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18.10.2015

14:24 Uhr

Nach Anschlag auf Reker

Gutachter: Kölner Attentäter voll schuldfähig

Die Kölner Oberbürgermeisterwahl läuft. Die Stadt ist geschockt. Gestern war Kandidatin Reker von einem Messerstecher verletzt worden. Der Täter mit wohl rechtsradikalem Hintergrund soll heute vor den Haftrichter kommen.

Nach dem Attentat auf die Politikerin Henriette Reker, sind die Wahllokale jetzt offen. Reuters

OB-Kandidatin Reker

Nach dem Attentat auf die Politikerin Henriette Reker, sind die Wahllokale jetzt offen.

KölnDer Attentäter von Köln war bei seinem Anschlag auf die parteilose Oberbürgermeister-Kandidatin Henriette Reker voll schuldfähig. Das ergab ein psychologisches Gutachten, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Sonntag mitteilten. Während die Wähler in der Domstadt am Sonntag über ihre neue Stadtspitze abstimmten, sollte der 44-Jährige dem Haftrichter vorgeführt werden.

Ihm werden versuchter Mord und mehrfache gefährliche Körperverletzung vorgeworden. Der Mann hatte die von CDU, Grünen und FDP unterstützte Reker am Samstag im Wahlkampf mit einem Messer attackiert und schwer verletzt. Reker ist nach Angaben ihrer Ärzte außer Lebensgefahr.

Als Grund für seine Bluttat nannte der 44-Jährige nach Polizeiangaben fremdenfeindliche Motive. Er habe ausgesagt, in den 1990er Jahren in der rechten Szene aktiv gewesen zu sein, Details habe er aber nicht genannt, teilten die Ermittler weiter mit. Reker ist als Kölner Sozialdezernentin für die Unterbringung von Flüchtlingen in der Domstadt zuständig. Sie hatte sich im Wahlkampf wiederholt für die Integration von Asylbewerbern ausgesprochen. Neben der 58-Jährigen wurden auch eine Kölner CDU-Politikerin, eine FDP-Ratsfrau und zwei Bürger verletzt.

Nach einem unbestätigten Bericht von „Spiegel Online“ soll der Angreifer in den 1990er Jahren bei einer später verbotenen Neonazi-Gruppe, der Freiheitlichen Deutschen Arbeitspartei (FAP), mitgemacht haben. Zuletzt sei der Mann mit ausländerfeindlichen Kommentaren im Internet aufgefallen.

Währenddessen ist die Oberbürgermeisterwahl in Köln nur schleppend angelaufen. Bis zum Mittag hatte etwas mehr als jeder Zehnte wahlberechtigte Kölner seine Stimme abgegeben. Gut 800.000 Menschen sind in der viertgrößten Stadt Deutschlands zur Wahl aufgerufen. Rund 100.000 Menschen haben sich bereits per Briefwahl entschieden.

Attentate auf Politiker

Schon mehrere Attentate

Nicht nur in Krisenländern leben Politiker gefährlich, auch in Deutschland gab es schon mehrere Attentate. Mal lagen politische Motive zugrunde, mal waren die Täter seelisch gestört.

Oskar Lafontaine

Oskar Lafontaine (SPD): Eine geistig verwirrte Frau greift im April 1990 den damaligen saarländischen Ministerpräsidenten und Kanzlerkandidaten auf einer Wahlkampfveranstaltung in Köln mit einem Messer an. Sie verletzt ihn lebensgefährlich.

Wolfgang Schäuble

Wolfgang Schäuble (CDU): Ein geistig verwirrter Mann schießt bei einer Wahlkampfveranstaltung im badischen Oppenau im Oktober 1990 auf den Bundesinnenminister. Schäuble bleibt querschnittsgelähmt.

Walter Momper

Walter Momper (SPD): In Berlin schlagen Vermummte den Regierenden Bürgermeister im August 1991 mit einem Holzknüppel und sprühen ihm Reizgas ins Gesicht.

Joschka Fischer

Joschka Fischer (GRÜNE): Während einer Debatte auf einem grünen Sonderparteitag in Bielefeld wird der Außenminister im Mai 1999 mit einem Farbbeutel beworfen. Er erleidet einen Trommelfellriss.

Angelika Beer

Angelika Beer (Grüne): Ein Unbekannter greift die Parlamentarierin in Berlin im Juni 2000 mit einem Messer an und verletzt sie am Arm. Sie hatte zuvor mehrere Morddrohungen erhalten.

Hans-Christian Ströbele

Hans-Christian Ströbele (Grüne): Zwei Tage vor der Bundestagswahl im September 2002 schlägt ein Rechtsextremist dem Bundestagsabgeordneten an einem Berliner Wahlstand mit einem Schlagstock auf den Kopf.

Roger Kusch

Roger Kusch (CDU): Eine geistig verwirrte Frau verletzt den Hamburger Justizsenator bei einem Wahlkampfauftritt im Februar 2004 mit einem Messer.

Reker hat einer Umfrage zufolge gute Chancen auf einen Wahlsieg. Sie könnte damit die erste parteilose Oberbürgermeisterin und die erste Frau an der Spitze der Domstadt werden. Neben ihr hat einer Umfrage zufolge noch der SPD-Landtagsabgeordnete Jochen Ott Chancen auf den Wahlsieg. Sollte keiner der beiden eine absolute Mehrheit erringen, entscheidet am 8. November eine Stichwahl. Wie in anderen Kommunen sollte auch in Köln eigentlich schon Mitte September gewählt werden. Die Bezirksregierung hatte aber die Stimmzettel beanstandet, das Votum wurde verschoben.

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