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14.12.2015

17:10 Uhr

Nach dem Pariser Klimagipfel

Berlin will 2016 Langfrist-Klimaziele beschließen

Mitte nächsten Jahres will die Regierung ihren Klimaschutzplan 2050 vorlegen. Erst dann soll es auch konkretere Angaben zum Kohleausstieg geben. Unternehmen wie Metro oder Adidas fordern bereits schärfere Klimaschutzziele.

Auch der Kohleausstieg gehört zum Klimaschutzplan 2050. dpa

CO2-Ausstoß

Auch der Kohleausstieg gehört zum Klimaschutzplan 2050.

BerlinDie Bundesregierung will Mitte nächsten Jahres ihren Klimaschutzplan 2050 vorlegen und sich erst dann konkreter zum Kohleausstieg äußern. Das Kabinett werde die Ziele vor der Sommerpause 2016 beschließen, sagte Umweltministerin Barbara Hendricks am Montag in Berlin.

„Es ist völlig klar, dass wir bis spätestens Mitte des Jahrhunderts aus der Nutzung von fossilen Energieträgern aussteigen müssen.“ Dies müsse etwa bei der Kohle mit allen Beteiligten debattiert und sozialverträglich umgesetzt werden, sagte die SPD-Politikerin. Während Dutzende Unternehmen von Deutschland und Europa strengere Klimaschutzpläne forderten, bremste der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI).

„Es ist jetzt nicht die Zeit, überstürzt über neue EU-, geschweige denn nationale Ziele, nachzudenken“, sagte BDI-Präsident Ulrich Grillo.

Daten, Fakten und Namen rund um den Klima-Gipfel

Arbeitsplätze

Das Umweltministerium zählt für 2013 in Deutschland 371.400 Arbeitsplätze zum Bereich erneuerbare Energien, die meisten in der Windenergie. Im alten Kraftwerksbereich sank die Zahl der Beschäftigten stetig: von 240.000 in 2006 auf 210.000 in 2012.

Basic-Staaten

Diese Gruppe umfasst die vier großen Schwellenländer Brasilien, Südafrika, Indien und China. Sie haben zwar auch Klimaziele, pochen aber vor allem auf die historische Verantwortung der Industriestaaten. BRICS heißt diese Staatengruppe plus Russland. Sie umfasst über 40 Prozent der Weltbevölkerung.

CO2

Kohlendioxid (CO2) trägt zu 76 Prozent zum Treibhauseffekt bei. Heute ist die CO2-Konzentration in der Atmosphäre um 40 Prozent höher ist als vor dem Beginn der Industrialisierung um 1750.

Dämme

Industrieländer können Dämme bauen, auf kleinen Inselstaaten ist das nicht möglich. Der Meeresspiegel ist laut IPCC von 1901 bis 2010 um 19 Zentimeter gestiegen. Er klettert immer schneller, derzeit um über drei Millimeter pro Jahr

Einstimmigkeit

Bei den UN-Klimaverhandlung ist es üblich, dass das Abschlussdokument ohne Gegenstimme angenommen wird.

Christiana Figures

Sie leitet das UN-Klimasekretariat seit 2010 und ist somit die UN-Klimachefin. Die resolute Diplomatin aus Costa Rica studierte in England und war unter anderem Botschafterin in Deutschland. Sie ist 1956 geboren und hat zwei Töchter.

Fluorierte Kohlenwasserstoffe

Die FCKW tragen zu zwei Prozent zum Treibhauseffekt bei. Die Produktion dieser ozonzerstörenden Stoffe ist durch das Montreal-Protokoll zum Schutz der Ozonschicht inzwischen weitgehend verboten, sie sind aber sehr langlebig.

Gletscher

Sie werden derzeit pro Jahr im Schnitt 0,5 bis ein Meter dünner. Das sei zwei- bis dreimal mehr als im Durchschnitt des 20. Jahrhunderts, berichtet der World Glacier Monitoring Service. Sie sind in vielen Ländern ein wichtiges Trinkwasserreservoir.

Hitzewellen

Die Jahre mit den fünf heißesten Sommern seit 1500 lagen alle nach dem Jahr 2000. Besondere Hitzewellen gab es 2003 in Europa mit 70.000 Toten und Ernterückgängen sowie 2010 in Westrussland mit 55.000 Toten und Waldbränden. Viele Forscher vermuten als Ursache neben der Erderwärmung unter anderem den arktischen Jetstream.

IPCC

Der Weltklimarat IPCC wurde 1988 gegründet. Er soll zeigen, wie sich der Klimawandel auswirkt, welche Anpassungsstrategien es gibt und wie er gebremst werden kann. Mehrere Tausend Forscher werten bestehende Daten für die regelmäßig erscheinenden Berichte aus.

Jetstream

Dieser wellenförmige Windstrom umkreist die Nordhalbkugel in mehreren Kilometern Höhe. Gewöhnlich verändert sich die Lage seiner Wellen. Immer häufiger bleiben sie starr, was zu langen Dürren oder anhaltenden Regenfällen mit Hochwasser führen kann.

Kyoto

Das Kyoto-Protokoll von 1997 war der erste weltweite Klimavertrag, der jedoch nur den Industrieländern Klimaziele gab. Bei Kyoto II, das von 2013 bis 2020 läuft, sind nur noch die EU und zehn weitere Länder dabei, die 15 Prozent der Weltemissionen umfassen. Sie wollen ihren Ausstoß von 1990 bis 2020 um 18 Prozent reduzieren.

Nach der Einigung auf weltweite Klimaziele auf der Pariser Konferenz will die Europäische Union ihre eigenen Vorgaben zunächst offenbar nicht nachjustieren. „Wir werden 2018 Bilanz ziehen und 2020 entweder unsere Ziele bestätigen oder neue ausgeben“, sagte Klimakommissar Miguel Arias Canete in Brüssel. Das sei die Aufgabe der 2018 antretenden neuen EU-Kommission.

Umweltministerin Hendricks räumte ein, es werde nicht einfach, die in Paris beschlossene Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu erreichen. Mit seinen 2007 beschlossenen Vorsätzen zum Klimaschutz sei Deutschland aber auf gutem Kurs. „Wir haben mehr Verantwortung denn je, diese Ziele umzusetzen.“ Deutschland beabsichtigt, bis 2020 seine Treibhausgasemissionen um 40 Prozent gegenüber 1990 zu verringern und bis 2050 mindestens um 80 bis 95 Prozent zu senken.

Zum Kohleausstieg wolle man in Gesprächen bis zum Sommer Wege aufzeigen, wie man den Wandel sozialverträglich und in einigen Regionen „abgefedert“ umsetzen könne. „Es geht um Strukturwandel ohne Strukturbrüche.“

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