Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.05.2011

17:37 Uhr

Nach Bin-Laden-Tötung

Große Empörung über Merkels „Rachegedanken“

Die Freude von Kanzlerin Merkel über den Tod Osama bin Ladens sorgt für großen Wirbel. Regierungskreise versuchen, die Wogen zu glätten. Doch selbst CDU-Leute reagiert höchst verärgert.

Angela Merkel. Quelle: dpa

Angela Merkel.

BerlinDie demonstrative Freude von Bundeskanzlerin Angela Merkels über die Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden ist auf erhebliche Kritik gestoßen. "Ich hätte das nicht so formuliert. Das sind Rachegedanken, die man nicht hegen sollte. Das ist Mittelalter", sagte der Vorsitzende des Bundestags-Rechtsauschusses, Siegfried Kauder, der "Passauer Neuen Presse". "Ich freue mich nicht, dass ein Mensch gestorben ist", sagte der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU, Philipp Mißfelder, am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters.

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, reagierte zurückhaltend auf die umstrittenen Äußerungen Merkels. "Auch wenn ich mich über den Tod eines Menschen nicht freuen kann, bin ich erleichtert, da wir jetzt mit weniger Angst leben können", sagte der FDP-Politiker Handelsblatt Online. Viele hätten sich durch bin Laden und seinen blutigen Terror bedroht gefühlt. So habe der Terroristenchef das Misstrauen der Kulturen und Religionen gegeneinander angeheizt und so Menschen gegeneinander aufgehetzt. "Ich hoffe, dass jetzt mehr Raum für das Gespräch miteinander statt der Angst voreinander vorhanden ist." Sowohl der CDU-Außenpolitiker Ruprecht Polenz als auch CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe verteidigten dagegen die Kanzlerin.

Auslöser der Debatte sind die Freudenfeier in den USA über die Tötung des Terrorchefs sowie der Satz Merkels: "Ich freue mich, dass es gelungen ist, bin Laden zu töten." Dies kritisierte etwa der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck. "Man kann sich als Mensch und erst recht nicht als Christ über den Tod eines Menschen freuen", sagte er der WAZ-Mediengruppe. Die stellvertretende Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Ingrid Fischbach, kritisierte, auch christlicher Sicht sei es nicht angemessen, Freude über die gezielte Tötung eines Menschen zu äußern.

Merkel zeigte Verständnis für Irritationen über ihre Wortwahl. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Mittwoch in Berlin: „Sie hat Verständnis dafür, dass derjenige, der nur diesen einen Satz gehört hat - und im Fernsehen wurde ja gerne nur mal dieser eine Satz isoliert ausgestrahlt - dass der vielleicht das Zusammenwirken der Worte Tod und Freude in einem Satz als unpassend empfunden haben mag.“ Im Zusammenhang ihrer Worte werde aber klar, „welche Gefühle die Kanzlerin geleitet haben“. In diesem Zusammenhang würde sie diese Gefühle auch wieder so ausdrücken, sagte Seibert. „Das Motiv ihrer Freude war der Gedanke: Von diesem Mann wird nun keine Gefahr mehr ausgehen. Die Welt lebt hoffentlich ein Stück sicherer.“

Auch aus der FDP kam Kritik. Er habe Merkels Freude über die Tötung mit "Unverständnis" aufgenommen, sagte der FDP-Innen- und Rechtspolitiker Hartfrid Wolff dem "Tagesspiegel".

Dagegen nahm der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Polenz, die Kanzlerin in Schutz. "Man darf sehr wohl erleichtert und auch froh darüber sein, dass bin Laden keine Anschläge mehr planen kann", sagte er Reuters. "Im Nachhinein jedes Wort auf die Goldwaage zu legen, ist nicht angemessen." Die Debatte befeuere nur die ohnehin schon kursierenden Verschwörungstheorien um den Tod bin Ladens. Stattdessen sollte man die wichtige Frage diskutieren, was die Folgen des Todes von bin Laden seien.

Auch der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach und Generalsekretär Gröhe verteidigten die Kanzlerin. "Man darf sich darüber freuen, dass es den Amerikanern gelungen ist, einen Massenmörder daran zu hindern, sein blutiges Handwerk fortzusetzen", sagte Bosbach dem MDR. Die Worte der Kanzlerin seien ein Ausdruck der Solidarität und des Mitgefühls mit den USA gewesen. "Die Bundeskanzlerin hat sich erleichtert darüber gezeigt, dass von diesem Kopf eines weltweit agierenden Terrornetzwerkes keine Gefahr mehr ausgehen kann", sagte Gröhe zu Reuters. "Das war eine gute Nachricht für die ganze Welt, die nun nicht dadurch überlagert werden sollte, dass Einzelformulierungen aus dem Zusammenhang gerissen oder bewusst missverstanden werden." Man dürfe nicht vergessen, dass bin Laden "für den brutalen Mord Tausender unschuldiger Menschen" verantwortlich gewesen sei.

Kommentare (34)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Frank

04.05.2011, 14:56 Uhr

Auch ich weigere mich die Ermordung eines Menschen zu Feiern, egal was für ein Drecksack der war.

R.Ruf

04.05.2011, 14:58 Uhr

Frau Merkel freut sich ständig über irgend etwas. Die floskelhafte Verwendung des Begriffs "ich freue mich" ist ihr inzwischen so in Fleisch und Blut übergegangen, dass sie ihn bedenkenlos und gedankenlos auch dann verwendet wenn er nicht angebracht ist, wie z.B. bei der Tötung eines Menschen.
Der Tod enes Menschen, egal ob Heiliger oder Verbrecher, ist immer Anlaß zu Ernst und Nachdenklichkeit, nicht aber zu Freude und Frohlocken zumindest in unserer abendländischen christlich geprägten Kultur. Deshalb ist es richtig wenn sich Christen zu Wort gemeldet haben.

wolf

04.05.2011, 15:26 Uhr

Wenn man den Hauptschulabschluß nicht schafft, sollte man sich (auch wenn es dem aktuellen Bildungsstand entspricht) lieber nicht im Internet äüßern.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×