Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.01.2010

16:05 Uhr

Moody's

Deutschland gibt ein schlechtes Vorbild ab

VonDirk Heilmann

Die Regierungen müssen das Problem der Staatsverschuldung dringend angehen - das fordert Kristin Lindow, Vizepräsidentin der Ratingagentur Moody's in New York und Leiterin der Länderanalyse für Europa und Afrika. Deutschland prophezeit die Analystin den Verlust seiner moralischen Autorität.

Handelsblatt: Frau Lindow, die steigenden Staatsschulden machen die Finanzmärkte nervös. Wie groß ist die Gefahr von Staatsbankrotten?

Kristin Lindow: Wir sind in einer Situation, in der viele Staaten mit hohen Bonitätsbewertungen mit substanziell höheren Schulden aus der Rezession herauskommen. Die Regierungen müssen nun entschlossen handeln, um aus der Gefahrenzone herauszukommen. Historisch betrachtet, gab es Phasen, in denen einzelne Länder noch höhere Schuldenlasten hatten. Aber die aktuelle Lage ist aus zwei Gründen anders: Erstens bedeutet das Altern der Bevölkerungen in vielen Industriestaaten, dass es schwerer geworden ist, aus den Schulden herauszuwachsen. Und zweitens sind viele Länder zur gleichen Zeit in dieser Lage, es wird also nicht funktionieren, sich aus den Problemen "herauszuexportieren".

HB: Warum sind die Schulden in der Krise eigentlich derart gestiegen?

Lindow: Die Gründe dafür sind einerseits der Niedergang der Staatseinnahmen in der Rezession und andererseits die außerordentlich hohen Ausgaben zur Rettung der Banken und zur Belebung der Konjunktur. Das Ende dieser Sonderausgaben wird nicht ausreichen, um die Schuldenstände wieder auf das alte Niveau zurückzubringen. Die Lücke bei den Einnahmen wird sich nicht so bald schließen lassen.

HB: Was müssen die Regierungen also tun?

Lindow: Wir werden erleben, dass die Regierungen strukturelle Reformen der öffentlichen Finanzen vornehmen und gleichzeitig mit kurzfristigen Maßnahmen die Haushaltsdefizite drücken. Sobald die Zinsen steigen, wird ihre Aufgabe immer schwieriger.

HB: Rächen sich jetzt Versäumnisse der Vorkrisenjahre?

Lindow: Vor der Krise haben viele Regierungen so getan, als hätten sie reichlich Zeit, um ihre Sozialausgaben an die demografische Entwicklung anzupassen. Jetzt müssen sie das Problem dringend angehen. Aber vielleicht ist das auch ein Vorteil - die Menschen könnten jetzt mehr Verständnis dafür aufbringen, dass die Regierungen ihre Schuldenlasten reduzieren müssen."

HB: Wie beurteilen Sie die Politik der Bundesregierung?

Lindow: Das Gerede von Steuersenkungen in Deutschland haben viele Länder als grünes Licht dafür empfunden, nichts gegen die Defizite zu tun. Die Auffassung, dass Deutschland schon immer das Richtige tun werde, ist ja weit verbreitet. Die Krise wird dazu führen, dass die führenden Industriestaaten wegen ihrer hohen Defizite und Schulden an moralischer Autorität verlieren.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

no.7

26.01.2010, 20:11 Uhr

Die miserable Finanzpolitik, die Schwarzgelb betreibt, kann der Welt als Vorbild an Liederlichkeit und moralischem Verfall dienen, mehr aber auch nicht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×