Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.08.2016

19:18 Uhr

München, Ansbach und Würzburg

Flüchtlinge fürchten Folgen der Anschläge

Gewalttaten wie in München, Ansbach und Würzburg haben viele Menschen in Deutschland verunsichert. Drei der Täter waren Flüchtlinge – manch ein Asylbewerber fürchtet nun Feindseligkeit und Ablehnung.

Blumen und Kerzen liegen vor dem Olympia-Einkaufszentrums in München. Ein junger Deutsch-Iraner erschoss bei einem Amoklauf neun Menschen. dpa

Gedenken an Opfer des Amoklaufs

Blumen und Kerzen liegen vor dem Olympia-Einkaufszentrums in München. Ein junger Deutsch-Iraner erschoss bei einem Amoklauf neun Menschen.

RavensburgBaschar Kasou hat die Nachrichten über Anschläge in den vergangenen Tagen genau verfolgt. „Ich habe die ganze Nacht gelesen“, sagt der Syrer, der vor gut einem Jahr als Flüchtling nach Ravensburg am Bodensee kam. Er wollte wissen: Was ist in Ansbach, München, Reutlingen, Würzburg passiert? Wer waren die Täter? Woher kamen sie und was haben sie angerichtet? „Ich habe viel darüber nachgedacht - es ist schrecklich“, sagt er. Vor genau solchen Taten hätten viele Flüchtlinge in der Vergangenheit Angst gehabt - und davor, was es für sie für Folgen haben könnte.

Binnen einer Woche erschütterten vier Gewalttaten Süddeutschland: In Würzburg ging am 18. Juli ein 17-Jähriger mit Axt und Messer auf Fahrgäste einer Regionalbahn los - fünf Menschen wurden verletzt. Drei Tage später tötete ein 18-Jähriger in München mit einer Waffe neun Menschen und anschließend sich selbst. Am 24. Juli tötete ein 21-Jähriger in Reutlingen seine Freundin auf einer Straße mit einem Dönermesser. Noch am selben Abend sprengte sich in Ansbach auf einem Platz vor einem Konzert ein 27-Jähriger in die Luft, 15 Menschen wurden verletzt.

„Ich habe viel darüber nachgedacht - es ist schrecklich“, sagt Baschar Kasou über die Anschläge und den Amoklauf in Deutschland. dpa

Syrischer Flüchtling

„Ich habe viel darüber nachgedacht - es ist schrecklich“, sagt Baschar Kasou über die Anschläge und den Amoklauf in Deutschland.

Drei der Männer kamen als Flüchtlinge nach Deutschland - und manch ein Asylbewerber fürchtet nun eine Art Generalverdacht. Die Betrachtung der Flüchtlingen als eine große, homogene Gruppe sei aber falsch, sagt die Konstanzer Psychotraumatologin Maggie Schauer. Asylbewerber nehmen sich ihr zufolge vor allem als Individuen wahr und nicht als Teil eines Massenphänomens.

Sie habe erst kürzlich mit einem Iraker über die Ereignisse in Bayern gesprochen. „Als er hörte, dass der Täter in Ansbach Afghane gewesen sein soll, war er erleichtert, dass er keine Kollektivschuld mittragen muss“, sagt die Direktorin des „Kompetenzzentrums Psychotraumatologie“ an der Universität Konstanz.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×