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17.08.2011

15:22 Uhr

Mindestlohn

Zeitarbeitsbranche öffnet sich für „Equal Pay“

VonDietrich Creutzburg

Zeitarbeiter könnten bald mit ihren fest angestellten Kollegen gleichgestellt werden. Gegen eine entsprechende gesetzliche Regelung macht Adecco-Deutschland-Chef Dinges allerdings Front.

Der Personaldienstleister Adecco.

Der Personaldienstleister Adecco.

BerlinIn der Zeitarbeitsbranche wächst die Bereitschaft, die Bezahlung von Zeitarbeitern an das Niveau vergleichbarer Stammarbeitnehmer anzugleichen. "Es war richtig, dass die Politik ihren Wunsch nach veränderten Entgeltregeln an die Tarifparteien delegiert hat", sagte Deutschland-Chef des Personaldienstleisters Adecco, Andreas Dinges, dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe). "Diesen Ball sollten wir aufnehmen und nach vernünftigen Kompromissen suchen."

Die Bundesregierung hatte im Frühjahr einen Mindestlohn für Zeitarbeiter auf den Weg gebracht und den Tarifparteien zudem damit gedroht, zusätzlich eine Gleichbezahlung von Zeit- und Stammkräften ("Equal Pay") gesetzlich zwingend vorzuschreiben. Davor warnte Dinges entschieden. "Wichtig ist, dass die Tarifautonomie der Zeitarbeitsbranche nicht eingeschränkt wird", sagte er. "Ein schwerer Schaden für die Zeitarbeit, aber auch für Wirtschaft und Arbeitsmarkt insgesamt, wäre eine gesetzliche Equal-Pay-Vorschrift ohne Gestaltungsspielraum."

Der Adecco-Manager schlug vor, eine tarifvertragliche Regelung "mit Karenzfristen und Stufenregelungen" anzustreben. Zudem müsse eine Neuregelung "administrativ beherrschbar" sein. "Es nützt weder Zeitarbeitsfirmen noch Arbeitnehmern, wenn das Ermitteln der konkreten Vergleichslöhne in den vielen unterschiedlichen Branchen zu kompliziert oder gar konfliktträchtig wird", sagte er.

Auch die IG Metall hofft auf den Erfolg neuer Tarifverhandlungen für die Zeitarbeitsbranche. Sie hält sich aber den Ausweg offen, über neue Tarifverträge in der Metall- und Elektroindustrie strengere Regeln durchzusetzen. "Wie wir vorgehen, darüber entscheiden wir, wenn wir wissen, welches der aussichtsreichere Weg ist", sagte der IG-Metall-Bezirkschef für Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen, Armin Schild, dem Handelsblatt. "Wir werden beobachten, ob sich die Zeitarbeitsbranche tatsächlich auf ernsthafte Lösungen einlässt." Die nächste Metall-Tarifrunde läuft im Frühjahr 2012.

Unabhängig davon pochte Schild jedoch auf eine Gesetzesverschärfung. Bislang liefere das Gesetz "nicht einmal eine klare Definition, was Zeitarbeit leisten soll und was nicht", kritisierte er. "Stammbeschäftigte systematisch durch Leiharbeiter zu ersetzen", dürfe nicht länger "eine gesetzlich akzeptierte Funktion der Zeitarbeit sein".

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

17.08.2011, 19:41 Uhr

Es ist wohl einer der größten Anachronismen der Sozialgeschichte, daß für die Unternehmen, die Zeitarbeitkräfte ausleihen, diese billiger sind, als eigene Beschäftigte, ein Versagen der Gewerkschaften ist ebenfalls nicht zu übersehen.

WernerStolz

17.08.2011, 22:44 Uhr

Die Gewerkschaften sind sicher nicht unschuldig, die Hauptschuldigen an der unsäglichen Misere der Zeitarbeit in Deutschland sind aber immer noch iGZ und BAP!

sbsbksb

18.08.2011, 01:25 Uhr

Ein schwere Schaden für Zeitarbeit Spekulanten.

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