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22.01.2015

11:24 Uhr

Mutmaßliche islamistische Extremisten

Bundesanwalt setzt Syrienrückkehrer fest

In den vergangenen Tagen gab es schon eine Festnahme, nun wurden weitere Syrien-Rückkehrer in NRW festgesetzt. Im Kampf gegen den islamistischen Terror greift der Generalbundesanwalt nun offenbar entschieden durch.

In Berlin bewachten Polizisten den Hauptbahnhof, in Dresden erging ein Demonstrationsverbot: Die Sorge vor Terroranschlägen in Deutschland ist groß. Das zeigen auch die vermehrten Festnahmen mutmaßlicher Extremisten. dpa

In Berlin bewachten Polizisten den Hauptbahnhof, in Dresden erging ein Demonstrationsverbot: Die Sorge vor Terroranschlägen in Deutschland ist groß. Das zeigen auch die vermehrten Festnahmen mutmaßlicher Extremisten.

Düsseldorf/ KarlsruheDer Generalbundesanwalt hat in Nordrhein-Westfalen zwei weitere mutmaßliche islamistische Terroristen festnehmen lassen. Die beiden Syrien-Rückkehrer wurden nach Polizeiangaben am Donnerstagmorgen von Spezialeinheiten in ihren Wohnungen in Mönchengladbach und Herford gefasst. Sie leisteten keinen Widerstand.

Die 26 und 27 Jahre alten Verdächtigen sollen im Nahen Osten eine Kampfausbildung durchlaufen und dort ausländischen Terrorvereinigungen angehört haben, teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit.

Beide seien dem Kampfverband „Auswanderer von Aleppo“ zuzuordnen, der sich Ende 2013 der Terrormiliz Islamischer Staat angeschlossen habe. Zuvor sei der Verband Teil der terroristischen Vereinigung Jamwa gewesen. Beide Verdächtige seien Deutsche. Hinweise auf konkrete Anschlagspläne in Deutschland gebe es nicht.

Die Beschuldigten seien im März und im August 2013 über die Türkei nach Syrien gereist. Sie sollen dort logistische Aufgaben wie den Transport von Verpflegung an die Frontlinie übernommen haben. Der 26-Jährige soll zudem für die Propaganda innerhalb seiner Kampfgruppe zuständig gewesen sein.

Islamistische Szene in Deutschland

Salafisten in Deutschland

Der Verfassungsschutz rechnet mehr als 43.000 Menschen zur islamistischen Szene in Deutschland. Diese ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen - vor allem durch den starken Zulauf bei der Gruppe der Salafisten, einer besonders konservativen Strömung innerhalb des Islam. Rund 7000 Leute werden inzwischen der Salafisten-Szene zugerechnet. 2011 waren es noch etwa halb so viel. Besonders stark sind die Salafisten in Nordrhein-Westfalen vernetzt.

Millitante Islamisten

Mindestens 600 radikale Islamisten aus Deutschland sind bislang in das Kampfgebiet nach Syrien und in den Irak ausgereist. Die Zahl geht seit langem kontinuierlich nach oben. Viele haben sich dort der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen.

Kämpfer kehren zurück

Etwa 200 der Ausgereisten sind inzwischen wieder in Deutschland. Aber nur von einem kleinen Teil davon – etwa 35 Personen – ist bekannt, dass sie aktiv am bewaffneten Konflikt beteiligt waren. Rund 60 Islamisten aus Deutschland sind laut Verfassungsschutz in Syrien und dem Irak gestorben. Mindestens zehn sprengten sich bei Selbstmordanschlägen in die Luft. Dies sind aber nur die bekannten Fälle.

Diese Islamisten sind gefährlich

Die Sicherheitsbehörden stufen viele Islamisten als gefährlich ein. Etwa 1000 Menschen in Deutschland werden dem „islamistisch-terroristischen“ Spektrum zugeordnet. Darunter sind 260 sogenannte Gefährder, also Menschen, denen die Polizei zutraut, dass sie einen Terrorakt begehen könnten. Die Zahl ist so hoch wie nie zuvor. Zum Teil sind auch Rückkehrer aus Dschihad-Gebieten darunter. Diese machen den Sicherheitsbehörden große Sorgen, weil sie oft radikalisiert zurückkommen - und zum Teil kampferprobt.

Während der 27-Jährige Mitte November 2013 nach Deutschland zurückgekehrt sei, habe sich der 26-Jährige mit Unterbrechungen bis Mitte September 2014 in Syrien aufgehalten.

Der Generalbundesanwalt hatte das Verfahren gegen den 26-Jährigen von der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft übernommen. Die Verdächtigen sollen spätestens am Freitag einem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden, der über die Untersuchungshaft entscheiden muss.

Erst vor zwölf Tagen hatte der Generalbundesanwalt in Dinslaken-Lohberg nördlich des Ruhrgebiets einen Syrien-Rückkehrer festnehmen lassen. Er soll der sogenannten Lohberger Brigade des Islamischen Staats angehört haben.

Von

dpa

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