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28.01.2015

19:39 Uhr

Nach Bachmann tritt auch Oertel ab

Ist Pegida jetzt am Ende?

Pegida steckt im Chaos: Erst kommt der islamkritischen Bewegung ihr bisheriger Wortführer Bachmann abhanden. Nun schmeißt auch die Hälfte der restlichen Führungsriege hin. Hat die Bewegung noch eine Zukunft?

Der damalige Pegida-Chef Lutz Bachmann (Mitte hinten) auf einer Pegida Kundgebung. Die Mitbegründerin und Sprecherin des islamkritischen Bündnisses, Kathrin Oertel (Mitte vorn) hält ein Transparent. Oertel und vier weitere Mitglieder des Organisationsteams haben ihre Ämter niedergelegt. dpa

Der damalige Pegida-Chef Lutz Bachmann (Mitte hinten) auf einer Pegida Kundgebung. Die Mitbegründerin und Sprecherin des islamkritischen Bündnisses, Kathrin Oertel (Mitte vorn) hält ein Transparent. Oertel und vier weitere Mitglieder des Organisationsteams haben ihre Ämter niedergelegt.

Berlin/DresdenPlötzlich führungslos: Nach dem Rücktritt des früheren Frontmanns Lutz Bachmann wegen „Hitler“-Selfie und Ausländerbeleidigungen schmeißt nun gleich die Hälfte der Pegida-Führung hin - darunter auch das „neue Gesicht“ der islamkritischen Bewegung, Kathrin Oertel. Grund soll ein Streit über die Rolle Bachmanns und die künftige Ausrichtung des zwölfköpfigen Organisationsteams sein. Pegida selbst spricht auf der Facebook-Seite von massiven Anfeindungen und Drohungen, die Oertel zu der „Auszeit“ bewogen hätten. Doch wer spricht da eigentlich im Namen der Bewegung? Und bedeutet das Chaos an der Spitze das Aus für Pegida?

Es lief schon lange nicht rund bei den selbsternannten „Patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Doch dass gleich die ganze Führungsriege auseinanderbricht, kommt völlig überraschend.

Bachmann sorgte von Anfang an für Unruhe und Unmut in der Pegida-Spitze. Schon vor Monaten kam seine zwielichtige Vergangenheit ans Licht - inklusive Vorstrafen wegen Einbruchs- und Drogendelikten. Damals kündigte er schon einmal an, sich aus der ersten Reihe der Bewegung zurückzuziehen. Aber er tat es nicht. Und auch nachdem wüste Beschimpfungen von ihm gegen Ausländer öffentlich wurden, verkündete er zwar seinen Rückzug. Aber Bachmann verschwand wieder nicht.

Pegida von Kopenhagen bis Prag

Viele Pegida-Ableger in Europa

Die islamfeindliche Pegida-Bewegung hat in Dresden und anderen deutschen Städten in den vergangenen Monaten Zulauf erhalten. Aber auch im europäischen Ausland stoßen die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ auf Sympathie: In mehreren Ländern gibt es inzwischen Ableger der Bewegung. Von einer Teilnehmerzahl wie in Dresden am Montag vergangener Woche, als 25.000 Menschen auf die Straße gingen, waren die ersten Pegida-Proteste im Ausland allerdings weit entfernt. Nachfolgend eine Auswahl der europäischen Ableger.

Tschechien

In der tschechischen Hauptstadt Prag demonstrierten am vergangenen Freitag etwa 600 Menschen gegen den Islam. Es war die erste islamfeindliche Demonstration in Tschechien, wo Schätzungen zufolge zwischen 10.000 und 20.000 Muslime leben. Lediglich rund 20 Gegendemonstranten gingen auf die Straße. Die Organisatoren schlossen einen Zusammenschluss mit den Gleichgesinnten im nur 150 Kilometer entfernten Dresden nicht aus.

