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16.08.2013

02:22 Uhr

Mollath in Talkshow

„Bei Ministerin Merk ist Hopfen und Malz verloren“

Sieben Jahre war Gustl Mollath gegen seinen Willen in der Psychiatrie. Das erneute Aufrollen seines Falls samt Freilassung hat ihn als Talkshow-Gast interessant gemacht. Dort teilt er gegen Bayerns Justizministerin aus.

Gustl Mollath (re.) sitzt neben seinem Rechtsanwalt Gerhard Strate während der Aufzeichnung der Sendung „Beckmann“. dpa

Gustl Mollath (re.) sitzt neben seinem Rechtsanwalt Gerhard Strate während der Aufzeichnung der Sendung „Beckmann“.

Nürnberg/BerlinDer sieben Jahre gegen seinen Willen in der Psychiatrie untergebrachte Gustl Mollath hat die bayerische Justizministerin Beate Merk (CSU) erneut scharf kritisiert. In der ARD-Talkshow „Beckmann“ warf er der Ministerin vor, sich in Widersprüche verstrickt zu haben. „Ich sag' es, wie es ist, auch wenn das jetzt unverschämt klingt: Da ist Hopfen und Malz verloren“, sagte Mollath. „Die Statements, die sie vor einem Jahr über meine Person abgegeben hat und meinen Fall, sind über 180 Grad konträr zu dem, was sie heute zum Besten gibt.“

Mollath war 2006 als gemeingefährlich in die Psychiatrie eingewiesen und vor gut einer Woche entlassen worden. Das Oberlandesgericht Nürnberg hatte auf eine Beschwerde seines Anwalts hin zugleich angeordnet, das Verfahren gegen den 56-Jährigen Maschinenbauer in Regensburg neu aufzurollen. Mit der Aufhebung eines früheren Urteils kam Mollath noch am selben Tag frei.

Mollath stellte in der TV-Talkshow zugleich das System der psychiatrischen Begutachtung infrage. Ob er im Rahmen des Wiederaufnahmeverfahrens seinen Geisteszustand begutachten lasse, sei noch unklar. „Wenn ich mich begutachten lasse, dann muss sicher sein, dass das auf wissenschaftlicher und objektiver Grundlage passiert“. Auf jedem Fall müsse er dem Gutachter vertrauen. „Und das ganze Begutachtungsverfahren muss in Wort und Bild aufgezeichnet werden“, sagte er.

Sein Anwalt Gerhard Strate erklärte hingegen in der TV-Talkshow, er rate seinem Mandanten davon ab, „weil ich das nicht für notwendig halte“. Er gehe ohnedies davon aus, dass das Gericht in dem Wiederaufnahmeverfahren auf ein solches psychiatrisches Gutachten verzichten werde. „Ohne der Regensburger Kammer zu nahe treten zu wollen, gehe ich davon aus, dass das Gericht versuchen wird, sich in dem Fall rasch davonzustehlen und nicht erst mit einem Gutachten kommen wird“, sagte der Mollath-Verteidiger. Das ganze werde ein relativ kurzer Prozess werden. Mit dem Beginn des Wiederaufnahmeverfahrens rechnet Strate bis Ende des Jahres.

Bereits direkt nach seiner Entlassung aus der geschlossenen Psychiatrie hatte Mollath der Bayrischen Justizministerin Beate Merk Heuchelei vorgeworfen. „Die Wirklichkeit ist völlig anders als Frau Merk jetzt tut“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“ auf die Frage nach Versuchen Merks, die Wiederaufnahme des Prozesses als ihren eigenen Erfolg zu verbuchen. „Ich glaube nicht, dass die Bürger so blauäugig sind und ihr glauben“, sagte Mollath.

Nach Jahren in Psychiatrie: Mollath wirft Ministerin Merk Heuchelei vor

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Mollath wirft Ministerin Merk Heuchelei vor

Einen Tag nach seiner Entlassung aus der geschlossenen Psychiatrie hat Gustl Mollath Bayerns Justizministerin Beate Merk sowie das Rechtssystem scharf kritisiert. Außerdem schmiedet er bereits Zukunftspläne.

In dem am Tag nach seiner überraschenden Entlassung geführten Interview kündigte der 56-Jährige an, „die Auseinandersetzung in einem rechtsstaatlichen Prozess“ zu suchen. „Ich rechne mit großem Aufwand und viel Quälerei. Aber ich will vollständig rehabilitiert aus diesem Prozess gehen.“ Zugleich übte er scharfe Kritik am Rechts- und Psychiatriesystem und forderte Konsequenzen.

Sein Fall sei „die Spitze eines Eisbergs“, zitierte ihn die „SZ“. Geschlossene psychiatrische Kliniken seien „de facto ein rechtsfreier Raum. Der größte Teil der Menschen ist auf Gedeih und Verderb den Ärzten und dem Personal ausgeliefert. Wenn es darauf ankommt, versagen die Kontrollinstanzen. Man ist im weitesten Sinne der Willkür ausgesetzt und kann sich nicht wehren.“

Der Maschinenbauer sieht sich seit langem als Opfer eines Komplotts seiner früheren Ehefrau und der Justiz, weil er auf Schwarzgeldgeschäfte in Millionenhöhe hingewiesen habe. Mollath hatte seine Frau, eine Vermögensberaterin bei einer Bank, und andere 2003 wegen unsauberer Geschäfte angezeigt. Die Vorwürfe wurden nicht weiterverfolgt, erwiesen sich später aber teilweise als zutreffend. Er selbst war 2006 als gemeingefährlich in die Psychiatrie eingewiesen worden. Unter anderem soll er seine Frau misshandelt und Autoreifen zerstochen haben. Mollaths Freilassung begründeten die Richter im neu aufgerollten Prozess mit Zweifeln an dem Attest der Arztpraxis, die damals die Verletzungen seiner Ehefrau dokumentiert hatte. Nach Angaben des Gerichts war Mollaths Frau im Juni 2002 gar nicht von ihrer Hausärztin selbst, sondern von deren Sohn untersucht worden, der als Weiterbildungsassistent in der Praxis beschäftigt war.

Wiederaufnahme

Neuer Prozess für Gustl Mollath

Wiederaufnahme: Neuer Prozess für Gustl Mollath

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Kommentare (41)

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Account gelöscht!

15.08.2013, 21:41 Uhr

Es ist unglaublich, was bei uns, in einer, man muss schon sagen, angeblichen Demokratie, für eine Willkür herrscht. Man hat den Eindruck Richter und Politiker arbeiten Hand in Hand und gerade so nach passender Opportunität. Der Wahlkampf hat Herrn Mollath seine vorübergehende Freiheit beschert. Mal sehen, wie nach den Wahlen über Herrn Mollath gerichtet wird. Wie wärs mit dem Umkehrschluß, dass Richter, die falsch urteilen und Politiker, die opportun handeln weggesperrt werden?

ZahlungsverweigerIn

15.08.2013, 22:02 Uhr

Herr Mollath ist heute um 22:45 bei Beckmann zu Gast, bitte nicht vergessen.

Leider sehr spät, wohl kalkulierte Absicht des staatlichen-verblödungs Rundfunks, finanziert von unseren Zwangsgebühren!

Gegen Zwangsgebühren gibt es die Enthaltsamkeit, bitte recherchieren und nicht zahlen!

kuac

15.08.2013, 22:03 Uhr

Hallo Gebbi,
Seien Sie vorsichtig. Sie sind ein Systemgegner. So was moegen sowohl die Diktatoren als auch die Demokraten nicht.

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