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24.05.2011

09:43 Uhr

Nach Brandanschlag

Zweifel an Sicherheitskonzept der Berliner S-Bahn

Nach dem Brandanschlag auf die Berliner S-Bahn laufen die Ermittlungen der Polizei auf Hochtouren. Der Fall löste eine Debatte über die Sicherheitsvorkehrungen der Bahn aus.

Berliner Polizei am Tatort. Quelle: dpa

Berliner Polizei am Tatort.

BerlinEine konkrete Spur zu den Tätern gebe es aber noch nicht, sagte ein Polizeisprecher. In einem im Internet veröffentlichten Bekennerschreiben aus der linksautonomen Szene stellten die bislang unbekannten Verfasser nach Polizeiangaben die Tat in Zusammenhang mit den Themen „Anti-Atom“, „Antimilitarismus“ und „Antirassismus/Flüchtlichsproblematik“.

Nach einer ersten Überprüfung hatten die Ermittler das Schreiben als authentisch bezeichnet. Beamte eines Brandkommissariats hatten am Tatort am Verkehrsknotenpunkt Ostkreuz Reste einer brennbaren Flüssigkeit entdeckt. Der Staatsschutz ermittelt.

Wegen der Reparaturarbeiten kam es auch am Dienstagmorgen zu Behinderungen im Bahnverkehr in Berlin und Brandenburg. Betroffen waren vor allem das östliche Stadtgebiet und das Umland. Zudem seien auf den Bahnhöfen teilweise Beschallung und Anzeigen ausgefallen, informiert die S-Bahn im Internet. Empfohlen wird auch, andere Verkehrsmittel zu benutzen. Zudem werden die Kunden im Internet um Entschuldigung gebeten.

Der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Thomas Kleineidam, kritisierte unterdessen die Sicherheitsvorkehrungen der Bahn. „Wenn an einer einzigen Stelle ein Brand solche Auswirkungen haben kann, dann glaube ich, muss schon überprüft werden, ob da das richtige Sicherheitskonzept vorliegt“, sagte Kleineidam im RBB-Inforadio. „Sicherlich kann man nicht das gesamte Bahnnetz komplett sichern, aber wenn es um solche zentralen Knotenpunkte geht, dann frage ich mich schon, ob die Sicherung ausreichend war“, fügte der SPD-Politiker hinzu. Da seien die Deutsche Bahn und die Bundespolizei zuständig.

Der aktuelle Fall zeige aber, dass die Bahn lieber auf Sparvarianten setze. In Berlin sei man es leider gewohnt, dass die Bahn spart, wo es geht. Er habe den Eindruck, dass man die billigste Variante gewählt hat, oberirdisch Kabel zu verlegen und nicht darüber nachgedacht hat, was passiert, wenn es dort einen Anschlag oder Unfall gibt, betonte Kleineidam.

Zugleich bezweifelte der Politiker, dass im Zusammenhang mit der Tat von einer politischen Motivation gesprochen werden kann. “Hier werden zwar politische Themen wie ein Alibi vorgetragen in dem Bekennerschreiben, aber das ist so beliebig von Waffenexporten, Flüchtlingspolitik über Atomkraft, dass ich eher den Eindruck, dass wir es hier mit Menschen zu tun haben, die totalitäre Gewaltphantasien ausleben.

Von

dapd

Kommentare (2)

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commonman

24.05.2011, 11:06 Uhr

ach so
"ein im internet veröffentlichtes schreiben einer bisher unbekannten gruppierung" sagte der sprecher der berliner polizei in der gestrigen abendschau.

was passiert eigentlich, wenn ich sage "ICH WAR ES".

steht die gsg9 in einer halben stunde vor meiner tür?

"insider"infos sind ja von polizei und presse genug veröffentlicht worden.

bisher erinnert mich das ganze szenario ein bischen an das "celler loch" > http://de.wikipedia.org/wiki/Celler_Loch der raf (ach nee, war ja der verfassungsschutz), erinnert sich noch jemand?

oder war es doch die auswirkung einer "effizienzbasierten optimierung"?

fragen über fragen

Thomas-Melber-Stuttgart

24.05.2011, 12:33 Uhr

Was heißt da "Sicherheitskonzept"? Die Leitungen wurden wegen einer Baustelle provisorisch (um-) verlegt. Nicht alles läßt sich redundant abbilden, da wäre der finanzielle Aufwand viel zu hoch. Zudem hat das Sicherheitskonzept gegriffen, man hat wohl sofort festgestellt, daß systeme ausgefallen sind und hat dann adäquat reagiert.

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