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28.01.2015

04:03 Uhr

Mindestlohn

Wie Arbeitgeber sich vor 8,50 Euro drücken

Ende Januar ist der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde zum ersten Mal fällig. Doch manche Arbeitgeber versuchen, die Zahlung mit Hilfe anderer Leistungen zu umgehen - oder an der Uhr zu drehen.

Fußbodenwischen dauert wie lange? Unrealistische Zeitvorgaben zählen zu den Tricks, mit denen schwarze Schafe Lohnzahlungen drücken wollen. dpa

Fußbodenwischen dauert wie lange? Unrealistische Zeitvorgaben zählen zu den Tricks, mit denen schwarze Schafe Lohnzahlungen drücken wollen.

Stuttgart/BerlinEin Kinobesuch auf Kosten vom Chef? Nicht von jedem Arbeitgeber war das zuletzt eine nette Geste - sondern vielmehr der Versuch, den gesetzlichen Mindestlohn zu umgehen. Seit Januar gilt für Beschäftigte in Deutschland ein flächendeckender Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Ende des Monats wird er erstmals ausgezahlt. Einige Unternehmen wurden nach Beobachtung der Gewerkschaften bereits kreativ bei dem Versuch, die Vorschrift zu unterlaufen.

„Uns wurden Fälle gemeldet, bei denen der Mitarbeiter statt des Mindestlohns einen Gutschein bekommen sollte für einen Kinobesuch oder eine Karte für die Sauna und das Solarium“, sagt eine Sprecherin des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Der DGB hat wie auch das Arbeitsministerium eigens eine Hotline zu Fragen rund um das Thema eingerichtet.

„Die meisten, die bei uns anrufen, haben Informationsfragen. Es gibt aber auch etliche, die von Versuchen ihres Arbeitgebers berichten, den Mindestlohn zu umgehen.“ Ein anderes Beispiel sei das Trinkgeld, das der Wirt plötzlich damit verrechnen wolle. Das gehe aber nicht: „Trinkgeld ist immer on top.“

Schlupflöcher gibt es anscheinend aber genug: „Das Einfachste ist die unbezahlte Mehrarbeit“, gibt Arbeitsmarktexperte Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zu bedenken. Die halbe Stunde für Aufräumarbeiten nach der Schicht falle dann etwa hinten runter und die tatsächliche Arbeitszeit werde nicht berechnet.

Eine andere Möglichkeit sei es, Mitarbeitern direkt unrealistische Zeitvorgaben zu machen, sagt der Experte. Als Beispiel nannte er einen Flur, für den zwei Stunden Reinigungszeit veranschlagt würden - was in der Praxis aber gar nicht zu schaffen sei. Die Zeit, die es länger dauere, bekomme die Reinigungskraft dann nicht bezahlt.

Der gesetzliche Mindestlohn ist zum neuen Jahr bundesweit gestartet. Ausnahmen sind aber etwa Minderjährige oder auch Langzeitarbeitslose im ersten halben Jahr beim neuen Arbeitgeber. Zudem gelten Übergangsfristen für manche Branchen bis Ende 2017.

Dass es nicht zum Unterlaufen der Regeln kommt, soll die Finanzkontrolle Schwarzarbeit, die beim Zoll angesiedelt ist, überprüfen. Das Personal soll dazu um 1600 Stellen aufgestockt werden, allerdings müssen viele Beschäftigte erst ausgebildet werden, so dass die Kontrollen in vollem Umfang noch nicht überall möglich sind.

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