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11.06.2015

16:23 Uhr

Nach Brandanschlag in Tröglitz

Das Leben mit den Flüchtlingen

Das Thema Asyl wird in Tröglitz monatelang hitzig diskutiert. Die Situation eskaliert. Der Bürgermeister tritt zurück. Die geplante Flüchtlingsunterkunft brennt. Jetzt beginnt der Praxistest – Leben mit den Flüchtlingen.

Nach Brandanschlag auf Flüchtlingsheim

Erste Flüchtlingsfamilien erreichen Tröglitz

Nach Brandanschlag auf Flüchtlingsheim: Erste Flüchtlingsfamilien erreichen Tröglitz

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NaumburgMonatelang waren sie vor Not und Krieg auf der Flucht. Heute aber lächeln sie. Die drei Familien aus Afghanistan und Indien sind die ersten Flüchtlinge, die im kleinen Tröglitz im Süden Sachsen-Anhalts leben. Am Donnerstag, zwei Tage nach ihrem Umzug in den 2700 Einwohner zählenden Ort, sind sie ins Landratsamt des Burgenlandkreises nach Naumburg gekommen. Sie wissen, warum das Interesse an ihnen so groß ist, sagt Landrat Götz Ulrich (CDU).

Sie wurden über den Brandanschlag auf die frisch sanierte, noch leerstehende Flüchtlingsunterkunft in Tröglitz Anfang April informiert. Und: „Die Familien hätten den Umzug ablehnen können“, so Ulrich. Doch sie wollten kommen. Nach Tröglitz, und an diesem Tag vor all die Kameras.

Mit der Ankunft der neun aus ihrer Heimat geflüchteten Menschen beginnt eine Bewährungsprobe für den Ort. Und es ist eine zweite Chance. Das sagt der wohl bekannteste Tröglitzer, der ehemalige ehrenamtliche Ortsbürgermeister Markus Nierth. Er war Anfang März zurückgetreten, um seine eigene Familie zu schützen. Damals sollten von NPD-Kreistagsmitgliedern angeführte Proteste gegen die Asylpläne genau vor seiner Haustür entlang führen.

Einen Monat später rief der groß gewachsene, grauhaarige Mann zu Courage und Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit auf, nachdem Unbekannte das für 40 Flüchtlinge frisch sanierte Mehrfamilienhaus angezündet hatten. Wer hinter der Tat steckt, versucht die Ermittlungsgruppe „Kanister“ derzeit noch zu klären.

Jetzt kümmert sich Nierth nicht nur um seine eigene neunköpfige Familie, sondern auch um die sechs afghanischen Neuankömmlinge. Er und seine Frau Susanna haben die Patenschaft für sie übernommen, waren schon mit ihnen einkaufen, üben mit ihnen die ersten deutschen Worte. „Im Moment verständigen wir uns dabei noch mit Händen und Füßen - und mit Hilfe von Online-Wörterbüchern“, beschreibt Susanna Nierth ihre ersten Erfahrungen.

Kommentare (7)

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Herr Wolfgang Trantow

11.06.2015, 19:25 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

12.06.2015, 08:47 Uhr

Ein "leuchtendes" Beispiel ist Hamburg:
Eine Unterkunft an der Sophienterrasse (vormalige Bundeswehr Anlage) wird auch durch das OVG abgelehnt.
Weitere Unterkünfte im Bereich Billstedt/Billbrook (dort leben bereits über einhundet Nationalitäten) ist dagegen kein Problem.
Es geht doch nichts über eine "sozialverträgliche" Ausgewogenheit - jedenfalls theoretisch.

Herr Josef Schmidt

12.06.2015, 11:16 Uhr

Mit "bunter Kultur" also Raub, Vergewaltigung und Schlägereien muss man sich arrangieren. Wir brauchen diese Menschen unbedingt.

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