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02.07.2011

12:30 Uhr

Monika Hohlmeier

Das Leben einer Politiker-Tochter

VonTina Hildebrandt und Tanja Stelzer
Quelle:Zeit Online

Sie hat sich die Rolle als Kind eines Spitzenpolitikers nie aussuchen können: Monika Hohlheimer. Die Tochter von Franz Josef Strauß gewährt Einblicke in das Innenleben in eine der einst mächtigsten Familien Deutschlands.

Monika Hohlmeier Quelle: ap

Monika Hohlmeier

Frau Hohlmeier, Ihr Vater Franz-Josef Strauß ist ein Idol der Konservativen, für viele war er sogar ein Reaktionär, er galt als echter Macho. Sie haben zwei Brüder. Gab es im Hause Strauß unterschiedliche Regeln für Jungs und für Mädchen?

Nein. Es gab einen Straußschen Kanon, der ohne Ansehen des Geschlechts galt – bis auf ein einziges Gebiet. Meine Mutter achtete sehr darauf, dass ich als Mädchen nicht alleine unterwegs war. Da mussten immer die Brüder oder Freunde mit. Aber das hatte sich auch leider bald erledigt. Es war ja die Zeit des Terrorismus, und da wurden wir auf Schritt und Tritt von zwei bis drei Sicherheitsbeamten bewacht. Ich nenne das unsere Zebra-Kindheit. Wir drei waren Zebras im Ponyhaufen, Außenseiter.

Was heißt das, Zebra-Kindheit?

Wir waren die Kinder von Franz Josef Strauß und wurden jeden Tag von Sicherheitsbeamten zur Schule gebracht. Die saßen mit uns auf dem Schulhof, die kamen mit zur Party, die waren immer dabei. Wir lebten in einer Sondersituation, ohne dass wir sie uns ausgesucht hatten. Das haben nicht alle verstanden, manche meinten sogar: Die Strauß-Kinder wollen ja bloß etwas Besonderes sein. Unsere Eltern haben es gut gemeint, dass sie uns auf eine ganz normale Schule geschickt haben. Im Nachhinein hab ich manchmal gedacht, es wäre vielleicht besser gewesen, uns auf eine Privatschule zu geben, mit lauter Zebra-Kindern, wo wir nicht so aufgefallen wären.

Wie war das, als Sie in die Pubertät kamen, den ersten Freund hatten? Da erlebt man viele Situationen, bei denen man sich nicht gern zuschauen lässt.

Das war nicht leicht. Viele Jungs haben sich gar nicht getraut, mich anzusprechen. Das ist ja auch nicht leicht, wenn da immer ein Polizist danebensteht. Unsere Sicherheitsbeamten waren aber meistens recht junge Beamte, Männer und Frauen, die waren wahnsinnig nett und wussten dann schon, wenn sie mal wegschauen mussten. Manchmal sind wir auch ausgebüxt. Die Beamten haben sich wirklich alle Mühe gegeben, uns eine normale Kindheit zu ermöglichen. Aber es war immer eine Sondersituation. Alleine schon die ständige Präsenz von Waffen. Im Wagen lagen immer eine MP oder Pistolen, wir kannten die Bezeichnungen der verschiedenen Waffen, wir wurden auch über mögliche Szenarien von Entführungen informiert und bekamen Verhaltensinstruktionen.

Was haben Sie da gemacht?

Da ging es darum, die eigene Beobachtung zu schärfen, wie man sich verhält, welche Informationen wichtig sind. Im Einzelnen will ich das nicht erzählen.

Haben Sie sich versöhnt mit dem Zebra-Dasein?

Ich habe sehr damit gekämpft. Ich habe mich innerlich widersetzt, nicht gegen das Elternhaus, denn meine Eltern waren immer auf meiner Seite, aber gegen die Umstände. Da war ich anders als mein Bruder Max, der gegen die Zebra-Rolle vielleicht zu wenig gekämpft hat. Auch der Sohn von Helmut Kohl, Walter Kohl, hatte damit große Schwierigkeiten. Sein Buch Leben oder gelebt werden habe ich mit großem Interesse gelesen, ich weiß, was er meint, auch wenn es mir besser gegangen ist.

