Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.02.2011

15:33 Uhr

Minister in Not

Für Guttenberg wird die Luft dünn

VonDietmar Neuerer

Der Druck auf Karl-Theodor zu Guttenberg nimmt deutlich zu: Renommierte Juristen sind überzeugt, dass der Minister beim Abfassen seiner Doktorarbeit vorsätzlich kopiert hat. Auch der Rückhalt in der Union schwindet.

Stürzt er über seine Plagiatsaffäre? Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Quelle: dpa

Stürzt er über seine Plagiatsaffäre? Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU).

DüsseldorfDas Urteil ist hart und es ist eindeutig und es ist kein üblicher und erwartbarer Reflex der Opposition: Karl-Theodor zu Guttenberg „leidet unter Realitätsverlust. Wir sind einem Betrüger aufgesessen“, sagt der Bayreuther Staatsrechtsprofessor Oliver Lepsius der „Süddeutschen Zeitung“. In Bayreuth hatte Guttenberg promoviert. Nachdem er unlängst „gravierende Fehler“ in seiner Dissertation eingeräumt, wissentliches Tun aber bestritten hatte, erkannte ihm die Universität seinen Doktortitel ab. Sie prüft derzeit, ob er vorsätzlich handelte.

Dass bei der Prüfung etwas anderes herauskommt, als das Guttenberg absichtlich kopiert hat, kann wohl nach den deutlichen Äußerungen des Wissenschaftlers Lepsius bezweifelt werden. Der Nachfolger des Doktorvaters von Guttenberg spricht von einer „Dreistigkeit ohnegleichen, wie er (Guttenberg) honorige Personen der Universität hintergangen hat“. Guttenberg habe „planmäßig und systematisch“ wissenschaftliche Quellen zum Plagiat zusammengetragen und behaupte nicht zu wissen, was er tue. Und auch andere Spitzenforscher verurteilen das Kopieren fremder Texte ohne Hinweis in Guttenbergs Doktorarbeit.

Der Druck auf Guttenberg wächst. Quelle: dpa

Der Druck auf Guttenberg wächst.

Für den Minister wird die Luft dünn, sollte die Selbstkontroll-Kommission der Hochschule tatsächlich, wie Lepsius, zu dem Ergebnis kommen, dass er die Promotionskommission vorsätzlich getäuscht hat. Denn die Staatsanwaltschaft Hof macht exakt von diesem Ergebnis abhängig, ob sich hieraus Anhaltspunkte für verfolgbare Straftaten ergeben. Im schlimmsten Fall könnten Ermittlungen eingeleitet werden, in deren Folge Guttenberg die Segel streicht. Denn auch die Kanzlerin wird irgendwann die Reißleine ziehen müssen, wenn der Druck sich nicht mehr nur allein aus Oppositionsattacken speist und so zu einer Dauerbelastung für die Regierungsarbeit wird.

Angela Merkel hatte sich bisher klar und eindeutig zu Guttenberg bekannt, indem sie die Schummel-Vorwürfe herunterspielte und erklärte, nicht einen wissenschaftlichen Mitarbeiter eingestellt zu haben. Auch CSU-Chef Horst Seehofer sicherte seinem Parteifreund die volle Unterstützung zu. Doch die Unionsreihen sind inzwischen nicht mehr so geschlossen. Erste Absetzbewegungen sind erkennbar. Nicht unter vorgehaltener Hand, sondern offen ergreifen CDU-Spitzenpolitiker das Wort und gehen auf Distanz zu Guttenberg.

Kommentare (49)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

26.02.2011, 16:14 Uhr

Herr zu Guttenberg,

Sie haben uns zu tiefst enttäuscht!

Sie hatten uns Hoffnung auf einen neuen Typus Politiker gemacht. Einer der

- tatsächlich aufrichtig und ehrlich ist
- Prinzipien hat, und zwar für die Sache
- nicht an seinem Stuhl klebt
- für die Macht und den Machterhalt nicht alles tut
- jemanden zu dem man Vertrauen haben kann

Wo sind diese Tugenden geblieben?
Waren Sie von Anfang an einfach nur ein exterm guter 'Blender'?

Es tut so weh, von jemanden wie Ihnen so getäuscht, betrogen und letztlich verarscht worden zu sein.
Bis zuletzt hat man für so jemand wie Sie bei seinen Freunden und Verwandten ein gutes Wort eingelegt, und muss sich jetzt sogar dafür schämen, denn sie hatten alle recht.

Damit ist das Thema Ehrlichkeit in der Politik ein für alle mal erledigt! Danke, Herr zu Guttenberg.
Tun Sie das einzige, was Ihnen jetzt noch bleibt: Treten Sie zurück!

aachsee

26.02.2011, 16:15 Uhr

Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen.
Diese hat Herr Guttenberg in der Tat bisher nicht geworfen und es Bestand zumindest nicht die Gefahr, dass Menschen außer seelischen Wunden, Körperverletzungen davontragen.
Von anderen Politikern, gerade aus den Reihen der größten Kritiker, kann man dies nicht unbedingt sagen, sie haben zu früheren Zeiten ein solches Risiko durchaus in Kauf genommen. Haben diese Herren in Ihrem Amt als Minister nicht trotzdem eine sehr gute Leistung erbracht?

Persönlich finde ich Kritik wegen der Doktorarbeit
durchaus angebracht, genug ist jedoch genug, schließlich sollte endlich auch im Bundestag zu der Arbeit zurückgekehrt werden, wofür unsere Politiker gewählt wurden.

Account gelöscht!

26.02.2011, 16:16 Uhr

Herr zu Guttenberg,

Sie haben uns zu tiefst enttäuscht!

Sie hatten uns Hoffnung auf einen neuen Typus Politiker gemacht. Einer der

- tatsächlich aufrichtig und ehrlich ist
- Prinzipien hat, und zwar für die Sache
- nicht an seinem Stuhl klebt
- für die Macht und den Machterhalt nicht alles tut
- jemanden zu dem man Vertrauen haben kann

Wo sind diese Tugenden geblieben?
Waren Sie von Anfang an einfach nur ein exterm guter 'Blender'?

Es tut so weh, von jemanden wie Ihnen so getäuscht, betrogen und letztlich verarscht worden zu sein.
Bis zuletzt hat man für so jemand wie Sie bei seinen Freunden und Verwandten ein gutes Wort eingelegt, und muss sich jetzt sogar dafür schämen, denn sie hatten alle recht.

Damit ist das Thema Ehrlichkeit in der Politik ein für alle mal erledigt! Danke, Herr zu Guttenberg.
Tun Sie das einzige, was Ihnen jetzt noch bleibt: Treten Sie zurück!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×