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20.09.2011

12:21 Uhr

Nach der Berlin-Wahl

Wer ist der Trumpf im SPD-Kandidatenquartett?

Bisher wurden in der SPD drei Namen als Kanzlerkandidaten gehandelt: Steinbrück, Steinmeier und Gabriel. Seit Wowereits Wahlsieg in Berlin ist aus dem Kandidaten-Trio allerdings ein Quartett geworden.

Vor der Berlin-Wahl war nur dieses Trio im Gespräch für den Posten des Kanzlerkandidaten: Peer Steinbrück (v.l.), Sigmar Gabriel und Frank-Walter Steinmeier. dapd

Vor der Berlin-Wahl war nur dieses Trio im Gespräch für den Posten des Kanzlerkandidaten: Peer Steinbrück (v.l.), Sigmar Gabriel und Frank-Walter Steinmeier.

BerlinIn den letzten Wochen des Berliner Wahlkampfs hatte Klaus Wowereit zu fast allem etwas gesagt, was die Hauptstadt zwischen Kudamm und Kreuzberg bewegt. Nur über die „K-Frage“, also das SPD-interne Rennen um die Kanzlerkandidatur, verlor der Regierende Bürgermeister Berlins kein einziges Wort. Auch gestern nach seinem dritten Sieg in Folge wich Wowereit dieser Frage aus. Immerhin erhob er den Anspruch, dabei künftig mitreden zu können. „Diese Frage werden wir zu gegebener Zeit entscheiden.“

Dabei hatte der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, dem Berliner Wahlsieger eine schöne Steilvorlage geliefert: Der künftige Kanzlerkandidat der SPD sollte, so die etwas bösartige Empfehlung des Gewerkschaftsbosses, doch selbst schon einmal Wahlen gewonnen haben.

Für das bisherige Spitzen-Trio der SPD trifft das jedenfalls nicht zu: Sigmar Gabriel verlor 2003 in Niedersachsen, Peer Steinbrück 2005 in Nordrhein-Westfalen, und Frank-Walter Steinmeier fuhr in der letzten Bundestagswahl 2009 mit nur 23 Prozent eine historische Niederlage für die SPD ein. In dieser Riege der Verlierer wirkt Klaus Wowereit spätestens seit gestern wie ein strahlender Sieger, auch wenn seine SPD geringfügig an Stimmen verlor. Die Linken in der SPD bevorzugen ihn ohnehin als künftigen Herausforderer von Angela Merkel.

Mit dem erneuten Wahlsieg Wowereits in Berlin ist aus dem bisherigen SPD-Trio nun ein rotes Quartett geworden. „Klaus Wowereit hat jetzt besondere Aufmerksamkeit verdient“, freute sich Generalsekretärin Andrea Nahles nach Bekanntgabe des Ergebnisses. Die frühere Juso-Vorsitzende gilt als Unterstützerin von „Wowi“, wie ihn seine Fans nennen.

Die Frage ist jedoch, ob die SPD bei der Auswahl des Kanzlerkandidaten nach der persönlichen Vorliebe der Funktionärsriege urteilt. Dann hätten Wowereit und Parteichef Gabriel Chancen. Oder aber die SPD erinnert sich daran, dass sie immer dann gewinnen konnte, wenn sie wie mit Helmut Schmidt oder Gerd Schröder Kandidaten anbot, die intern zwar mit Skepsis betrachtet wurden, dafür aber bis weit hinein ins bürgerliche Lager Wähler ansprechen konnten. In diesem Fall liefe es auf die „Stones“ Steinmeier und Steinbrück zu.

Ex-Außenminister Steinmeier hat sich in seiner Zeit als Oppositionsführer gegen Merkel viel Respekt erarbeitet und damit die heftige Niederlage von 2009 wieder etwas wettmachen können. Dennoch vergessen gerade viele Parteilinke nicht, dass die verhasste Agenda 2010 vor allem von Steinmeier stammte.

Auch Steinbrück schlägt in den eigenen Reihen spürbare Kühle entgegen. Die SPD als Partei der „Heulsusen“ zu beschimpfen – das konnte auch nur einem verbalen Raubein wie Steinbrück herausrutschen. Das Zitat verrät nicht nur seine Freude am Spott, sondern auch die innere Distanz zur Partei. Wiegt man die Chancen der vier potenziellen Kandidaten gegeneinander ab, läuft es nach Einschätzung vieler Genossen auf einen Zweikampf der beiden „Stones“ hinaus. Dabei dürfte, wenn die Euro-Krise das beherrschende politische Thema bleibt, Steinbrück mit seinem Ruf als Krisenmanager das Rennen machen. Im Oktober stellt er sein neues Buch „Zug um Zug“ vor, in dem er beim Schachspiel mit Helmut Schmidt Weisheiten austauscht. Man kann jetzt schon ahnen, dass Steinbrück von der Nähe des vom immer noch populären Altkanzlers profitiert.

Dass die SPD zusammen mit den Grünen reale Chancen besitzt, Merkel abzulösen, zeigt sich nicht nur an der klaren Aufwärtstendenz in den Umfragen. Auch die Krise der Koalition und die Möglichkeit, dass Merkel bei der Abstimmung über den Euro-Rettungsschirm Ende September ohne eigene Mehrheit bleibt, deuten darauf hin, dass ein Regierungswechsel schon vor 2013 eintreten kann.

Ein paar Wochen würde die SPD dann wohl eine Minderheitsregierung von Merkel ohne die FDP tolerieren – auch weil sich die Genossen selbst noch sortieren müssen. Für eine Große Koalition aber steht die SPD „auf gar keinen Fall zur Verfügung“, betont Steinmeier gegenüber dem Handelsblatt. „Es würde ja an Selbstaufgabe grenzen, der CDU nach dem Scheitern ihrer Wunschkoalition mit der FDP auch noch dabei zu helfen, sich bis zu Neuwahlen wieder zu stabilisieren.“

Kommentare (12)

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Haustechniker

20.09.2011, 12:59 Uhr

Fragt ihr nach dem Vizekanzler unter einem grünen Kanzler? Der Cem könnte sich aufstellen lassen und da die Grünen wahrscheinlich mehr Stimmen holen werden als die SPD, stellt sich die Frage nach einem SPD- Kanzler doch sowieso nicht. Wir werden Baden-W. wohl auch im Bund bekommen.

sirrobin

20.09.2011, 13:12 Uhr

Ähm ja.. da glaubst du aber net wirklich dran, oder? Die Grünen reiten immernoch auf der Fukushima-Welle, bis zur Bundestagswahl wird diese allerdings verebbt sein und mit etwas Glück werden wir dann Steinmeier als Kanzler haben.

Unter den Blinden ist eben der Einäugige König.

Account gelöscht!

20.09.2011, 13:19 Uhr

SPD bedeutet EUROBONDS, egal ob Steinmeier, Gabriel oder wer auch immer.

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