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12.04.2016

08:53 Uhr

Muslime bei der Bundeswehr

Soldatin verletzt durch Islamismusverdacht

Schätzungen zufolge gehören der Bundeswehr bis zu 1.600 Soldaten islamischen Glaubens an. Eine von ihnen ist Nariman Reinke, Hauptfeldwebel mit Eltern aus Marokko. Sie meint, die Bundeswehr müsse mehr für Muslime tun.

Nariman Reinke ist stellvertretende Vorsitzende des Vereins DeutscherSoldat e.V. und Hauptfeldwebel für elektronische Aufklärung bei der Bundeswehr. dpa

Hauptfeldwebel Reinke

Nariman Reinke ist stellvertretende Vorsitzende des Vereins DeutscherSoldat e.V. und Hauptfeldwebel für elektronische Aufklärung bei der Bundeswehr.

BerlinNariman Reinke ist bei der Bundeswehr für elektronische Aufklärung zuständig und praktizierende Muslimin. Offenen Rassismus hat sie in ihren elf Jahren bei der Truppe noch nicht erlebt. Unangenehme Erfahrungen im Zusammenhang mit ihrer Religion machte sie trotzdem – mit dem Militärischen Abschirmdienst (MAD), wie sie der dpa erzählt. Schätzungen zufolge gehören der Bundeswehr zwischen 1200 und 1600 Soldaten islamischen Glaubens an.

Die Bedrohung durch islamistischen Terror ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Treten die Kameraden Ihnen nun mit mehr Skepsis gegenüber, weil Sie Muslimin sind?
Nein, so habe ich das nicht erfahren. Ich komme aber auch aus einer Truppengattung, die vom Personal her ziemlich vielfältig aufgestellt ist. Meine Sicherheitsüberprüfung hat allerdings drei Jahre gedauert. Bei anderen, nicht-muslimischen Kameraden waren es nur neun Monate. Das hat mich richtig genervt, dass das so lange gedauert hat. Ich bin auch erst später Feldwebel geworden.

Als Feldwebel für elektronische Aufklärung sind Sie in einem sogenannten sicherheitsempfindlichen Bereich tätig. Deswegen ist auch die Sicherheitsüberprüfung notwendig. Sie sind drei Mal vom Militärischen Abschirmdienst intensiv befragt worden. Inwieweit hat dabei eine Rolle gespielt, dass Sie Muslimin sind?
Bei der ersten Befragung hat das keine Rolle gespielt. Später dann schon. Man war auf der Suche nach radikalen Moslems. Da hätte man sich bei mir die Arbeit ersparen können, wenn man vorher ein bisschen sorgfältiger recherchiert hätte. Das war schon unangenehm.

Islamistische Gefährder in Deutschland

In Deutschland leben...

... nach Einschätzung des Verfassungsschutzes derzeit 1100 gewaltbereite Islamisten.

430 von ihnen...

...gelten als so gefährlich, dass ihnen jederzeit eine schwere Straftat zuzutrauen ist. Diese sogenannten Gefährder sehen Gewalttaten als durch den Islam gerechtfertigt an und stehen besonders im Visier der Sicherheitsbehörden.

Eine Strategie...

... ist laut dem Präsidenten Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, der Versuch, unter Flüchtlingen in Deutschland „neue Anhänger zu missionieren und zu rekrutieren“.

Mehr als 150...

... solcher Fälle seien dem Verfassungsschutz durch Salafisten im Umfeld von Flüchtlingsunterkünften bekannt geworden.

Deutlich gestiegen...

... ist laut Maaßen die Zahl der Salafisten. Aktuell seien das mehr als 8350 Personen. Ende September 2015 seien es noch 7900 gewesen. Die salafistische Szene stellt laut Verfassungsschutzbericht ein wesentliches Rekrutierungsfeld für den Dschihad dar.

Haben Sie sich unfair behandelt oder sogar diskriminiert gefühlt?
Das war für mich ein Vertrauensbruch. Man gibt ja viel auf in diesem Beruf, das ist ja nicht so ein 08/15-Arbeitsplatz, wo man abends nach Hause kommt und dann seine Freunde treffen kann. Man investiert viel Zeit, muss flexibel und abrufbereit sein, gibt viele soziale Kontakte auf und kann ständig in den Auslandseinsatz befohlen werden. Deswegen war das schlimm für mich, dass man mich und meine Motive derart hinterfragt hat – trotz all der Opfer, die ich bereits gebracht hatte. Dabei war vor allem die Art und Weise äußerst unpassend. Das war unnötig und persönlich verletzend. Ich war danach ziemlich durch den Wind.

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