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17.12.2012

08:25 Uhr

Nach Bombe in Bonn

Kritik an Bundesinnenminister Friedrich

Der versuchte Bombenanschlag in Bonn sorgt für eine Debatte über Sicherheitspolitik. Als „hilflose Öffentlichkeitsarbeit“ bezeichnet die SPD die Forderung von Innenminister Friedrich nach einer verschärften Überwachung.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich. dpa

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich.

MünchenNach dem versuchten Bombenanschlag im Bonner Hauptbahnhof ist eine Debatte über Videoüberwachung entbrannt. "Mit seinem reflexhaften Ruf nach schärferen Gesetzen und mehr Videoüberwachung macht es sich Innenminister (Hans-Peter) Friedrich zu leicht", sagte die Grünen-Fraktionschefin Renate Künast der "Süddeutschen Zeitung" (Montagsausgabe). Es würden "effektive Sicherheitsbehörden und keine flächendeckende Überwachung" benötigt. Aufgabe der Innenminister sei es, "für mehr Kooperation der verschiedenen Stellen und zielgerichtetes Arbeiten zu sorgen, damit Anschläge im Vorfeld verhindert" würden.

Der schleswig-holsteinische SPD-Chef und frühere Landesinnenminister Ralf Stegner sagte der Zeitung, der "Reflex, sich etwas von einer verschärften Überwachung zu erhoffen, ist in aller Regel falsch". Es gebe "an Bahnhöfen und Flughäfen, also dort, wo es sinnvoll ist, ohnehin Überwachung". Der Vorstoß von Bundesinnenminister Friedrich (CSU) sei "hilflose Öffentlichkeitsarbeit", sagte Stegner.

Fragen und Antworten zum Anschlag in Bonn

Was weiß man über die Bombe?

Sie wurde am vergangenen Montagmittag in einer blauen Sporttasche zum Bonner Hauptbahnhof gebracht. Sie bestand laut Bundesanwaltschaft aus einem ungefähr 40 Zentimeter langen Metallrohr, das zündfähiges Ammoniumnitrat enthielt und mit vier Druckgaspatronen umwickelt war, sowie einem Wecker und verschiedenen Batterien, die als Zündvorrichtung dienen sollten. Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) zufolge gibt es „eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass sie gezündet wurde“.

Warum explodierte die Bombe nicht?

Medien berichteten aus Sicherheitskreisen, sie sei wegen eines Baufehlers funktionsunfähig gewesen. „Der Fehler der Konstruktion des Sprengsatzes bestand demnach darin, dass die Täter eine Glühbirne statt eines sogenannten Boosters, also eines Sprengsatzverstärkers, verwendet hätten“, berichtete der WDR. Eine Glühbirne war von der Polizei am Tatort sichergestellt worden. Laut „Spiegel“ wäre der Sprengsatz aber auch bei erfolgreicher Zündung nicht detoniert, sondern hätte eine potenziell tödliche Stichflamme verursacht.

Wie viele Täter waren beteiligt?

Das ist nicht bekannt. Die Bundesanwaltschaft geht vorerst von mindestens drei aus. Dies ergibt sich aus ihrer Mitteilung vom Freitag: Derzufolge besteht gegen jenen Mann, der die Tasche am Bahnhof abstellte, der Anfangsverdacht, dass er „einen Sprengstoffanschlag verüben wollte“ - und zwar „als Mitglied einer terroristischen Vereinigung“. Von einer solchen Terrorgruppe wird aber erst gesprochen, wenn dazu mindestens drei Personen gehören.

Was ist über die Täter bekannt?

Dazu dürften zählen: ein hellhäutiger Mann mit Bart, der von der Kamera einer McDonald's-Filiale im Bahnhof mit einer blauen Sporttasche in der Hand gefilmt wurde; ein dunkelhäutiger Mann, der nach Zeugenaussagen die blaue Tasche mit der Bombe am Bahnsteig 1 abgestellt haben soll; und mindestens ein dritter.

Lässt die dunkle Hautfarbe eines Mannes auf eine ausländische Gruppe schließen?

Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass die Tat in Deutschland geplant und gesteuert wurde. Darauf deutet ihr Hinweis, dass sie sich auf Strafgesetzbuch-Paragraf 129a stützt, der - anders als der 129b - die Strafen für inländischen Terrorismus festlegt. Das muss aber nicht heißen, dass es keine Verbindungen - zumindest informeller Art - ins Ausland gab.

