen nach Jobgarantien und 5,2 Prozent mehr Geld durchzudrücken. Das Bodenpersonal der Lufthansa sorgt dafür, dass von 1.720 geplanten Flügen nur noch 32 stattfinden.

21. Februar 2014

Private Sicherheitsleute legen mit einem 21-stündigen Warnstreik den Frankfurter Flughafen nahezu lahm. Verdi fordert für die Beschäftigten einen Einheitsstundenlohn von 16 Euro.

2. April 2014

Im April kommt es zum längsten Arbeitskampf der Piloten bei der Lufthansa jemals. Die Vereinigung Cockpit (VC) ruft ihre Mitglieder bei Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings auf, für drei Tage die Arbeit niederzulegen. Die Lufthansa reduzierte in diesen Tagen ihr Flugplanangebot stark und strich insgesamt 3800 Flüge, wodurch weit über 400.000 Passagiere betroffen waren.

29. August 2014

Die Gewerkschaft Cockpit ruft Piloten der Lufthansatochter Germanwings zum Arbeitsausstand auf. Streitpunkt sind vor allem die Regelungen zur Übergangsversorgung der bei Lufthansa angestellten Piloten. Von dem sechsstündigen Streik an sieben Standorten sind 116 von 164 Germanwings-Flügen an dem Tag betroffen, 15.000 Passagiere können nach Angaben der Airline nicht wie gewohnt reisen.

Lediglich rund 500 Flüge können zwischen Mittwoch und Freitag mit Jets der Konzerngesellschaften Eurowings, Lufthansa CityLine und Air Dolomiti angeboten werden, hatte Lufthansa am Montag in Frankfurt mitgeteilt. Bei diesen Gesellschaften streiken die Piloten nicht. Die Absagen der Lufthansa-Flüge reichen bis zum Samstag.

Betroffen sind laut Lufthansa rund 425 000 Fluggäste, denen umfangreiche Umbuchungsmöglichkeiten angeboten werden sollten. Europas größte Fluggesellschaft rechnet mit einem Ergebnisschaden in zweistelliger Millionenhöhe. Auch 23 von 31 geplanten Frachtflügen der Lufthansa Cargo seien bereits abgesagt. 2010 hatten die Piloten schon einmal mit einem vier Tage langen Streik gedroht, diesen aber nach einem Tag abgebrochen.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

01.04.2014, 08:41 Uhr

Den Passagieren sollen umfangreiche Umbuchungsmöglichkeiten angeboten werden? So ein Quatsch, bei dieser never-come-back Airline ist unter keiner Telefonnummer irgendjemand zu erreichen. Es ist schon traurig, dass man den genzen Stress wieder mal aufs Bodenpersonal abschiebt. Am Donnerstag werde ich einfach mal zum Flughafen Paris fahren, wo ich mit dem Spruch "There is no better way to be fired" begrüßt werde. Dann muss ich tierisch Stress machen, bis ich meine Hotel-Gutscheine bekomme. Cleverer wäre es, wenn die LH jetzt erreichbar wäre und ich mein Ticket auf Air France umschreiben könnte.
Leider bin ich beruflich auf die LH angewiesen und war schon sehr oft Streikopfer. Im Luftverkehr streikt ja immer irgendeine Gruppe. Daher ist hier die Politik gefragt. Ausländische Fluggesellschaften sollten endlich an allen deutschen Flughäfen bevorzugte Start- und Landerechte erhalten, um endlich mehr Alternativen zur LH zu haben. Im Gegenzug könnte dann die LH auch ein paar ihrer Piloten feuern. Oder man verzichtet ganz auf eigene Piloten und kauft diese auch bei anderen Gesellschaften ein. Ich denke, dies wäre jetzt zumindest überlegenswert.

Account gelöscht!

01.04.2014, 08:52 Uhr

Wer hier von Streikrecht spricht,verhoehnt das Recht und opfert das allgemeine Wohl einem terroristischen Piloten-
verein.

Account gelöscht!

01.04.2014, 09:47 Uhr

Leider vergessen die Akteure des Streiks, dass sie das Problem jenen eigenen Kollegen zu verdanken haben, welche vor dem europäischen Gerichtshof durchgesetzt haben, bis 65 fliegen zu dürfen. Deshalb war die Lufthansa rechtskräftig gezwungen, sogar bereits pensionierte Piloten wieder einzustellen, bis 65 weiter zu beschäftigen und zu bezahlen. Genau jenen wenigen "Fliegen-bis-zum-Umfallen-Profis", die den Hals nicht vollkriegen und jetzt sicher auch während des Streiks abheben werden, haben es die jungen NachwuchspilotInnen jetzt zu verdanken, dass sich ihre Tarifbedingungen radikal verschlechtert werden. Darüber aber redet weder bei der VC noch bei LH irgendjemand öffentlich, weil es das ohnehin schon ramonierte Image restlos ruinieren würde. Ein einziges Trauerspiel, nicht nur für die Passagiergeiseln!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×