Dänemark

In Kopenhagen war für Montagabend der erste Protestzug des dänischen Pegida-Ablegers geplant. 300 Menschen hätten im Online-Netzwerk Facebook ihr Kommen zugesagt, sagte der Organisator des Protests, der Schulpsychologe Nicolai Sennels.

Norwegen

Am Montag vergangener Woche folgten in der norwegischen Hauptstadt Oslo rund 200 Menschen dem Aufruf des örtlichen Pegida-Ablegers. Man wolle die Aufmerksamkeit auf die Probleme im Zusammenhang mit der Einwanderung von Muslimen lenken, sagte der Organisator des Marschs, Gymnasiallehrer Max Hermansen. Auch Ausländer waren unter den Demonstranten, die ohne Zwischenfälle um das Osloer Rathaus herummarschierten. Nur eine Handvoll Gegendemonstranten stellten sich dem Protest entgegen.

Schweden

Der schwedische Pegida-Ableger zählt auf Facebook mehr als 8100 Anhänger. Die Gruppe verweist in zahlreichen Einträgen auf ihre Vorbilder in Dresden.

Österreich

Der österreichische Ableger, der auf Facebook mehr als 10.000 Sympathisanten zählt, bedauerte die Absage der Dresdner Pegida-Demonstration am Montag infolge von Anschlagsdrohungen. Ebenso wie die Dresdner Bewegung rief Pegida Österreich ihre Anhänger auf, anstelle des Protests am Montagabend eine Kerze ins Fenster zu stellen und die Landesflagge aus dem Fenster zu hängen.

Schweiz

In der Schweiz tauchte vergangene Woche auf Facebook ein örtlicher Pegida-Ableger auf und erhielt mehr als 3000 Unterstützer. Die Gruppe rief für den 16. Februar zu einem Protestmarsch gegen den Islam auf. Der Ort der Demonstration wurde zunächst nicht bekannt gegeben. Auch die Mitglieder wurden nicht namentlich genannt, mit Ausnahme von Sprecher Ignaz Bearth. Dieser ist Chef der Direktdemokratischen Partei Schweiz, die enge Verbindungen zur rechtsextremen französischen Front National pflegt. Zuvor gehörte Bearth der rechtsextremen Partei National Orientierter Schweizer (PNOS) an.

Belgien

In Belgien tauchte auf Facebook die Gruppe Pegida Vlaanderen auf, die sich mit der deutschen Pegida solidarisch erklärte. „Von Flandern aus unterstützen wir die Pegida-Bewegung in Deutschland“, heißt es in dem Eintrag der Gruppe. Rund 4500 Nutzer klickten auf die Sympathie-Bekundung „Gefällt mir“. Die Gruppe regte eine Demonstration in Antwerpen am kommenden Samstag an, legte aber keinen Termin fest.

Spanien

Auch in Südeuropa hat die Pegida-Bewegung Sympathisanten. In einem Eintrag im Kurzbotschaftendienst Twitter hieß es vergangene Woche, der spanische Ableger sei am 8. Januar gegründet worden – einen Tag nach dem islamistischen Anschlag auf die französische Satirezeitung „Charlie Hebdo“ in Paris.

Einigen aus der Pegida-Spitze wurde es nun zu viel. Bachmann habe sich nicht in dem Maße zurückgezogen, „wie wir uns das wünschen“, sagt einer der Aussteiger, das AfD-Mitglied Achim Exner. „Bislang hat sich Pegida auf die bürgerliche Mitte konzentriert, derzeit gibt es jedoch eine Tendenz zum rechten Rand, die wir nicht mittragen können.“ Auch René Jahn, der ebenfalls den Führungszirkel verlassen hat, schimpft, es könne nicht sein, dass sich Pegida in aller Deutlichkeit von Bachmanns Äußerungen distanziere, dieser aber im Organisations-Team bleiben wolle. „Mit diesem Nazi-Zeug und den rechten Äußerungen möchte ich nichts zu tun haben.“

Bachmann stellt die Sache anders dar. Oertel habe sich zurückgezogen, weil sie aus Antifa-Kreisen massiv bedroht worden sei. Nun müsse ein neuer Vorstand gewählt werden. Übernimmt Bachmann wieder die Führung? Er verneint. Dafür stehe er nicht zur Verfügung. „Ich bin auch froh, dass ich draußen bin. Ich will gar nicht mehr.“

Kommentare (4)

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Herr Adre Klarmann

28.01.2015, 22:19 Uhr

Wir brauchen einfach einen Wandel um 180 Grad in diesem Land - eine totale Veränderung.

