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27.01.2010

09:55 Uhr

Millionenzahlung

Berlin träumt wieder vom Transrapid

VonD. Delhaes, A. Busch, E. Krummheuer

Hin und Her um den Transrapid: Mit der Hoffnung auf einen Export des Schwebezugs nach Brasilien will der Bund weiter Geld in die Teststrecke pumpen. Die Industrie winkt allerdings ab.

Transrapid-Teststrecke im Emsland. Reuters

Transrapid-Teststrecke im Emsland.

BERLIN/SAO PAULO/DÜSSELDORF. Die Bundesregierung will weitere Millionen in die Erforschung des Transrapids investieren. Entgegen bestehender Beschlüsse soll die Versuchsanlage im Emsland nun doch nicht ab Mai abgebaut, sondern bis Ende 2011 weiter betrieben werden. Darauf haben sich gestern die Verkehrspolitiker der schwarz-gelben Koalition verständigt. Sie wollen in die laufenden Etatverhandlungen einen Antrag einbringen, in dem der Haushaltsausschuss aufgefordert wird, „einen hohen einstelligen Millionenbetrag zusätzlich bereitzustellen“.

Hintergrund ist, dass die Koalition auf ein Transrapid-Geschäft mit Brasilien hofft. Der zuständige parlamentarische Staatssekretär, Enak Ferlemann (CDU), hatte den brasilianischen Staatspräsidenten Luiz Inácio Lula da Silva im Dezember in Berlin getroffen. Dort hatte dieser sich begeistert von der Technologie gezeigt, die er in Schanghai erlebt hatte. Dort verbindet die Schwebebahn seit 2003 den Flughafen mit dem 32 Kilometer entfernten Finanzdistrikt.

Doch der Optimismus im politischen Berlin überrascht die Industrie. „Ein konkretes Interesse Brasiliens am Transrapid ist uns nicht bekannt“, sagte ein Sprecher des Industriepartners Siemens auf Anfrage. Auch bei Thyssen-Krupp, wo die Schwebetechnik entwickelt und vorangetrieben worden war, heißt es, es gebe keine neuen Projekte.

Dirk Fischer, verkehrspolitischer Sprecher der Unionsfraktion, sagte dagegen: „Wir sind im Dialog mit den Beteiligten.“ Auch das Bundesverkehrsministerium will die Anlage weiter betreiben. „Solange es eine Vermarktungschance gibt, betreiben wir auch die Teststrecke weiter“, sagte Staatssekretär Ferlemann.

Insgesamt geht es um etwa acht Mio. Euro. Dabei verlangt der Bund von der Industrie, dass sie sich finanziell an einem weiteren Testbetrieb beteiligt. Der Verkehrsexperte der FDP, Patrick Döring, sagte: „Wenn die Versuchsanlage noch gebraucht wird, um den Transrapid zu vermarkten, ist es nur fair, wenn auch Thyssen-Krupp und Siemens sich an den Betriebskosten beteiligen – schließlich verdienen sie bei einem Vertragsabschluss auch das Geld.“

Doch Siemens und Thyssen-Krupp sehen keinen Sinn mehr im weiteren Betrieb der Teststrecke. „Es gibt für uns keine Veranlassung, sich weiter mit der Erprobung des Transrapid zu beschäftigen“, sagte ein Siemens-Sprecher. „Unser System ist voll entwickelt, es ist marktreif, uns fehlen aber Kunden für den Transrapid.“ Doch selbst wenn sich noch ein Interessent für eine Magnetbahn-Strecke finden sollte, gebe es keinen Bedarf für weitere Versuche auf dem Emsland-Rundkurs, heißt es auch bei Thyssen-Krupp.

Kommentare (3)

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Alexander von Obert

27.01.2010, 14:59 Uhr

Seit der baubeschluss für die Schnellbahntrasse Würzburg - Kassel - Göttingen fiel, hat der Transrapid in Deutschland keine Existenzberechtigung mehr. Als die Entscheidung zwischen Transrapid und iCE gefallen war, hätte die Teststrecke zügig abgebaut werden müssen. Es war völlig überflüssig, deutsche Steuern in den Technologietransfer nach China zu stecken.

Peter Scholz

27.01.2010, 16:44 Uhr

Der chinesische Hochgeschwindigkeitszug CRH 6 ist mit der Spitzengeschwindigkeit von 394 Kilometern in der Stunde der schnellste Zug der Welt, dazu noch 20% billiger und mit dem übrigen Schienennetz kompatibel. Das wird die Entscheidung brasiliens ausmachen.
Auch kann sich Deutschland nicht mit den Schwellenländern vergleichen. Denn wir haben ein kleines dichtbesiedeltes Land ohne nennenswerte bodenschätze. Wenn China 20% billiger baut, bedeutet das für den Chinesen wachsender Wohlstand. Wenn wir das machen sind wir pleite.
Natürlich brauchen wir die Magnetschwebe- Technologie. Einen Transrapid mit einem nicht kompatiblen Fahrweg, und dann noch in Konkurrenz zur bahn, brauchen wir nicht. Ein Pleitegeier reicht.
Wenn man den Transrapid in der Größe eines Mittelklassewagens bauen würde, dann könnte jeder mit 500 km/h über die Autobahn sausen und dabei das Handelsblatt lesen (was sonst). Und das ist nicht nur absolut sicher, es kostet weniger, schafft Vollbeschäftigung, bringt richtig viel Steuern ein und entlastet die Sozialkassen.
Vergleichsweise verbraucht dieser Mittelklassewagen 0,55 Liter benzin/100 km.
Mehr dazu: http://www.bps-niedenstein.de/

Elmar Hutter

06.03.2010, 19:18 Uhr

Die Maglev-Technologie macht in Europa sehr wohl Sinn. Man denke nur an die Möglichkeit als Alternative zum oekologisch höchst fragwürdigen Ausbau des kontinentalen Luftverkehrs. Eine abgespeckte Weiterentwicklung des Transrapids liesse sich beispielsweise mit dem Konzept der Swissmetro verbinden. Dabei sind kompakte Unterdruck-Röhren von ca. 6,5 m Durchmesser vorgesehen. Ein hauptsächlich unterirdisch angelegtes Malev-Netz würde Naherholungsräume und
Flughafenregionen massiv entlasten.

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