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21.01.2009

10:55 Uhr

Nach dem Gasstreit

Gaskraftwerke geraten in die Kritik

VonJürgen Flauger und Klaus Stratmann

Der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine hat deutlich gemacht, wie stark Europa von russischen Gaslieferungen abhängt. Nach Ende des Konflikts streiten Politik und Energiebranche nun, wer daran schuld ist – und welche Alternativen möglich sind.

Gaskraftwerke sollen im Energiemix künftig eine geringere Rolle spielen. Foto: dpa dpa

Gaskraftwerke sollen im Energiemix künftig eine geringere Rolle spielen. Foto: dpa

BERLIN. Der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine hat eine energiepolitische Grundsatzdebatte entfacht. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) warnten gestern vor einer zu großen Abhängigkeit von russischem Erdgas. Die Energiebranche dagegen gibt vor allem der Politik die Schuld daran, dass sie bei der Stromerzeugung zunehmend Gas einsetzen muss.

Wirtschaftsminister Glos sagte gestern zum Auftakt der Handelsblatt Jahrestagung Energiewirtschaft 2009 in Berlin, es müsse darum gehen, den Anteil russischen Erdgases nicht noch weiter steigen zu lassen. Um dieses Ziel zu erreichen, seien die Kernenergie sowie moderne und effiziente Kohlekraftwerke unverzichtbar. Gaskraftwerke sollten dagegen bei der Erneuerung des Kraftwerksparks in Deutschland keine prominente Rolle mehr spielen.

Allerdings sind der Branche die Hände gebunden: Der Trend zum Gas sei von der Politik erzwungen, sagte RWE-Chef Jürgen Großmann. Anreize, Erdgas zunehmend in der Stromerzeugung einzusetzen, gehörten auf den Prüfstand. Der Manager verwies auf die ehrgeizigen Ausbauziele für die erneuerbaren Energien. Da gerade der Windstrom volatil und kaum prognostizierbar ist, müssten die Versorger hohe Reservekapazitäten vorhalten, um die Schwankungen auszugleichen. „Die erforderliche Back-up-Lösung kann man allein mit schnell hochfahrbaren Gaskraftwerken erreichen“, sagte Großmann.

Für die Energiewirtschaft ist die Frage nach dem richtigen Energieträger von zentraler Bedeutung für Investitionsentscheidungen. Der deutsche Kraftwerkspark ist veraltet. In den nächsten Jahren stehen wichtige Investitionen an. Nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) wollen die Unternehmen allein in diesem und im nächsten Jahr 26 Mrd. Euro investieren. Unter den Projekten finden sich bislang auch viele Gaskraftwerke.

Aus Sicht des Wirtschaftsministers muss alles getan werden, um eine breitere Streuung des Gasbezugs zu erreichen. Glos warb für ein deutsches Flüssiggas-Terminal und für die Nord-Stream-Pipeline durch die Ostsee. Auch der Nabucco-Pipeline, die von der türkischen Ostgrenze bis nach Österreich führen soll, stehe er aufgeschlossen gegenüber, sagte Glos. Der türkischen Regierung warf er jedoch vor, die Pipeline als Druckmittel in den Verhandlungen über einen EU-Beitritt des Landes einzusetzen. „Wir dürfen nicht eine Abhängigkeit durch die nächste ersetzen“, sagte er.

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