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12.11.2015

16:38 Uhr

Mint-Nachwuchs fehlt

Kein Bock auf Technik-Lehre

VonBarbara Gillmann

Auch wenn immer mehr junge Menschen Fächer aus dem Mint-Bereich studieren, zeigt der Trend bei den Ausbildungen in technischen Bereichen klar nach unten. Schuld daran ist auch das negative Image vieler Berufe.

In den technischen und naturwissenschaftlichen Berufen fehlen Jahr für Jahr mehr Auszubildende. dpa

Mint-Berufe

In den technischen und naturwissenschaftlichen Berufen fehlen Jahr für Jahr mehr Auszubildende.

BerlinDas Nachwuchsproblem in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen ist mitnichten gelöst: Zwar studieren mittlerweile rund 40 Prozent der Studenten die Mint-Fächer und an den Hochschulen holen auch die Frauen kräftig auf – spiegelbildlich dazu ist die Lage bei den Ausbildungsberufen jedoch alarmierend.

Die Zahl der neuen Lehrverträge in Mint-Berufen – also Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – ist in zehn Jahren um acht Prozent zurückgegangen. Weil die Abbrecherquote steigt, ist die Zahl der erfolgreich beendeten Ausbildungen sogar um ein gutes Fünftel gefallen, warnt der neue Mint-Nachwuchsbarometer der Deutschen Akademie für Technikwissenschaften Acatech und der Körberstiftung.

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„Diese Rechnung kann nicht aufgehen“, warnt Acatech-Präsident Henning Kagermann, „Deutschland braucht beides: Spitzenkräfte bei den Ingenieuren und hervorragend ausgebildete Fachkräfte in Industrie und Handwerk.“ Ohne Gegenmaßnahmen werde die aktuelle Lücke von 78.000 nicht-akademischen Fachkräften in diesem Bereich, die das IW diagnostiziert hat, weiter kräftig wachsen, warnt der Bericht.

Schuld an der Abwendung der Jugendlichen ist das negative Image der Berufe: „Wenig Kontakt mit Menschen, ein gefährlicher und kalter Arbeitsplatz, und körperlich anstrengende Arbeit“ – so stellen sich nach einer Befragung des VDMA Schüler diese Berufe vor. Befragungen von Azubis zeigen, dass dies völlig an der Realität vorbei geht. Doch das erfahren die Schüler nicht, oder erst zu spät.

„Wir müssen jungen Menschen klar machen, dass Mint-Ausbildungen viel attraktiver sind, als sie glauben“, fordert Professor Ortwin Renn, Acatech-Präsident und wissenschaftlicher Leiter des jährlich erscheinenden Mint-Nachwuchsbarometers, der frühzeitig Defizite ausmachen soll. Denn das Negativ-Image schrecke sogar technik-affine Jugendliche ab.

Besonders hinderlich ist der Ruf, um endlich mehr Mädchen für solche Berufe zu interessieren. Obwohl Techniker viel besser verdienen als etwa Friseusen oder Arzthelferinnen, stagniert ihr Anteil an Mint-Berufen seit Jahren bei rund zehn Prozent – allen Girls-Days zum Trotz. Denn „Eltern und Bekannte raten ihnen fünfmal häufiger von einer Mint-Ausbildung ab, als Männern“, klagt Renn.

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