Wir brauchen sie nicht einfach "nur so" - sondern für die bloße unsere Zukunft und die unserer Kinder.
Die etablierten Eliten sind weder fähig noch willens die eigens verschuldete Missstände und Probleme anzugehen- viele der Missstände sind sicher auch keine Unfälle sondern einkalkulierte Folgen einer gewollten Politik der Verdrängung der indigenen Bevölkerung, Zerstörung des Sozialstaats, Auflösung der Nationen und der Nationalstaaten.
Vieles, was für den naiven Beobachteter als ungewollter, und bedauernswerter Unfall einer unüberlegten Politik daherkommt, läuft im Sinne der Eliten nach "Plan".
Z. B. Die Die Belastung des Sozialkassen und Überschwemmung des Arbeitsmarktes durch Einwanderung von 3. Welt Staatlern, die den Feinden des Sozialstaats und Befürworter einer neoliberalen Politik sicher sehr entgegenkommt.
Oder die Bedrohung durch islam. Terroristen, die aus den importierten islamischen Parallelgesellschaften Europas entspringen, ist geradezu ein Geschenk für antidemokratische Überwachungstaatsbefürworter, die nach einer möglichst lückenlosen Überwachung -- und damit Kontrolle-- der Bevölkerung streben.


Und ein erster Schritt, ein Ansatzpunkt diesen Wandel zu erreichen, ist die PeGiDa-Bewegung. Genau aus diesem Grund wird sie von unseren jetzigen Eliten und der ihr treue ergebenen Mainstreampresse (von PeGiDa nicht umsonst Lügenpresse genannt) so massiv und fanatisch angefeindet.
Deshalb müssen wir PeGiDa unterstützen - und gerade jetzt, wenn PeGiDa in Gefahr ist.

Herr Günther Schemutat

29.01.2015, 11:52 Uhr

Auch wenn der Hofstaat durchatmet weil Pegida eventuell zerfällt, so zerfällt der Widerstand in der Bevölkerung ja nicht ,sondern ist noch mehr gewachsen. Was man nicht sieht gibt es nicht. Diese Sichtweise DEutscher Politiker gibt es seit 1980. Nun können wir ja gegen die Grünen vorgehen, die mit den Grauen Wölfen unter den Augen der Presse und anderen Parteien Wahlkampf seit Jahren machten für ein Türkisches Reich wo andere Etnien außer Türken kein Recht haben zu leben. Vermutlich kommt auch Grönemeyer und ruft die GRünen zur Buntheit auf. und reisst ihnen die Grüne Maske ab.

War Satire,.... tschuldigung , niemand wird den Grünen Türkischen Nationalismus übel nehmen und kein Innenminister würde die radikalen Grauen Wölfe verbieten. Der Verein darf weiter hetzen! Wir sind schliesslich Islam seit Merkel .

Herr Axel Cordi

29.01.2015, 12:53 Uhr

Ich weiß nicht, wieso hier immer noch geglaubt wird, Pegida oder AfD würden hier was verändern. Nichts werden sie reißen, gar nichts, weil dieser Staat längst fertig hat. Die nächsten Wahlen werden es zeigen. Laut Sonntagsumfrage liegt die CDU ganz locker bei 42 %. Also was soll das ganze Gequatsche? Die Deutschen wollen es so. Hier haben Linksextremisten und möchtegernintellektuelle linke Gutmenschen die Macht über Staat und Meinungsmache übernommen.

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