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29.08.2013

13:58 Uhr

Musiker wehren sich

Kein Wahlkampf mit den „Toten Hosen“

VonDaniel Klager, Laura Waßermann

Keine Stimmungsmache für politische Parteien: Über die sozialen Netzwerke hat sich die Band „Toten Hosen“ über den „Missbrauch“ ihrer Lieder im Wahlkampf beschwert. Im Netz erntet die Band dafür nicht nur Applaus.

Toten-Hosen-Frontmann Campino will seine Songs nicht im Wahlkampf hören. dpa

Toten-Hosen-Frontmann Campino will seine Songs nicht im Wahlkampf hören.

Düsseldorf„Tage wie diese“ von den „Toten Hosen“ ist vor allem als Stimmungslied in den Fußballstadien bekannt. Eine Stadionatmosphäre haben sich wohl auch CDU und SPD im Wahlkampf gewünscht und bei diversen Parteiveranstaltungen den Song der Düsseldorfer Alt-Punker gespielt. Doch die „Hosen“ reagierten darauf ziemlich empfindlich.

Per Facebook-Eintrag wehrte sich die Band gegen einen „Missbrauch“ im Wahlkampf. „Wir empfinden es (...) als unanständig und unkorrekt, dass unsere Musik auf politischen Wahlkampfveranstaltungen läuft. Hier wird sie klar missbraucht und von Leuten vereinnahmt, die uns in keiner Weise nahe stehen.“ Rechtlich könne man nicht dagegen vorgehen, geben die „Toten Hosen“ zu, es wäre jedoch „ein Zeichen des Anstands gewesen, uns vorher zu fragen“.

Mitten im Wahlkampf ließ die Reaktion der Parteien nicht lange auf sich warten. Das Rahmenprogramm werde von den Künstlern vor Ort zusammengestellt, sagte eine CDU-Sprecherin der „Rheinischen Post“. Es gebe keinen vorgefertigten Abspiellisten aus der Parteizentrale.

Für die SPD kommentierte Generalsekretärin Andrea Nahles den Facebook-Eintrag der Hosen und versprach dabei, den Wunsch der Band zu respektieren und das Lied nicht mehr abzuspielen. Die SPD habe das Lied aber nicht instrumentalisieren wollen, sondern nur ausgewählt „weil wir eure Musik toll finden“. Privat will Nahles die Musik auch weiter hören.

Im Netz hingegen bekam auch die Band selbst Gegenwind für die Aktion. Viele fassten den Text nicht nur als Distanzierung zu politischen Inhalten auf, sondern sahen die Äußerung als reine PR-Aktion an.

Während die Twitter-Gemeinde sich vornehmlich negativ über die Aktion äußert, unterstützen die Facebook-Fans der „Hosen“ ihre Band demonstrativ. Stephan Schirwing kommentiert unter dem offiziellen Eintrag der „Toten Hosen“: „Ich finde es korrekt, dass Ihr euch davon distanziert!“ Wolfgang Bednarz fordert gleich die Justiz, obwohl die Band auf diesem Wege keine Chance sieht: „Warum kann man rechtlich nicht dagegen Vorgehen? Finde ich ebenfalls eine riesen Sauerei!!“

Allerdings gibt es auch hier den einen oder anderen, der die Aktion nicht mit Jubel belohnt. „Ihr solltet mal lieber aktiver sein, wenn es darum geht, etwas zu unternehmen in diesem Land!“, schreibt Facebook-Nutzer Tom Stevens. „Ihr verkauft Millionen eurer CDs und verdient damit ne Menge Geld! In anderen Ländern übernehmen Menschen mit derartigem Status eine ganz andere Verantwortung.“ Ebenso halten einige Menschen den Appell an die Politik für Doppelmoral. Andy Dehse klagt: „Aber die Nutzung bei schmierigen RTL-Shows wird nicht kommentiert?“

Kommentare (1)

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vandale

29.08.2013, 15:11 Uhr

Es ist schon faszinierend wenn die CDU sich im Liedgut kommunistisch eingestellter Musiker mit Millionenvermögen bedient.

Vermutlich meint man in der Merkel CDU, dass man es mittlerweile geschafft hat die Linkspartei links zu überholen.

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