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17.11.2015

16:24 Uhr

Nach den Terrorangriffen

Zweifel an der Schlagfähigkeit der Polizei

Die Terroranschläge von Paris lenken den Blick auf den Zustand der deutschen Polizei. Wären die Beamten für eine solche Attacke gewappnet? Polizeigewerkschafter sagen Nein und fordern eine Aufrüstung.

Spezialkräfte nahmen heute mehrere Verdächtige fest. Sie haben womöglich mit den Terroranschlägen in Paris zu tun. dpa

Polizeieinsatz in Alsdorf

Spezialkräfte nahmen heute mehrere Verdächtige fest. Sie haben womöglich mit den Terroranschlägen in Paris zu tun.

BerlinDie deutsche Polizei ist aus Sicht der Gewerkschaften nicht ausreichend für den Kampf gegen Terroristen gerüstet. Polizeigewerkschafter mahnten, auf Attacken wie in Paris seien die Beamten in Deutschland denkbar schlecht vorbereitet. Außerdem habe die Polizei schon vor Paris ihre Belastungsgrenze erreicht.

Die Gewerkschafter forderten mehr Personal, eine robustere Ausstattung und Spezial-Trainings. Unions-Politiker schlugen vor, zur Unterstützung der Polizei auch die Bundeswehr zur Überwachung der deutschen Grenzen einzusetzen. Aus der SPD kam dagegen der Ruf nach Besonnenheit.

Bund und Länder haben in den vergangenen 15 Jahren rund 16.000 Stellen bei der Polizei abgebaut. Gewerkschafter beklagen seit langem eine Überforderung der Beamten. In den vergangenen Monaten nahm die Belastung der Bundespolizei durch den enormen Flüchtlingsandrang und die wiedereingeführten Grenzkontrollen noch einmal deutlich zu.

Die Namen hinter dem Horror von Paris

Identifizierung der Attentäter

Seit den Anschlägen von Paris arbeiten die französischen und belgischen Sicherheitsbehörden an der Identifizierung der getöteten Attentäter und möglicher Unterstützer. Ein Überblick über die bisher Identifizierten. (Quelle: Reuters)

Getötet: Abdelhamid Abaaoud

Mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge von Paris. Der Belgier aus dem Brüsseler Stadtteil Molenbeek wurde eigentlich in Syrien vermutet. Am Donnerstag teilte die Staatsanwaltschaft mit, er sei bei der Razzia und anschließenden Schießerei am Mittwoch im Pariser Stadtteil Saint-Denis ums Leben gekommen. Offenbar wurde er erschossen.

Getötet: Ismail Omar Mostefai

Der Franzose mit algerischen Wurzeln war am Angriff auf die Konzerthalle Bataclan mit 89 Toten beteiligt. Mostefai lebte zeitweise in der Region von Chartres, südwestlich von Paris. Geboren wurde er in Courcouronnes im Süden der französischen Hauptstadt. Sein Name wurde von den Sicherheitsbehörden bereits 2010 auf eine Liste möglicher radikaler Islamisten gesetzt. Die türkische Regierung hat nach eigenen Angaben Frankreich im Dezember 2014 und im Juni 2015 wegen Mostefai kontaktiert, aber erst nach den Anschlägen eine offizielle Anfrage aus Frankreich erhalten.

Getötet: Samy Amimour

Der Franzose war ebenfalls am Angriff auf das Bataclan beteiligt. Er lebte in Drancy in der Nähe des nördlichen Pariser Stadtteils Saint-Denis, wo es am Mittwoch zu einer Schießerei mit einer mutmaßlichen zweiten Islamisten-Zelle kam. Amimour wurde seit Ende 2013 international gesucht. Seit Oktober 2012 wurde er von den Behörden beobachtet, weil der Verdacht bestand, er könnte sich in den Jemen absetzen.

Getötet: Fouad Mohamed Aggad

Er ist einer der drei Männer, die das Blutbad in der Konzerthalle Bataclan anrichteten. Der 23-Jährige kam aus dem französischen Straßburg und hatte vor den Anschlägen in Syrien gekämpft. Gemeinsam mit Amimour und Mostefaï hatte Aggad 89 Menschen in der Konzerthalle getötet. Als die Polizei das Gebäude stürmte, sprengte er sich in die Luft.

Getötet: Brahim Abdeslam

Der Franzose lebte in Belgien. Er sprengte sich vor dem Café Comptoir Voltaire in die Luft. Bruder des noch immer gesuchten Verdächtigen Salah Abdeslam.

Getötet: Bilal Hafdi

Einer der drei Angreifer auf das Pariser Fußballstadion Stade de France. 20 Jahre jung.

Unklar: Ahmad Al Mohammad

Bei einem weiteren Selbstmordattentäter beim Stade de France wurde ein Pass auf den Namen Ahmad Al Mohammad, 25 Jahre alt, aus dem syrischen Idlib gefunden. Die Fingerabdrücke des Mannes passen zusammen mit denen eines Flüchtlings, der unter dem Namen im Pass im Oktober 2015 in Griechenland registriert worden war. Über den dritten Selbstmordattentäter am Stade de France ist bisher nichts bekannt.

Gesucht: Salah Abdeslam

Der in Brüssel geborene Franzose wird verdächtigt, einen schwarzen VW Polo gemietet zu haben, der bei den Attacken in Paris eingesetzt wurde. Der Anwalt Xavier Carette sagte dem belgischen Sender RTBF, er sei am Sonntagmorgen von Paris nach Brüssel zurückgekehrt, nachdem er von der französischen Polizei auf dem Weg drei Mal gestoppt worden sei. Abdeslam wird auch Wochen nach dem Anschlag in Mitteleuropa vermutet.

Der Vizechef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek, beklagte, die deutsche Polizei sei schon vor dem Terror von Paris an ihrer Belastungsgrenze angekommen. Er forderte eine bessere Ausstattung der Beamten mit robusteren Schutzwesten und Langwaffen.

Paris zeige, dass sich die Polizei „auf einen völlig neuen Gegner einstellen“ müsse, sagte Radek dem Fernsehsender n-tv. Nötig seien außerdem Zentren, „in denen wir solche Amoklagen trainieren können. Die normalen Schießstände reichen dafür nicht aus.“

Auch der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, beklagte am Montagabend im ZDF mit Blick auf Paris: „Auf eine direkte Konfrontation mit so schwer bewaffneten und auch kriegserfahrenen Attentätern sind wir denkbar schlecht vorbereitet.“ Die Bereitschaftspolizei des Bundes brauche deshalb eine „robuste Bewaffnung und Ausstattung und auch ein robustes Training“.

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