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18.06.2012

15:13 Uhr

Münchener Flughafen

CSU macht Ude für Startbahn-Aus verantwortlich

Die Grünen feiern das Aus für die dritte Startbahn in München - doch für die anderen Parteien ist der Stopp des Milliarden-Projekts eine bittere Niederlage. Jetzt fliegen zwischen CSU, FDP und SPD die Fetzen.

Die Startbahn-Gegner haben gesiegt, das Projekt wird gestoppt. dpa

Die Startbahn-Gegner haben gesiegt, das Projekt wird gestoppt.

MünchenNach dem Münchner Bürgerentscheid gegen die dritte Startbahn streiten die unterlegenen Ausbau-Befürworter heftig über die Schuld an der Niederlage. CSU und FDP griffen die SPD und Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) scharf an - was die SPD ebenso scharf zurückwies. Während Bundesregierung und Luftfahrtbranche das Aus für die dritte Startbahn bedauerten, herrschte bei den Grünen auch am Montag noch große Jubelstimmung.

CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt sagte: „Christian Ude kann sich von seiner Verantwortung nicht freimachen. Es sind offensichtlich seine Anhänger, die er nicht überzeugen konnte.“ Der Vorsitzende der CSU-Wirtschaftskommission und Münchner Abgeordnete Markus Blume sagte über Ude und die SPD: „Die waren auf dem Papier dabei, aber im Herzen nicht.“ Der Münchner CSU-Chef Ludwig Spaenle sprach von einer „Abfuhr“ und einer „krachenden Niederlage“ für Ude.

SPD-Landtagsfraktionschef Markus Rinderspacher wies die Attacken zurück. Es sei ersichtlich, dass die Staatsregierung „den Münchner Oberbürgermeister aus schnöden parteitaktischen Gründen als alleinigen Verlierer ausmachen will. Das ist kompletter Nonsens“. Nüchtern betrachtet sei es einem großen Bündnis aus SPD, CSU und FDP, Wirtschaftsverbänden, Gewerkschaften und einer Vielzahl von Institutionen nicht gelungen, sich durchzusetzen.

Bei dem Bürgerentscheid hatten in der Stichfrage 54,3 Prozent der Wähler gegen das Milliardenprojekt gestimmt. Das Votum verpflichtet die Stadt, in der Gesellschafterversammlung gegen den Bau zu votieren - und dort wäre Einstimmigkeit nötig, um das Projekt zu verwirklichen.

Die wichtigsten Antworten zum Thema Nachtflugverbot

Welche Vorgaben gelten für Nachtflüge?

Allgemein-gültige Vorgaben gibt es bei nicht. Ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr, wir es vom Umweltbundesamt empfohlen wird,  gibt es nur in Dortmund und Memmingen. In Leipzig dürfen ab Mitternacht nur Frachtflugzeuge starten und landen. In Hannover, Erfurt, Münster, Köln, Hahn und Nürnberg darf bisher uneingeschränkt geflogen werden. Alle anderen Flughäfen in Deutschland sind von 0 bis 5 Uhr geschlossen. Es gibt aber begrenzte Ausnahmen in den so genannten angrenzenden Schulterstunden.

Wie häufig wird nachts geflogen?

Von den Start- und Landeanflügen auf deutsche Flughäfen entfallen neun Prozent auf die Zeit zwischen 22 und 6 Uhr.  Am Flughafen Köln ist der Anteil besonders hoch: Dort machen Nachtflüge etwa ein Viertel aller Flüge aus.  Bei einem kompletten Verbot von Nachtflügen müssten 19 Millionen Passagiere und 1,6 Millionen Tonnen Fracht verschoben werden, sagt der Verband der Fluglinien.

Gibt es gesetzliche Grenzwerte für die nächtliche Lärmbelastung?

Ja, die gibt es. An alten Flughäfen dürfen nachts die 55 Dezibel nicht überschritten werden, bei neuen Startbahnen gilt ein Grenzwert von 50 Dezibel. Allerdings darf dieser Grenzwert sechsmal pro Nacht bis zu doppelt so laut werden. Werden die Grenzwerte dauerhaft überschritten, haben die Anwohner einen Anspruch auf Schallschutzfenster.

Schädigt Fluglärm die Gesundheit?

