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15.09.2013

22:19 Uhr

Nach der Bayernwahl

Angst vor der FDP, Angst um die FDP

Drei Prozent bei den Wahlen in Bayern: Eine deutliche Klatsche für die FDP. Die Liberalen machen nun für die Bundestagswahl mobil, zielen auf die Zweitstimme. Und sorgen damit bei Koalitionspartner CDU für Sorgenfalten.

Nur mit der FDP? Die Liberalen buhlen jetzt um Zweitstimmen – doch die will die Union nicht hergeben. dpa

Nur mit der FDP? Die Liberalen buhlen jetzt um Zweitstimmen – doch die will die Union nicht hergeben.

MünchenEs dauerte am Sonntagabend keine Stunde nach Schließung der Wahllokale, da versuchte FDP-Chef Philipp Rösler Frust und Enttäuschung in Kampfesstimmung umzuwandeln: „Jetzt erst recht“, rief Rösler den FDP-Anhängern in der Parteizentrale in Berlin als Antwort auf die donnernde Niederlage bei der bayerischen Landtagswahl zu. „Dieses Ergebnis ist ein Weckruf für alle Liberale“, fügte er mit Blick auf die Bundestagswahl kommenden Sonntag hinzu.

Die Strategie der FDP – und auch der Union – ist damit klar: Das Ergebnis für die Liberalen in Bayern sei keinesfalls Omen für die Wahl im Bund, betonten Spitzenpolitiker beider Parteien. „In Bayern ticken die Uhren anders“, sagte FDP-Parteichef Philipp Rösler. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe pflichtete ihm mit Hinweis auf die traditionelle Schwäche der Liberalen in Bayern bei. Aber paradoxerweise hoffen die Liberalen, von genau diesem schwachen Ergebnis im Freistaat im Bund zu profitieren. Und die Union fürchtet genau dies.

Stimmen zur Wahl in Bayern

Horst Seehofer, CSU-Chef:

„Nach der Wahl ist vor der Wahl. Ich habe mit der Kanzlerin heute telefoniert und ihr zugesagt, dass wir jetzt ab morgen früh alles tun werden von Bayern aus, dass Angela Merkel Kanzlerin bleibt.“

Hermann Gröhe, CDU-Generalsekretär:

„Rot-Grün ist ohne jede Chancen auf eine Mehrheit in Deutschland.“

„Die Zweitstimme, das ist die entscheidende Stimme im Hinblick auf die Mehrheitsverhältnisse im Land. Die ist gleichsam Merkel-Stimme. Und deswegen werben wir für beide Stimmen für die Union.“

Peer Steinbrück, SPD-Kanzlerkandidat:

„Es ist die 13. Landtagswahl hintereinander, wo die schwarz-gelbe Liebesheirat aufgekündigt worden ist.“

Zur FDP: „Wer jahrelang in Deutschland alle Wahlversprechen bricht (...), der hat es auch nicht verdient, in Landtagen und im Deutschen Bundestag zu sein.“

Sigmar Gabriel, SPD-Chef:

„Der Einzug der FDP in den Bundestag ist seit heute Abend nicht sicher.“

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Bundesjustizministerin (FDP):

„In jeden Fall gibt es eine Zweitstimmenkampagne. Es war aber schon immer angelegt und immer geplant. Dazu ist ja auch das Wahlrecht im Bund da.“

Philipp Rösler, FDP-Chef:

„In Bayern ticken die Uhren anders.“

„Jetzt geht's ums Ganze.“

Claudia Roth, Grünen Chefin:

„Wir sind enttäuscht, wir haben uns wirklich mehr erhofft.“

„Schwarz-Gelb hat heute die Wahl nicht gewonnen – und das wollen wir nächste Woche auch erreichen.“

Lasse Becker, Chef der Jungliberalen:

„Das ist ein Scheißergebnis.“

Dabei saß der Schock bei der FDP am Sonntagabend schon tief. Dass die Fünf-Prozent-Hürde in Bayern so klar unterschritten wurde, sorgte für betretene Gesichter bei den Liberalen in Berlin und München. Die Strategie lief ins Leere, vor allem diejenigen Bürger zur Stimme für die Liberalen zu bewegen, die keine Rückkehr zur CSU-Alleinregierung wollten.

Intern rechnen die Liberalen allerdings damit, dass sie nun von einer Art Mitleidseffekt profitieren werden. „Zweitstimmenkampagne“ heißt deshalb die Losung für die letzte Wahlkampfwoche. Eine solche „Stützstimmenkampagne“ von Unions-Wählern hält auch der Mainzer Parteienforscher Jürgen Falter durchaus für erfolgversprechend. Vielen Wählern werde jetzt deutlich, dass die Union im Bund auch ohne die FDP wohl weiter regieren könne – „aber eben in einer anderen Konstellation mit einer anderen Politik“.

Den Vorreiter machte Außenminister Guido Westerwelle, der in seinem Bonner Wahlkreis eine Absprache zwischen den Kreisvorsitzenden von CDU und Liberalen traf. Demnach will sich die CDU in Bonn entgegen der offiziellen Parteilinie auf das Werben um die Erststimme konzentrieren und die Bonner FDP auf die Zweitstimme setzen. Die FDP-Zentrale hat bereits 80 ihrer Kandidaten in besonders umkämpften Wahlkreisen geraten, vor Ort mit dem Mitbewerber von CDU oder CSU ein Stimmensplitting zu vereinbaren. Bereits vor einer Woche hatte die FDP zudem ein Plakat mit der Aufschrift „Zweitstimme FDP“ vorgestellt.

Kommentare (51)

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Account gelöscht!

15.09.2013, 22:35 Uhr

Da wird alles nicht mehr helfen, die gehen unter.
Das kommt davon, wenn man den Vorstandsassistenten unmittelbar zum Vorstandsvorsitzenden befördert.
Rösler, go home.

emilioemilio

15.09.2013, 22:36 Uhr

FDP Raus!
Das einzige was zählt!!!
Jetzt wird wieder rumgeeiert...huete war laut Rösler plötzlich Deutaschland dran. Vorher die Ärzte, Apotheker und Notare etc. die Geldesel sowieso.
Peinlicher geht nicht mehr!
Raus, AUS!!!

Account gelöscht!

15.09.2013, 22:40 Uhr

Dieser Partei fehlen aufrichtige Maenner (und Frauen)...

jos

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