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03.01.2011

08:53 Uhr

Mitarbeiter-Rekrutierung

Viele Firmen bilden sich die Studenten selber aus

VonBarbara Gillmann

Im Kampf um Fachkräfte liegt bei der Wirtschaft eine neue Form der Mitarbeiter-Rekrutierung im Trend: Mit dualen Studiengängen wollen Unternehmen wie Telekom oder Deutsche Bahn junge Akademiker an sich binden.

Studenten im Hörsaal: Einige Unternehmen bieten mittlerweile ein "duales Studium" an. dpa

Studenten im Hörsaal: Einige Unternehmen bieten mittlerweile ein "duales Studium" an.

BERLIN. Der Nachwuchs wird nicht nur knapp, er studiert auch nicht unbedingt das, was von der Wirtschaft gefragt ist. Daher machen die Unternehmen jetzt mobil und holen sich selbst die Studenten ins Haus. Das Zauberwort heißt „duales Studium“, also Studiengänge, die teils an der Hochschule, teils im Betrieb stattfinden. Das Erfolgsmodell der dualen Berufsausbildung soll auf die Akademiker übertragen werden.

So hat etwa die Deutsche Telekom ihr Angebot innerhalb von zwei Jahren „von 200 auf rund 900 Plätze gesteigert“, sagte Personalvorstand Thomas Sattelberger auf dem Handelsblatt-Kongress „Schule-Wirtschaft“. Die hauseigenen Studenten beziehen ab dem ersten Tag Gehalt. Das lohnt sich, auch für die Unternehmen. Denn „etwa bei Informatikern finden wir auf dem freien Markt oft niemand“, sagte ein Sprecher der Telekom. „Zudem brauchen sie nach dem Bachelor-Abschluss keine Einarbeitung.“

Personalchefs berichten von guten Erfahrungen

Die Telekom liegt im Trend: Mittlerweile nutzen nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) 2 274 Unternehmen diese neue Form der Mitarbeiter-Rekrutierung. Das sind immerhin neun Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der dualen Studenten hat seit 2009 um sechs Prozent auf fast 51 000 zugelegt. Die Zahl der Studiengänge stieg um fast 13 Prozent auf 776.

Auch die Deutsche Bahn stockt die Zahl der dual Studierenden von derzeit 600 auf 625 auf. DB-Personalvorstand Ulrich Weber nennt das ein Erfolgsmodell: „Die Studierenden lernen durch den engen Wechsel von Praxis und Theorie die betrieblichen Abläufe bestens kennen. Davon profitieren beide – unser Nachwuchs und wir als Arbeitgeber.“ Beifall kommt auch aus der Regierung: Bundesbildungsministerin Annette Schavan sagte, „der ständig wachsende Anteil derer, die Lust auf ein Studium haben, ist ein guter Grund, unsere Hochschullandschaft weiterzuentwickeln“. Dazu gehörten duale Studiengänge, „und wir sollten mehr davon haben“, sagte die CDU-Politikerin dem Handelsblatt.

Gut die Hälfte der Dual-Studenten studiert Wirtschaftswissenschaften. Daneben ist das Kombi-Modell offenbar ein Patentrezept um mehr junge Menschen in die vermeintlich schweren Ingenieurfächer zu locken. Hier ist die Zahl der Studiengänge allein von 2009 auf 2010 kräftig gewachsen – im Maschinenbau um 13 , bei den Bauingenieuren um 16 und in der Elektrotechnik gar um fast 20 Prozent.

Das liegt auch daran, dass Ingenieurwesen ein klassisches Aufsteigerfeld ist. Für diese Gruppe, die vielfach nicht aus begütertem Elternhaus kommen, ist es besonders interessant, schon im Studium Geld zu verdienen, heißt es bei den Arbeitgebern. Unternehmen können sich so den Nachwuchs heranziehen, der nicht von selbst von den Hochschulen kommt. Der Boom des dualen Studiums wird anhalten, heißt es bei der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände.

Und tatsächlich: Die Nachfrage ist riesig. Auf jeden Platz kommen 50 Bewerber, bei einzelnen Unternehmen melden sich gar mehr als 1 000 Interessenten.

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