Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.11.2014

18:56 Uhr

Mitarbeiter packt aus

BND durchsuchte Datenströme für NSA

Amerikaner und Deutsche arbeiten in Bad Aibling gemeinsam an der Auswertung abgefangener Daten. Der BND benutze Geräte und Programme der NSA, sagt ein BND-Mitarbeiter. Daten von Deutschen seien nicht weitergegeben worden.

Die Abhörstation des BND steht im bayrischen Bad Aibling in der Nähe von München. ap

Die Abhörstation des BND steht im bayrischen Bad Aibling in der Nähe von München.

BerlinDer Bundesnachrichtendienst (BND) hat nach Angaben eines Mitarbeiters abgefangene Daten in seiner Abhörstation in Bad Aibling häufiger für amerikanische Geheimdienste als für eigene Zwecke durchsucht. Von den Filterkriterien, nach denen der BND die Daten durchsucht, stammt nach diesen Angaben ein großer Teil von amerikanischer Seite.

„Als wir angefangen haben, war das Verhältnis etwa 1:4. Vier amerikanische auf einen deutschen Selektor“, sagte der Mann am Donnerstag vor dem NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestages. Selektoren sind Kriterien, nach denen Daten durchsucht werden – etwa eine Mailadresse, eine Telefonnummer oder eine Kontaktperson. Der BND prüfe allerdings vorher, ob Deutsche oder „deutsche Interessen“ betroffen seien.

Der BND-Mitarbeiter, der nur als „T.B.“ identifiziert wurde, arbeitete für eine gemeinsame Analyseeinheit (JSA) von BND und NSA. Er war von 2002 bis 2007 im oberbayerischen Bad Aibling tätig.

Der BND-Mann betonte, dass damals keine Informationen über Deutsche an andere Nachrichtendienste weitergegeben worden seien. Der Grünen-Abgeordnete Konstantin von Notz stellte diese Aussage in Frage: „Das ist eine steile These angesichts der Aktenlage, die wir hier haben“, sagte er.

Diese US-Geheimdienste sind in Deutschland aktiv

CIA

Die Central Intelligence Agency ist der Auslandsgeheimdienst. Er versorgt die US-Regierung mit Informationen, die sie für ihre Entscheidungen etwa im Kampf gegen den internationalen Terrorismus benötigt. Das Budget lag 2013 nach Recherchen der „Washington Post“ bei etwa 14,7 Milliarden US-Dollar (etwa 11 Mrd Euro).

NSA

Hauptaufgabe des militärischen Geheimdienstes National Security Agency ist die Erfassung und Auswertung elektronischer Daten weltweit und die Arbeit mit Verschlüsselungstechnik (Kryptologie). Das Budget soll sich auf etwa 10,8 Milliarden Dollar belaufen.

NRO

Das National Reconnaissance Office (Nationales Aufklärungsamt) ist das Auge und Ohr der USA im Weltraum. Es betreibt das Satellitenaufklärungsprogramm. Das Budget soll etwa 10,3 Milliarden Dollar betragen.

FBI

Die Bundesermittlungsbehörde Federal Bureau of Investigation hat neben der Verbrechensbekämpfung auch die Aufgaben eines Inlandsgeheimdienstes. Sie hat unter anderem terroristische Organisationen und ausländische Geheimdienste im Visier. Das Budget soll etwa 8,2 Milliarden Dollar betragen.

NGA

Die National Geospatial Intelligence Agency (Nationale Agentur für geografische Aufklärung) sammelt und erstellt Informationen über die Erde, die unter anderem für die nationale Sicherheit, militärische Operationen und humanitäre Hilfsanstrengungen genutzt werden. Das Budget soll bei etwa 4,9 Milliarden Dollar liegen.

DIA

Die Defense Intelligence Agency (DIA) koordiniert die Geheimdienste des US-Militärs. Sie hat nach eigenen Angaben weltweit mehr als 16 500 Mitarbeiter. Das Budget soll etwa 4,4 Milliarden Dollar betragen.

Der Untersuchungsausschuss soll die Spähaffäre rund um den US-Geheimdienst NSA aufarbeiten. Vor mehr als einem Jahr war ans Licht gekommen, dass dieser massenhaft auch in Deutschland Daten ausforscht. In der Affäre gerieten auch die deutschen Geheimdienste in die Kritik - allen voran der Auslandsdienst BND.

Medienberichten zufolge soll der BND bei der Operation „Eikonal“ jahrelang auch Daten deutscher Staatsbürger an die NSA übermittelt haben. Die Daten habe der BND zwischen 2004 und 2008 am Internet-Knotenpunkt in Frankfurt abgegriffen, hieß es. Filter, die Informationen über Deutsche herausfischen sollten, hätten nur zu 95 Prozent funktioniert.

„T.B.“ dagegen erklärte, die Zahl von 95 Prozent stamme aus einem Testbetrieb des Filtersystems. Später habe man 99 Prozent erreicht. Durch eine zusätzliche Prüfung von Hand seien alle Daten von Deutschen herausgelöscht worden. „Meines Wissens wurde aus diesem Ansatz kein Datum eines Deutschen abgeleitet.“

Gleichzeitig räumte der Geheimdienst-Mitarbeiter ein, dass es schwer sei, deutsche Daten aus dem Datenstrom zu entfernen. „Das war eines der schwierigsten Probleme überhaupt“, sagte er. Besonders gelte das für Daten aus angezapften Glasfaserkabeln. Auch solche Daten wurden nach Aussage von „T.B.“ in Bad Aibling verarbeitet.

Von

dpa

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Manfred Zimmer

06.11.2014, 20:29 Uhr

Gibt es in Deutschland noch einen Bürger, der diese Dimenties/Stories glaubt?

Herr Fred Meisenkaiser

06.11.2014, 20:44 Uhr

Aber die Ablenkung mit Stasi, Linkspartei usw. sollte doch schon funktionieren.
Schließlich war die DDR ein Unrechtsstaat. Heute in unserm Superrechtsstaat ist alles besser.

Und der Weihnachtsmann hat einen großen weißen Bart.....

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×