An erster Stelle in der Argumentation stehen die Gesundheitsschäden durch nächtliche Ruhestörung. Die Weltgesundheitsorganisation WHO führt Verkehrslärm hinter Luftverschmutzung auf dem zweiten Platz der Umweltfaktoren, die Leiden verursachen.  Im Durchschnitt sollten 40 Dezibel nachts nicht überschritten werden, empfiehlt die WHO und das Umweltbundesamt. Wenn Lärm plötzlich anschwillt, reagiert der Körper mit der Ausschüttung von Stresshormonen, der  Blutdruck steigt und der Pulsschlag erhöht sich. Mögliche Folgen: Depressionen, Schlaflosigkeit, erhöhtes Risiko für  Herzinfarkte und Schlaganfälle.

Was unternehmen die Flughäfen gegen Fluglärm?

Laut Flughafenverband wurden in den vergangenen Jahren 470 Millionen Euro in Schallschutzfenster investiert - weitere 400 bis 600 Millionen Euro sind für die kommenden Jahre eingeplant. Außerdem setzt der Verband auf emissionsärmere Landeanflüge und den Einsatz leiserer Flugzeuge.

Rechtlich ist der Bürgerentscheid zwar nur ein Jahr lang bindend für die Stadt. Doch Ude betonte bereits, er werde den Willen der Bürger unabhängig von Regeln und Kommunalrecht ernst nehmen. CSU-Bezirkschef Spaenle sagte, die Münchner CSU wolle am Nein der Bürger zur dritten Startbahn nicht rütteln.

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Der Streit um den Fluglärm zieht sich quer durch Deutschland. Damit der Konflikt zwischen Wirtschaft und Wutbürgern nicht weiter eskaliert, müsste die Politik eine Grundsatzentscheidung fällen. Doch die bleibt aus.

Die Bundesregierung bedauerte das Nein zum Ausbau. Die dritte Startbahn sei ein wichtiges Infrastrukturprojekt, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums. Die Deutsche Luftverkehrswirtschaft erklärte, für die weitere Zukunft des Münchener Airports sei das Nein beim Bürgerentscheid „hoffentlich noch nicht das letzte Wort“. Und die Lufthansa warnte: „Mit nur zwei Start- und Landebahnen wird der Münchner Flughafen täglich an seine Grenzen stoßen.“

Die Grünen feierten dagegen das Nein der Bürger. „Ein großartiges Ergebnis, für das mit viel Engagement und Motivation gekämpft wurde“, sagte die Münchner Grünen-Vorsitzende Katharina Schulze.

Die größten Flughäfen der Welt

Platz 10

Dubai

Dubai International fertigte 2012 57,7 Millionen Passagiere ab, ein Plus von 13,2 Prozent. Die Staatsfluglinie Emirates will Dubai zum Weltdrehkreuz machen – und wirbt überall auf der Welt Passagiere von der Konkurrenz ab. Derzeit noch im Bau befindet sich der neue Flughafen Dubai. Der Dubai Al Maktoum International Airport soll der größte der Welt werden und wird bereits von Frachtflugmaschinen angeflogen.

Platz 9

Jakarta

Die indonesische Hauptstadt schafft ebenfalls den Sprung in die Top Ten. Der Flughafen Jakarta rückt in der aktuellen Rangliste um drei Plätze vor. Im Jahr 2012 verzeichnete Jakarta (CGK) einen Zuwachs an Passagieren von 12,1 Prozent. Insgesamt starteten und landeten 57,8 Millionen Fluggäste auf dem Flughafen der Millionenstadt.

Platz 8

Dallas/Fort Worth

Mit 58,6 Millionen Passagieren (plus 1,4 Prozent) noch größer ist wiederum ein US-Flughafen: Rang acht nimmt Dallas/Fort Worth ein, der internationale Flughafen zwischen den beiden texanischen Großstädten. DFW, der mit knapp 7.300 Hektar flächenmäßig zweitgrößte US-Airport nach Denver, ist mit seinen sieben Start- und Landebahnen das Hauptdrehkreuz der US-Fluglinie American Airlines.

Platz 7

Paris

Zurück nach Europa: Rang zwei auf dem Kontinent und Rang sieben weltweit nimmt Paris-Charles-de-Gaulle ein. Der nahe der Ortschaft Roissy-en-France gelegene Airport beförderte im Jahr 2012 61,6 Millionen Passagiere (plus 1,1 Prozent). Der Flughafen CDG ging erst 1974 in Betrieb, nachdem der andere Pariser Flughafen Orly zu klein geworden war.

