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10.05.2012

14:22 Uhr

Ministerpräsident

Der konservative Grüne

Energie, Bildung, Soziales: Winfried Kretschmann setzt in Baden-Württemberg auf die zentralen Themen der Grünen. Ein Wahlkampfversprechen konnte der Ministerpräsident im ersten Amtsjahr allerdings nicht einhalten.

Winfried Kretschmann bei der Ministerpräsidentenwahl vor einem Jahr. dapd

Winfried Kretschmann bei der Ministerpräsidentenwahl vor einem Jahr.

Frankfurt/MainDer Anzug sitzt korrekt, dazu weißes Hemd und Krawatte, letztere gerne in hellem Grün gehalten. In routinierter Gelassenheit tritt Winfried Kretschmann so vor Kameras und an Rednerpulte, verbreitet politische Botschaften und zitiert dabei gerne die Philosophin Hanna Arendt. Unüberhörbar klingt stets seine schwäbische Herkunft mit. Am Samstag ist es ein Jahr her, dass der heute 63-Jährige vom baden-württembergischen Landtag zum ersten grünen Ministerpräsidenten Deutschlands gewählt wurde. Inzwischen ist der Realpolitiker Kretschmann im Regierungsalltag angekommen - und musste mit dem „Stuttgart 21“-Volksentscheid ein erste schwere Niederlage hinnehmen.

Zunächst habe er lernen müssen, dass nun „jeder Halbsatz auf die Goldwaage gelegt wird“, hatte Kretschmann nach 100 Tagen im Amt eingestanden. Weitere fast 266 Tage später weiß er seine Worte gezielt einzusetzen, um auch über sein Land hinaus Politik zu machen - etwa wenn er eine Neuordnung des Länderfinanzausgleichs fordert oder Nachbesserungen beim Steuerabkommen mit der Schweiz. Dabei hat er seine Regierungsarbeit unter das Motto der Nachhaltigkeit gestellt: Umwelt, Bildung, Energie, Finanzen, Verkehr, Soziales - die grün-rote Landesregierung will in allen Bereichen nachhaltig gestalten.

Kretschmanns eigene Karriere bei den Grünen kann durchaus ebenfalls als nachhaltig bezeichnet werden. Er war Gründungsmitglied der Partei in Baden-Württemberg, Mitglied der ersten grünen Landtagsfraktion im Südwesten, er war Referent beim ersten grünen Minister in einem Bundesland, beim hessischen Umweltminister Joschka Fischer, und nun führt er in Stuttgart als erster grüner Ministerpräsident eine Landesregierung.

Als grüner Realo machte sich Kretschmann über Jahrzehnte einen Ruf. Manchen Fundis war er früher wegen seiner konservativen Einstellungen gar ein rotes Tuch. Nun aber, als Landesvater, bringt ihm gerade das viele Sympathien ein: Vor allem in bürgerlichen Schichten im Südwesten gilt Kretschmann als gut gelitten. Oberstudienrat, Katholik, Mitglied im Schützenverein, Vater dreier Kinder, eine sachliche Regierungsarbeit ohne Allüren - das kommt an in Baden-Württemberg.

Kommentare (1)

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meeri

05.06.2012, 19:13 Uhr

.... Mitglied in einem Schützenverein, der Grüne Landesvater!? Ich bin entsetzt!!!
Obwohl das mit den Waffen von der Sache her ganz gut zur Grünen-Politik passt, denn Friedenspartei war mal, oder bringe ich da was durcheinander?

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