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28.09.2011

16:10 Uhr

Mitschuld an Finanzkrise

Grüne wollen Oligopol der Wirtschaftsprüfer brechen

Die EU will die Macht der großen Wirtschaftsprüfer radikal beschneiden und stößt damit bei Union und FDP auf Widerstand. Die Grünen halten das für einen Fehler. Für sie sind die Berater Mitschuld an der Finanzkrise.

Grünen-Finanzexperte Schick. picture-alliance / Sven Simon

Grünen-Finanzexperte Schick.

Berlin/Düsseldorf„Union und Liberale schlagen sich hier auf die Seite des Oligopols der Wirtschaftsprüfer, statt marktwirtschaftliche Reformen zu ermöglichen. Dabei tragen die Wirtschaftsprüfer eine erhebliche Teilverantwortung für die Krise“, sagte der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Gerhard Schick. Risiken seien verkannt und Testate nicht eingeschränkt worden, obwohl das in vielen Fällen dringend erforderlich gewesen wäre. „Viele schwere Fehler und Versäumnisse der Wirtschaftsprüfer im Vorfeld der Krise lassen sich auch auf die Marktstruktur und den Regulierungsrahmen der Wirtschaftsprüfung zurückführen“, macht der Grünen-Politiker deutlich.

Die jetzt öffentlich gewordenen Vorschläge der EU-Kommission wiesen daher in die richtige Richtung. „Union und FDP müssen ihren Widerstand deshalb aufgeben und stattdessen die Kommissions-Vorschläge konstruktiv begleiten, wenn die richtigen Lehren aus der Krise gezogen werden sollen“, so Schick.

Wirtschaftsprüfer unter Druck

„The Big Four“

„The Big Four“ werden sie genannt, die vier großen Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsunternehmen, wie man sie exakt bezeichnet. Nun will die EU ihre Macht beschränken. Die vier großen Wirtschaftsprüfer beschäftigen allein in Deutschland über 30.000 Mitarbeiter.

PwC

Pricewaterhouse Coopers ist in Deutschland Marktführer. 1,34 Milliarden Euro macht der US-Konzern 2010 hierzulande an Umsatz – und das mit 8.637 Mitarbeitern.

PwC

PwC wurde 1848 in London gegründet, hat heute aber seinen Hauptsitz in New York. 2010 machte der Konzern weltweit einen Umsatz von 26,6 Milliarden Dollar und beschäftigte rund 160.000 Mitarbeiter.

KPMG

Auf Rang zwei liegt in Deutschland KPMG mit einem Umsatz von 1,19 Milliarden Euro. 8.270 Mitarbeiter beschäftigt KPMG hierzulande.

KPMG

KMPGs Sitz ist in der Schweiz, die Hauptverwaltung liegt allerdings im kanadischen Toronto. Weltweit gesehen liegt der Konzern mit 140.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 20,6 Milliarden Dollar auf Rang drei.

Ernst & Young

Denn Ernst & Young ist mit einem Umsatz von 21,3 Milliarden Dollar etwas größer. Die Mitarbeiterzahl liegt mit 141.000 praktisch gleichauf mit dem Konkurrenten KPMG. Ernst & Young hat seinen Hauptsitz in New York.

Ernst & Young

In Deutschland macht Ernst & Young einen Umsatz von 1,06 Milliarden Euro und liegt damit auf dem dritten Platz. 6.776 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen hierzulande.

Deloitte

Die Nummer vier folgt mit einigem Abstand: Deloitte kommt in Deutschland „nur“ auf einen Umsatz von 577 Millionen Euro und beschäftigt 4.602 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr wollte Deloitte Roland Berger kaufen, um das Beratungsgeschäft auszubauen. Aber der Deal scheitere am Widerstand der Berger-Partner.

Deloitte

Im weltweiten Vergleich ist Deloitte aber die Nummer zwei mit einem Umsatz von 26,6 Milliarden Dollar. 170.000 Mitarbeiter beschäftigt das US-Unternehmen.

BDO

Auf Platz fünf liegt in Deutschland BDO. Doch der Abstand ist enorm: BDO macht hierzulande einen Umsatz von 180 Millionen Euro.

Rödl & Partner

Auf Rang sechs folgt Rödl & Partner mit einem Umsatz von 135,5 Millionen Euro. Immerbin sind das acht Prozent mehr als 2009.

