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27.11.2015

18:40 Uhr

Mögliche Verbindung zu Paris-Attentätern

Deutscher Waffenhändler verkaufte Sturmgewehre nach Frankreich

Anfang November verhaftete die Polizei einen illegalen Waffenhändler in Baden-Württemberg. Nun zeigen Emails, dass der 24-Jährige wohl Sturmgewehre an eine Adresse nach Paris verkaufte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft prüft eine mögliche Verbindung zwischen einem deutschen Waffenhändler und den Anschlägen in Frankreich. dpa

Gedenken an die Opfer von Paris in Berlin

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft prüft eine mögliche Verbindung zwischen einem deutschen Waffenhändler und den Anschlägen in Frankreich.

StuttgartZwei Wochen nach den Terroranschlägen von Paris ermitteln deutsche Behörden wegen einer möglichen Waffenlieferung in die französische Hauptstadt. „Ein 24 Jahre alter Mann steht im Verdacht, vier Sturmgewehre an eine Pariser Lieferadresse geschickt zu haben“, sagte ein Sprecher der Stuttgarter Staatsanwaltschaft am Freitag. Mögliche Bezüge zu den Anschlägen in Paris würden geprüft. Über die Festnahme und die mögliche Lieferung von vier Kalaschnikow-Sturmgewehren hatte zuerst die „Bild“-Zeitung berichtet.

Die Staatsanwaltschaft hatte am Donnerstag Ermittlungen im Fall eines 24 Jahre alten Deutschen aus dem baden-württembergischen Magstadt (Kreis Böblingen) wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz eingeleitet. Das Landeskriminalamt sei mit weiteren Überprüfungen beauftragt worden. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, in mehreren Fällen Schreckschusswaffen ungenehmigt zu illegalen Schusswaffen umgebaut und diese über eine illegale Plattform im Internet verkauft zu haben.

Die Namen hinter dem Horror von Paris

Identifizierung der Attentäter

Seit den Anschlägen von Paris arbeiten die französischen und belgischen Sicherheitsbehörden an der Identifizierung der getöteten Attentäter und möglicher Unterstützer. Ein Überblick über die bisher Identifizierten. (Quelle: Reuters)

Getötet: Abdelhamid Abaaoud

Mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge von Paris. Der Belgier aus dem Brüsseler Stadtteil Molenbeek wurde eigentlich in Syrien vermutet. Am Donnerstag teilte die Staatsanwaltschaft mit, er sei bei der Razzia und anschließenden Schießerei am Mittwoch im Pariser Stadtteil Saint-Denis ums Leben gekommen. Offenbar wurde er erschossen.

Getötet: Ismail Omar Mostefai

Der Franzose mit algerischen Wurzeln war am Angriff auf die Konzerthalle Bataclan mit 89 Toten beteiligt. Mostefai lebte zeitweise in der Region von Chartres, südwestlich von Paris. Geboren wurde er in Courcouronnes im Süden der französischen Hauptstadt. Sein Name wurde von den Sicherheitsbehörden bereits 2010 auf eine Liste möglicher radikaler Islamisten gesetzt. Die türkische Regierung hat nach eigenen Angaben Frankreich im Dezember 2014 und im Juni 2015 wegen Mostefai kontaktiert, aber erst nach den Anschlägen eine offizielle Anfrage aus Frankreich erhalten.

Getötet: Samy Amimour

Der Franzose war ebenfalls am Angriff auf das Bataclan beteiligt. Er lebte in Drancy in der Nähe des nördlichen Pariser Stadtteils Saint-Denis, wo es am Mittwoch zu einer Schießerei mit einer mutmaßlichen zweiten Islamisten-Zelle kam. Amimour wurde seit Ende 2013 international gesucht. Seit Oktober 2012 wurde er von den Behörden beobachtet, weil der Verdacht bestand, er könnte sich in den Jemen absetzen.

Getötet: Fouad Mohamed Aggad

Er ist einer der drei Männer, die das Blutbad in der Konzerthalle Bataclan anrichteten. Der 23-Jährige kam aus dem französischen Straßburg und hatte vor den Anschlägen in Syrien gekämpft. Gemeinsam mit Amimour und Mostefaï hatte Aggad 89 Menschen in der Konzerthalle getötet. Als die Polizei das Gebäude stürmte, sprengte er sich in die Luft.

Getötet: Brahim Abdeslam

Der Franzose lebte in Belgien. Er sprengte sich vor dem Café Comptoir Voltaire in die Luft. Bruder des noch immer gesuchten Verdächtigen Salah Abdeslam.

Getötet: Bilal Hafdi

Einer der drei Angreifer auf das Pariser Fußballstadion Stade de France. 20 Jahre jung.

Unklar: Ahmad Al Mohammad

Bei einem weiteren Selbstmordattentäter beim Stade de France wurde ein Pass auf den Namen Ahmad Al Mohammad, 25 Jahre alt, aus dem syrischen Idlib gefunden. Die Fingerabdrücke des Mannes passen zusammen mit denen eines Flüchtlings, der unter dem Namen im Pass im Oktober 2015 in Griechenland registriert worden war. Über den dritten Selbstmordattentäter am Stade de France ist bisher nichts bekannt.

Gesucht: Salah Abdeslam

Der in Brüssel geborene Franzose wird verdächtigt, einen schwarzen VW Polo gemietet zu haben, der bei den Attacken in Paris eingesetzt wurde. Der Anwalt Xavier Carette sagte dem belgischen Sender RTBF, er sei am Sonntagmorgen von Paris nach Brüssel zurückgekehrt, nachdem er von der französischen Polizei auf dem Weg drei Mal gestoppt worden sei. Abdeslam wird auch Wochen nach dem Anschlag in Mitteleuropa vermutet.

Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung am vergangenen Montag wurden weitere Schusswaffen gefunden. Nach Auswertung von Emails gibt es Anhaltspunkte dafür, dass der Verdächtige Anfang November 2015 vier Sturmgewehre vom Typ Kalaschnikow an einen Abnehmer in Paris verkauft haben könnte. Die Identität des Käufers stehe noch nicht fest, sagte der Stuttgarter Behördensprecher. Der 24-Jährige sitzt in Untersuchungshaft in Stuttgart-Stammheim.

Von

dpa

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