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18.05.2012

17:44 Uhr

Nach Bayern-Hass-Bekenntnis

FDP-„Vollpfosten“ Homburger schießt sich ins Abseits

Eine unbedachte Äußerung gegen den FC Bayern München bringt FDP-Vizechefin Homburger unter Druck. Ihre Hass-Botschaft provozierte heftige Reaktionen. Parteifreunde wollen sie loswerden. Die Gescholtene wehrt sich.

Birgit Homburger. ap

Birgit Homburger.

MünchenDie verweigerte Unterstützung für den FC Bayern München im Champions-League-Finale hat FDP-Politikerin Birgit Homburger deutliche Kritik aus der eigenen Partei beschert. „Ich bin stinksauer wegen dieses unsportlichen Verhaltens. Das kann nur jemand sagen, der von Sport und Fußball überhaupt nichts versteht“, teilte Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) der Nachrichtenagentur dpa am Freitag mit. „Wer so etwas sagt, disqualifiziert sich selbst.“

Zuvor hatte Homburger in einer dpa-Umfrage ihr Desinteresse an dem Fußballspiel zwischen dem FC Bayern und dem FC Chelsea am Samstag geäußert. „Das guck' ich nicht. Ich hasse Bayern München.“

Bayern und Chelsea im Vergleich

Der Verein

Bayern:
1900 gegründet
Präsident: Uli Hoeneß
Trainer: Jupp Heynckes

Chelsea:
1905 gegründet
Präsident: Bruce Buck
Trainer: Roberto di Matteo

Die Erfolge

Titel der Bayern:
4x Champions League- oder Europapokal der Landesmeister
2x Weltpokal
1x Uefa Cup
1x Europapokal der Pokalsieger
22x Deutscher Meister
15x Deutscher Pokalsieger

Titel von Chelsea:
2x Europapokal der Pokalsieger
4x Englischer Meister
7x Englischer Pokalsieger

Die Popularität

Bayern:
Fans in Deutschland: 9,4 Millionen
Fans in europäischen Kernmärkten: 12,4 Millionen

Chelsea:
Fans in England: 1,7 Millionen
Fans in europäischen Kernmärkten: 5,1 Millionen

Die Wirtschaftsdaten

Bayern:
Umsatz: 321,4 Millionen Euro
TV-Einnahmen: 71,8 Millionen Euro
Kommerzielle Einnahmen: 177,7 Millionen Euro
Spieltagseinnahmen: 71,9 Millionen Euro
Trikotsponsoring: 22 Millionen Euro

Chelsea:
Umsatz: 249,8 Millionen Euro
TV-Einnahmen: 112,3 Millionen Euro
Kommerzielle Einnahmen: 62,8 Millionen Euro
Spieltagseinnahmen: 74,7 Millionen Euro
Trikotsponsoring: 15,8 Millionen Euro

Die Transferbilanzen

Bayern:
Transferbilanz 2011/12: -39,1 Millionen Euro
Transferbilanz 2010/11: -7,5 Millionen Euro
Transferbilanz 2009/10: -51,75 Millionen Euro

Chelsea:
Transferbilanz 2011/12: -71,26 Millionen Euro
Transferbilanz 2010/11: -110 Millionen Euro
Transferbilanz 2009/10: -24,6 Millionen Euro

Die Stadien

Bayerns Allianz Arena:
Stadion-Kapazität: 69.000
Zuschauerschnitt 2011/12: 69.000
Stadionauslastung: 100 Prozent

Chelseas Stamford Bridge:
Stadion-Kapazität: 41.837
Zuschauerschnitt 2011/12: 41.525
Stadionauslastung: 99,3 Prozent

„So einen dummen Spruch kann nur ein Vollpfosten bringen“, kommentierte Tobias Thalhammer, der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Landtagsfraktion in Bayern und forderte überdies Homburgers Sturz: „Frau Homburger fehlt offenbar jegliches Zeug zu einer deutschen Spitzenpolitikerin. Sie ist als stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende nicht länger tragbar und sollte sofort zurücktreten, anstatt uns das Finale dahoam zu vermiesen.“

Homburger habe ohne Nachdenken „Millionen bayerische Fußballfans in ganz Deutschland beleidigt. Platzverweis und Sperre für Birgit Homburger!“ Mit diesem hirnverbrannten Satz habe sie sich für lange Zeit ins Abseits geschossen.

