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13.06.2016

13:04 Uhr

Nach Armenien-Resolution

Lammert sieht Versäumnisse im Umgang mit deutschen Kolonialverbrechen

Das Fehlen einer unmissverständlichen Erklärung zu deutschen Kolonialverbrechen findet Bundespräsident Lammert ein bisschen peinlich. Er kündigt eine baldige Erklärung des Bundestages zu den damaligen Ereignissen an.

Der Bundestagspräsident bedauert die politischen Versäumnisse im Umgang mit den deutschen Kolonialverbrechen im früheren Südwest-Afrika. dpa

Norbert Lammert

Der Bundestagspräsident bedauert die politischen Versäumnisse im Umgang mit den deutschen Kolonialverbrechen im früheren Südwest-Afrika.

BerlinBundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hat politische Versäumnisse im Umgang mit den deutschen Kolonialverbrechen im früheren Südwest-Afrika bedauert. Dass es dazu keine „unmissverständliche Erklärung auf deutscher Seite gibt, finde ich bedauerlich und im Kontext der jüngeren Auseinandersetzungen auch ein bisschen peinlich“, sagte Lammert am Sonntag im ZDF. Deutsche Truppen hatten 1904 in der Kolonie – dem heutigen Namibia – Aufstände von Einheimischen brutal niedergeschlagen. Mindestens 60.000 Angehörige des Herero-Volks und 10.000 Nama wurden getötet.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte kürzlich auf dieses Kapitel verwiesen, als er die Armenien-Resolution des Bundestags kritisierte. Mit dem Verweis auf die Verbrechen in Deutsch-Südwestafrika sprach Erdogan den deutschen Abgeordneten das Recht zur Kritik an den Massakern an Armeniern im Osmanischen Reich ab.

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Niemals werde die Türkei die Anschuldigung eines Völkermords akzeptieren, wettert Präsident Erdogan. Angeblich hatte ihm die Kanzlerin versprochen, die Resolution zu verhindern. Dann lässt er dunkle Drohungen folgen.

Lammert erwiderte nun im ZDF, dass Deutschland und Namibia die Ereignisse von 1904 längst gemeinsam aufarbeiteten. „Ich habe die begründete Zuversicht, dass wir hier in absehbarer Zeit zu einem Ergebnis kommen“, sagte er. Dazu werde dann auch „eine Erklärung des Bundestags zu den damaligen Ereignissen“ gehören.

Deutschland zählte das heutige Namibia von 1884 bis 1915 unter dem Namen Deutsch-Südwestafrika zu seinen Kolonien. Als die Herero 1904 einen Aufstand begannen, ordnete General Lothar von Trotha die Vernichtung des Stammes an. Bundespräsident Lammert hatte die Verbrechen bereits im Juli 2015 als „Völkermord“ bezeichnet.

Von

afp

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