Was weiß man über den Dunkelhäutigen, der die Tasche abstellte?

Die Bundesanwaltschaft hat „belastbare Hinweise“, dass er „über Verbindungen in radikal-islamistische Kreise verfügt“. Laut „Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung“ haben die Ermittler ihn identifiziert als einen Mann aus der Bonner islamistischen Szene. Demnach soll er Verbindungen zu Leuten im Ausland haben, die dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahestehen. Der „Spiegel“ benannte ihn als den Somalier Omar D., den die Ermittler nach dem Anschlag bereits festgenommen hatten, aber später wieder freiließen - möglicherweise mangels Beweisen. Er soll 2008 zusammen mit seinem Freund Abdirazak B. aus einem startbereiten Flugzeug auf dem Flughafen Köln-Bonn abgeführt worden sein, weil beide - so hieß es damals - auf dem Weg in ein pakistanisches Terroristen-Ausbildungslager gewesen seien und bereits Abschiedsbriefe hinterlassen hätten. D.s Anwalt bestreitet eine Verbindung zur Tat.

Was ist über den Hellhäutigen bekannt, der die Tasche trug?

Weniger. Die Bundesanwaltschaft hat zu ihm keine Angaben gemacht. Die Ermittler kennen laut „Spiegel“ aber wohl seinen Namen. Das Überwachungsvideo belegt, dass er kurz vor der Tat im Bahnhof war.

Und der dritte?

Auch über den ist wenig bekannt. Laut WDR ist ein Tatverdächtiger aus dem rheinischen Langenfeld identifiziert, der als Al-Kaida- Verbindungsmann gelten soll. Dem Sender zufolge ist aber unklar, ob er tatsächlich mit der Planung befasst oder zur Tatzeit am Bahnhof war. Demnach kann es sich nicht um den hellhäutigen Mann handeln, der dort gefilmt wurde - sondern nur um einen dritten Verdächtigen.

Der Unions-Innenexperte Hans-Peter Uhl (CSU) forderte unterdessen von der Deutschen Bahn eine Nachrüstung ihrer Überwachungsanlagen. "Videobilder von Überwachungskameras in sensiblen Bereichen wie Bahnhöfen sollten generell aufgezeichnet werden. Solche Defizite kann man sich nicht erlauben", sagte Uhl der "Passauer Neuen Presse" (Montagsausgabe). Wenn es stimme, dass "die anderen Kameras im Bahnhof nichts aufgezeichnet haben, besteht ein Defizit im System."

Die Bombe soll am Montag am Bonner Hauptbahnhof abgestellt worden sein, sie löste keinen Schaden aus. Seit Freitag führt die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe die Ermittlungen. Von den sechs Überwachungskameras am Bonner Hauptbahnhof wurden keine Videobilder des Vorfalls aufgezeichnet. Friedrich forderte als Konsequenz aus dem Anschlagsversuch die Ausweitung der Videoüberwachung.

Von

afp

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

17.12.2012, 09:25 Uhr

Unser Kommissar Friedrich ist so mit den paar Nazis beschäftigt, daß er dadurch die über 1000 teils bekannten muslimischen Gewalttäter und ihre Machenschaften aus den Augen verliert.

Falsche Prioritäten setzen, nennt man das, denn die Gefahr, daß uns demnächst Sprengbomben mit vielen Toten um die Ohren fliegen, ist viel größer als die Verbrechen durch Nazis.

Ich verstehe nicht, wieso so viele potentielle Gewalttäter sich überhaupt, mit Sozialhilfe versorgt, in Deutschland aufhalten können, um dann mit deutschem Pass in der Tasche, uns in die Luft zu sprengen.

Sind das die von Rot-Grün so dringend benötigten Potenziale für Morde und Attentate?

Account gelöscht!

17.12.2012, 09:54 Uhr

Gähn. Wer glaubt denn ernsthaft, dass diese "Bombe" von einem "Terrorischten(Schäuble) gelegt wurde. "Sicherheitskräfte oder aus dessen Umfeld wurden beauftragt, um die wenigen bischen Freiheitsrechte abzuschaffen.

So dilettantisch geht kein Täter vor.

Für wie blöd hält man uns eigentlich.

Account gelöscht!

17.12.2012, 10:04 Uhr

Muslime haben das Pulver ncht erfunden.
Deswegen detonieren ihre Bomben n o c h nicht.
Aber das wird sich ändern!

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