München und das Champions-League-Finale

Wirtschaftseffekte

Stefan Hauf, Pressesprecher der bayerischen Landeshauptstadt, verweist auf eine Studie des Kreditkartenunternehmens Mastercard zum Champions-League-Endspiel 2010 in Madrid. Demnach könne sich die gastgebende Stadt über eine „Konjunkturspritze in Höhe von 50 Millionen Euro“ freuen, sagt er. Die Bedeutung für die gesamteuropäische Wirtschaft bezifferte Mastercard damals auf rund 352 Millionen Euro. Mastercard ist ein Sponsor der Champions League und hat daher großes Interesse, die Veranstaltung in gutem Licht erscheinen zu lassen.

Boom für Hotels und Gastronomie

Tatsächlich werden Schätzungen zufolge rund 40.000 Fußballfans in der Metropole übernachten. „Der wirtschaftliche Vorteil für München fällt zu 60 bis 70 Prozent im Hotelgewerbe an, der Rest fast ausschließlich im Gastgewerbe“, sagt Maennig. Die Höhe der in Aussicht gestellten Einnahmen für die Stadt bezweifelt er jedoch, weil Verdrängungseffekte nicht hinreichend berücksichtigt seien. Sicher ist, dass die Hoteliers und Restaurants in München Geld verdienen werden – wie viel, das lässt sich kaum beziffern. All das sind jedoch vor allem Einmal-Einnahmen. Langfristig bleibt vor allem der Imagegewinn, durch den künftig mehr Touristen in die Stadt kommen sollen.

Kosten

Die Stadt München beziffert die Ausgaben für die Ausrichtung des Champions-League-Finals auf 1,4 Millionen Euro. Hohe Kosten verursachte das Endspiel der Frauen am Donnerstagabend. Dieses fand im Münchener Olympiastadion statt, das extra für die Veranstaltung hergerichtet werden musste. Im schlimmsten Fall kommt es am Samstagabend zu Ausschreitungen zwischen den Fans von Bayern München und Chelsea – auch das könnte für die Stadt ins Geld gehen und den erhofften Imagegewinn zunichte machen.

Homburger wandte sich derweil auf ihrer Facebook-Pinnwand gegen die Kritik. "Fußball ist Emotion pur. Das zeigt sich gerade mal wieder", schreibt die FDP-Politikerin. Und dann begründet sie ihre harte Haltung gegenüber den Bayern. Ihre Leidenschaft gehöre seit Kindesbeinen dem Fußball. "So überheblich wie sich Bayern München in den letzten Jahrzehnten oft benommen hat, ist das halt nicht mein Verein." Das heiße aber noch lange nicht, "dass ich Chelsea die Daumen drücke", fügt Homburger relativierend hinzu. "Dafür bin ich Patriotin genug."

Von

dpa

Kommentare (10)

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kuac

18.05.2012, 15:18 Uhr

Was für eine Heuchelei! Es wird immer verlangt, dass die Politiker Wahrheit sagen müssen. Nun, sagt jemand was sie denkt und schon geht der Sturm der Entrüstung los. Warum eigentlich? Muss jeder BM fan sein?

Sebastinan

18.05.2012, 15:25 Uhr

Ja sie hätte sagen sollen,mich interessiert dieser Sport nicht sonderlich,das Wort Hass war sicherlich unangebracht.

TippKick

18.05.2012, 15:25 Uhr

So, so, - sie soll zurücktreten, weil sie nichts von Fußball versteht und nicht für den FC Bayern ist...

scheint ja eine wichtige Qualifikation für einen Politiker zu sein, wenn man weiter nichts braucht...

„So einen dummen Spruch kann nur ein Vollpfosten bringen“ ist ja auch irgendwie eine Beleidigung, also selber zurücktreten!

Sch... FC Bayern, entspannt euch mal, habt ja ganz schön Muffensausen... tse, tse

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