Platz 6

Los Angeles

Die zweitgrößte Metropole der USA braucht auch einen angemessen großen Flughafen: Der Los Angeles International Airport (LAX) ist mit 63,7 Millionen Passagieren (plus 3,0 Prozent) der sechstgrößte Flughafen der Welt. Der Flughafen hat es sogar in die Pop-Welt geschafft: Der Song „L.A. International Airport“ machte die Countrysängerin Susan Raye in den 70er Jahren bekannt. Das Bild zeigt den neuen Tom Bradley International Terminal, der für 1,6 Milliarden Dollar gebaut wird.

Platz 5

Chicago

Hier steigt auch US-Präsident Barack Obama gerne mal ins Flugzeug. Chicago O'Hare (ORD) belegt in der Rangliste Rang fünf. Der Airport westlich der Metropole am Lake Michigan, wichtigster Hub für United und zweitwichtigster für American Airlines, fertigte im Jahr 2012 66,6 Millionen Passagiere ab (minus 0,1 Prozent). Benannt ist ORD nach dem Weltkrieg-II-Piloten Edward O'Hare.

Platz 4

Tokio

Blick aus dem Fenster im Anflug auf Tokio-Haneda (HND): Der Airport in Japans Hauptstadt wickelt eigentlich hauptsächlich Inlands- und Asienflüge ab, der interkontinentale Verkehr läuft über den Nachbarflughafen Narita. Dennoch bringt es Haneda mit 66,8 Millionen Passagieren auf den vierten Platz im internationalen Ranking. Das waren beachtliche 6,7 Prozent mehr als 2011. Im Vorjahr waren die Passagierzahlen durch das Reaktorunglück von Fukushima allerdings auch merklich zurückgegangen.

Platz 3

London

London kann seinen Treppchenplatz verteidigen: Mit 70 Millionen Passagieren (plus 0,9 Prozent) ist London-Heathrow (LHR) der größte Flughafen Europas. Der Airport im Westen Londons ist nur einer von mehreren in der Metropole: Weitere Passagiere verteilen sich auf Gatwick, Stansted, Luton und den City Airport. Für Aufsehen sorgte Heathrow im März 2008, als die ganze Welt über das Gepäck-Chaos im neuen Prestige-Terminal 5 lachte.

Platz 2

Peking

Der weltweit zweitgrößte Flughafen 2012 und angesichts der Wachstumsraten auf dem Weg zur Nummer eins ist Beijing Capital International Airport (PEK) in Chinas Hauptstadt: 81,9 Millionen Passagiere schleuste PEK durch - ein Plus von 4,1 Prozent. Dennoch hat der Airport noch einen großen Rückstand auf Rang eins.

Platz 1

Atlanta

Der Flughafen Hartsfield-Jackson Atlanta International (ATL) stellt größenmäßig alle anderen in den Schatten: 95,5 Millionen Passagiere stiegen im Jahr 2012 hier ein und aus (plus 3,3 Prozent). Die Größe erklärt sich vor allem dadurch, dass Atlanta als Hauptdrehkreuz einen klassischen Zwischenstopp für Inlandsflüge darstellt. Daneben bietet Atlanta aber auch die meisten Nonstop-Flüge weltweit an. Benannt wurde der Flughafen nach dem ehemaligen Bürgermeister William B. Hartsfield.

Von

dpa

Kommentare (17)

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Account gelöscht!

18.06.2012, 15:57 Uhr

Blödsinn, hier schafft sich nicht Deutschland ab. Seid dankbar, wir haben dem deutschen Steuerzahler vermutlich viel Geld gespart. Wer galubt schon daran, dass ein Projekt der Grössenordnung ohne Kostenüberschreitung und Bezuschussung durch Steuergelder auskommt?

Francis

18.06.2012, 16:11 Uhr

GRÜNE, Freie-Wähler-Provinzler im Verbund mit fett-satten Münchenern meinen, dass man nichts zu tun braucht und dann wird alles so schön bleiben wie es ist.
Wie der Niedergang des Römischen Weltreichs, so kommt mir Deutschland im 21. Jahrhundert vor.

Rene

18.06.2012, 16:16 Uhr

Leider verhalten sich in vielen Städten die Bürger so destruktiv, sodass die Lufthansa nicht einmal ausweichen könnte. Auch wenn ich die bayerische Wirtschftspolitik gut finde, aber die Münchener Dagegen-Wähler müßten diese Entscheidung unmittelbar in ihrem Portemonnaie spüren. Erfahrungsgemäß läßt dann die grüne Neidung nach...

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