Ecovis

Ecovis konnte zulegen, und zwar um rund vier Prozent und kommt nun auf einen Umsatz von 107 Millionen Euro.

Ebner Stolz Mönning Bachem

Langer Name, großer Zuwachs: Ebner Stolz Mönning Bachem hat seinen Umsatz im Jahr 2010 um über zwölf Prozent auf 106 Millionen Euro gesteigert.

Rölfs

Auf Platz neun liegt Rölfs mit einem Deutschland-Umsatz von 84 Millionen Euro. Das bedeutet ein Minus von sieben Prozent im Vergleich zu 2009.

PKF Fasselt Schlage

In die Top Ten hat es auch PKF Fasselt Schlage. Das Unternehmen kommt in Deutschland auf einen Umsatz von 56 Millionen Euro.

Nach dem Willen von Binnenmarktkommissar Michel Barnier soll es den Marktführern KPMG , Ernst & Young , Deloitte und PwC künftig nicht mehr erlaubt sein, in ein und demselben Konzern als Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberater aufzutreten. Das geht aus einem Entwurf Barniers vor, der Reuters am Dienstag vorlag.

Die Neuregelung soll Interessenskonflikten einen Riegel vorschieben, denn Beratungsmandate sind lukrativ und könnten die Unabhängigkeit der Prüfer in Zweifel ziehen. Am Ende ist auch eine Aufspaltung der Gesellschaften denkbar. Die Pläne müssen aber noch vom Europäischen Parlament und den Mitgliedstaaten abgesegnet werden. Widerstand wird vor allem aus Großbritannien erwartet, wo die „großen Vier“ ihren Europasitz haben.

Wirtschaftsprüfer: Ins Schwarze getroffen

Wirtschaftsprüfer

Ins Schwarze getroffen

So ziemlich alles haben die großen Wirtschaftsprüfer versucht, um die scharfen Auflagen durch die EU zu verhindern. Doch offenbar vergeblich. Die neuen Pläne dürften sie hart treffen. Völlig zurecht. Ein Kommentar.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

28.09.2011, 16:23 Uhr

Auch hier ist meine Kommentierung top-aktuell: Diese Entwicklung war abzusehen. Hoffentlich wird nun wieder vestärkt der WP Mittelstand mit Aufträgen und Anfragen versehen. Es war wirklich schon schockierend mit anzusehen, wie die sogenannten BIG Four den klassischen WP Markt in Deutschland kaputt gemacht haben/machen. Junge Uni-Absolventen werden verbrannt, nach bestandenem WP Examen werden die Prokuristen (Manager / Senior Manager) auf die Partnerlaufbahn "vorbereitet", d.h. entweder müssen sie genauso rücksichtslos, egoistisch und machtbesessen wie die Partnerkollegen sein, oder diese Mitarbeiter/innen werden entsorgt. Hier muß ein Umdenken erfolgen! Gerade auch um das Berufsbild des Wirtschaftsprüfers wieder interessant zu machen! Die facettenreichen und sehr anspruchsvollen Aufgaben müssen dargestellt werden. Für den deutschen WP gibt es mehr Vorbehaltsaufgaben als die "klassische" Jahresabschlussprüfung.
Der mittelständische Wirtschaftsprüfer ist viel breiter aufgestellt und sieht sich als kompetenter Ansprechpartner! Manche sagen ja bereits, dass mit der Wahl des Beirates der Wirtschaftsprüferkammer sich ein Umdenken im deutschen WP Markt vollzogen hat. Es liegt nun an uns, den mittelständischen WP's, die gebotenen Chancen zu ergreifen und auch die Gespräche mit den sogenannten Big Four zu suchen.

Hochwohldurchlauchtigster

28.09.2011, 16:46 Uhr

Diese Diskussion ist ueber zwanzig Jahre alt, und nichts hat sich getan. Ich war in den 90ern selber einmal damit betraut ... und wir haben heute immernoch die alten Probleme. D entwickelt sich zum perfekten Amerika.

Mazi

28.09.2011, 21:33 Uhr

Selbst schuld, wenn man die GRÜNEN nicht "bedenkt".

Also, beim nächsten mal ausgeglicher Spenden.

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