Was genau hat Sie an dem Buch so berührt?

Zum einen die Beschreibung der Sondersituation. Das war bei uns, wie gesagt, sehr ähnlich. Und dann natürlich das Verhältnis zum Vater. Das war bei mir ganz anders. Von uns wurde nie erwartet, dass wir eine Rolle für die Familie Strauß spielen. Ich habe Helmut Kohl nur von den Gesprächen mit meinem Vater gekannt, und ich konnte nachvollziehen, worüber sein Sohn schreibt. Helmut Kohl konnte unglaublich kalt sein. Mein Vater war ganz anders. Er war ein totaler Familienmensch. Wenn er bei uns war, hat er uns spüren lassen, dass wir für ihn das Wichtigste auf der Welt sind. Bei uns ist auch gern diskutiert worden, kunterbunt, da wurde auch keinem vorgeschrieben, was er sagen oder welche Ansicht er vertreten darf. Wir wuchsen in einem offenen, liberalen und herzlichen Elternhaus auf.

Worüber haben Sie mit Ihren Eltern diskutiert?

Über Fußball genauso wie über Politik. Wenn Sie den Vater im Fernsehen sehen, unterhalten Sie sich darüber, ist doch klar. Politik war für uns Alltag. Unsere Eltern haben mit uns häufig über politische und gesellschaftliche Fragen diskutiert. Aber vor allem die Mutter wollte, dass wir eine reflektierte Distanz zur Politik bekommen, weil sie wusste, was das heißt, in der Politik zu sein.

Was heißt es denn?

Für meine Mutter bedeutete das zweierlei. Zum einen war sie eine hochintelligente, gebildete Frau. Sie sprach drei Sprachen fließend, sie war Diplomvolkswirtin. Sie hätte eine tolle Karriere machen können, aber sie hat wegen meines Vaters darauf verzichtet. Und zum zweiten litt sie unter den Vorurteilen, die es gegen meinen Vater gab. Dass sich jeder über deinen Mann auskotzen darf, dass jeder einfach alles behaupten darf, weil es angeblich einfach nur eine Meinungsäußerung ist, das war für sie oft schwer auszuhalten. Ich nenne es inzwischen die moderne Form des Prangers. Während der Spiegel-Affäre gab es Geschäftsinhaber, die dazu aufgefordert haben, ihr nichts mehr zu verkaufen, Leute haben vor ihr auf der Straße ausgespuckt. Sie hat auch 20 oder 30 Jahre danach noch geweint, wenn sie uns davon erzählt hat. Am schlimmsten war die Angst um uns Kinder, dass wir entführt werden, dass uns jemand etwas antut.

Kommentare (2)

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10075

02.07.2011, 22:19 Uhr

Ich erkenne Ihre Bemühungen, diese Dame wieder in Deutschland salonfähig zu machen. Allein, es wird nichts nützen. Zu schwer hat sie sich an demokratischen Spielregeln vergangen. Zu kurz war die Abklingphase in Brüssel, wohin sie Wohlwollende für ein fürstliches Geld im Versteck deponiert hatten, nicht wahr, Herr Stoiber?
Diese Sauerei, die die CSU jetzt gerade vorzuhaben scheint, wird Ihnen im Wahljahr auf die Füsse fallen. DIESE FRAU SOLL ES MIT EHRLICHER ARBEIT VERSUCHEN. Hat sie einen Doktortitel auch noch?

ReinerSchmidt

03.07.2011, 15:54 Uhr

Tendenziös unqualifizierter Kommentar von anonymen Leuten, die selbst nichts auf die Beine bringen. Ich jedenfalls habe Frau Hohlmeier als sehr nette, ehrgeizige junge Dame und als interessierte, engagierte Arbeitskollegin, damals noch zur Ausbildung im Hotelgewerbe, persönlich kennengelernt. Im Übrigen sind Politiker auch nur Menschen wie Du und Ich, mit allem Fehl und Tadel.

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