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13.08.2013

14:33 Uhr

„Mir standen die Haare zu Berge“

Müntefering zerreißt SPD-Kampagne

VonDietmar Neuerer

„Keine Bühne, keine Mitarbeiter, nichts“: Der frühere SPD-Chef Franz Müntefering lässt kein gutes Haar an der Kampagne seiner Partei für Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Mit seiner Kritik steht er nicht allein

Wahlkampf: Langeweile aus Kalkül

Video: Wahlkampf: Langeweile aus Kalkül

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BerlinDer frühere SPD-Chef Franz Müntefering hat der aktuellen Parteiführung schwere Versäumnisse im Wahlkampf vorgeworfen. „In dem Moment, in dem der Kandidat auftritt, muss die Kampagne stehen“, sagte Müntefering der Wochenzeitung „Die Zeit“. Das sei bei der legendären Kampa 1998 so gewesen und bei allen anderen Wahlkämpfen auch. „Für Steinbrück gab es keine Kampagne, keine Bühne, keine Mitarbeiter, da gab es nichts“, so Müntefering weiter.

Wenn intern klar gewesen sei, dass von drei möglichen Kandidaten zwei gar nicht wollten, frage er sich, wie so etwas passieren könne, sagte Müntefering weiter. „Der Start war misslungen.“, sagte er. Umso bemerkenswerter sei es, wie Steinbrück jetzt kämpfe: „Ich bin bei ihm.“  

Müntefering warnte die SPD-Führung davor, den Kanzlerkandidaten „umschminken“ zu wollen. „Steinbrück muss Steinbrück sein“, so der Ex-Parteichef. Er solle sagen, was er denke, machen, was er für richtig halte – so wie er das über Jahre stets getan habe. Daraus sei das Vertrauen entstanden, dass Steinbrück es könne. „Man darf Leute nicht umschminken.“

Auch dürfe sich der Kandidat sich nicht im Kleinteiligen verlieren. Willy Brandt und Johannes Rau hätten als Generalisten die Richtung gezeigt. „Heute muss das in der Europa- und Finanzpolitik geschehen, denn die Kanzlerin tut es überhaupt nicht“, sagte Müntefering.  

Der prominente Politikberater Michael Spreng sieht schon einen Grundfehler der Steinbrück-Kampagne darin, dass die Sozialdemokraten ein „Negative-Campaigning gegen Merkel“ betrieben. Solche Kampagnen kämen nie gut an – außer man mache es so clever wie die SPD 1998 mit ihrem Slogan: „Danke Helmut, es reicht“, schreibt Spreng in seinem Blog.

Kommentare (49)

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Mazi

13.08.2013, 14:42 Uhr

Das Problem liegt wohl vielmehr daran, dass die SPD keinen Kandidaten hatte.

Das was zur Zeit abgeliefert wird, ist im Beitrag von Müntefering eher beschönigend. Das muss dem alten Mann nachsehen, ist er doch selbst Teil des Niedergangs.

Michel

13.08.2013, 15:15 Uhr

Müntefering ist meiner Meinung mitschuld daran, daß die
SPD sich auf die Seite des Kapitals geschlagen hat und
überflüssig geworden ist. Damlals zu zeiten, als er Minister für Arbeit war, kam das Gerücht auf, daß er auch im Vorstand einer großen deutschen Personalverleihfirma
war.Ob während der Regentschaft der SPd oder davor oder danach weiß ich nicht mehr. Vielleicht ist er,s noch.
Das wäre ein Skandal erster Güte. Ein Arbeitsminister tüftelt Hartz 4 aus und das Arbeitnehmerentsendegesetz und ist oder war gleichzeitig einem Vorstand eines Skalvenhändlers. Veröffentlichen braucht Ihr diesen Kommentar nicht, wenn Ihr das aber recherschieren könntet
und dann veröffentlichen, wäre das nochmal so gut.

trobarie

13.08.2013, 15:22 Uhr

Müntefering holt alte Klamotten aus der Kiste. Die alten Werbekampagnen haben keinen Wert mehr, sie sind weggeworfenes Geld. An die Stelle der überholten Werbung ist längst das Internet mit seiner rasanten Verbreitung getreten, da werden Wahlen mitentschieden. Plakate, Spots, Großwände mit unglaubwürdigen Visagen und hohlen Sprüchen bewirken gar nichts mehr. Das Wichtigste sind klare und bürgerüberzeugende Programme, und die hat die SPD eben nicht. Sie verköpert immer noch die größte Sozialverräterschaft nach dem letzten Krieg; Rentenbetrug und Lohnabbau, Niedriglöhne und Zeitarbeit; weniger Nettoeinkommen; den Abbau der paritätischen Krankenkassenbeiträge; den privaten Irrsinn der Riester- und Rüruprenten, die jetzt schon entwertet sind und vor dem Ruin stehen; die Schuldenvergemeinschaftung in der EU ohne überhaupt noch Opposition wahrzunehmen; den Ausverkauf deutscher Souveränität an die EU ohne Bürgerwillen; die Preistreiberei durch übezogene Subventionen im Bereich der erneuerbaren Energien; die Haftung für Pleiteländer und Bankenzocker ohne strafrechtliche Folgen; die Kriegseinsätze entgegen jeglicher Vernunft; überbordende Steuer- und Sozialabgabenerhöhungen unter der grünen Fuchtel; kaum noch Eigenständigkeit im Einheitsbrei der Blockparteien und Vieles mehr... Da ist Steinbrück nur der ungeliebte Prügelknabe, denn die Themen und Realitäten der SPD-Politik sind ausschlaggebend. Die SPD hat mit Schröder, Münte, Struck, Steinbrück, Gabriel, Nahles und Co. ihre Seele aufgegeben und hängen sich auch noch an die grünen Weltverbesserer und Bevormunder. Das war es SPD: Als früherer Stammwähler und als Mitglied habe ich mich jetzt der AfD zugewandt. Diese greift wenigstens die den Bürgern unter den Nägeln brennende Themen noch auf, im Gegensatz zu allen korrupten Blockparteien.

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