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04.01.2010

18:29 Uhr

Mordkomplott

CIA wollte Terrorverdächtigen in Hamburg töten

Der US-Geheimdienst CIA wollte offenbar einen Terrorverdächtigen ermorden. Der deutsch-syrer galt als Vertrauter Bin Ladens und wohnte in Hamburg. Über Wochen wurde der Mann mit Unterstützung der Sicherheitsfirma Blackwater observiert. Deutsche Politiker zeigen sich entsetzt.

Der Deutsch-Syrer Mamoun Darkazanli wurde angeblich ausgiebig beschattet, um seine Ermordung vorzubereiten. Reuters

Der Deutsch-Syrer Mamoun Darkazanli wurde angeblich ausgiebig beschattet, um seine Ermordung vorzubereiten.

HB HAMBURG. Der US-Geheimdienst CIA hat nach einem Magazinbericht die Ermordung eines Terrorverdächtigen in Deutschland geplant, weil dieser zu den Unterstützern des Islamisten-Netzwerks Al Kaida gehört haben soll. Das US-Magazin „Vanity Fair“ berichtete in seiner Internet-Ausgabe, der Deutsch-Syrer Mamoun Darkazanli sei mit Hilfe der umstrittenen Sicherheitsfirma Blackwater über Wochen an seinem Wohnort Hamburg observiert worden. Dies sei im Rahmen des vom früheren US-Präsidenten George W. Bush gestarteten Programms zum Auffinden von Al Kaida-Mitgliedern geschehen. Diese sollten gefangen genommen oder getötet werden.

Ein Sprecher der Bundesregierung sagte am Montag, von dem Vorgang habe man keine Kenntnis. Nach dem Bericht wurde schließlich der Plan aufgegeben, Darkazanli zu töten. Die Observierung sei dann beendet worden. Das Magazin bezog sich bei seinem Bericht auf eine Quelle „nah am Programm“ zum Aufspüren mutmaßlicher Al-Kaida-Mitglieder.

Darkazanli war ein Bekannter der Hamburger Todespiloten, die die Anschläge vom 11. September 2001 begingen und dabei rund 3000 Menschen in den USA töteten. Der Deutsch-Syrer bestritt allerdings stets Vorwürfe, Al-Kaida unterstützt zu haben. Nach fast fünf Jahren stellte die deutsche Staatsanwaltschaft 2006 die Ermittlungen wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und der Geldwäsche, die sich in erster Linie auf den Zeitraum von 1993 bis 2001 bezogen, ein.

"Es klingt wie eine Räuberpistole", sagt der Sozialdemokrat Dieter Wiefelspütz gegenüber Spiegel Online: "Aber wenn auch nur ein Fünkchen davon wahr ist, dann wackelt hier die Wand." Auch der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach zeigte sich erschüttert.

Zwischendurch wollte auch Spanien Darkazanli vor Gericht stellen. Der Deutsch-Syrer landete aufgrund eines von Spanien erwirkten Europäischen Haftbefehls im Oktober 2004 in einem deutschen Gefängnis. Die spanischen Behörden warfen ihm vor, als eine Schlüsselfigur der europäischen Al-Kaida die Extremisten ab 1997 in Spanien, Deutschland und Großbritannien logistisch und finanziell unterstützt zu haben. Unter anderem soll Darkazanli am Kauf eines Schiffs für Al-Kaida-Chef Osama bin Laden beteiligt gewesen sein und es auch verwaltet haben. Darkazanli war nach Einschätzung der spanischen Ermittler der ständige Ansprechpartner und Assistent Bin Ladens in Deutschland. Weil das Bundesverfassungsgericht das Gesetz zum Europäischen Haftbefehl kippte, wurde er jedoch nicht an Spanien ausgeliefert. Darkazanli kam im Juli 2005 frei.

Kommentare (3)

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analyst

04.01.2010, 22:55 Uhr

Gefangen nehmen oder töten, sind doch zwei sehr unterschiedliche Dinge. Was nun zutrifft oder nicht, ist unklar. Zu häufig werden informationen von den Medien verfälscht. Was ansonsten der Umgang unserer Justiz mit derartigen Vorgängen betrifft, halte ich unsere Justizbehörden für inkompetent.
Und unsere Politiker? blicken die noch durch?

analyst

04.01.2010, 23:01 Uhr

Gefangen nehmen oder töten, sind doch zwei sehr unterschiedliche Dinge. Was nun zutrifft oder nicht, ist unklar. Zu häufig werden informationen von den Medien verfälscht. Was ansonsten der Umgang unserer Justiz mit derartigen Vorgängen betrifft, halte ich unsere Justizbehörden für inkompetent.
Und unsere Politiker? blicken die noch durch?

MvJ09

05.01.2010, 03:19 Uhr

Sicherheit! Wie soll man sich denn jetzt noch sicher fuehlen, wenn der amerikanische Geheimdienst jetzt schon Menschen in Deutschland ermorden will! Ausserdem glaube ich nicht, dass jeder in unserem Land von nichts gewusst hat. Wenn sich da einige Herren nicht gerade an unserer Demokratie vergreifen...

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