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13.09.2012

18:29 Uhr

Nach der Finanzkrise

Verbraucherschützer fordern Kurswechsel der Banken

Die Geldhäuser stecken nach der Finanzkrise in einer tiefen Vertrauenskrise. Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert einen Strategiewechsel weg vom schnellen Profit - und findet Zustimmung in der Bankenbranche.

Ein Geldautomat gibt Banknoten aus. dpa

Ein Geldautomat gibt Banknoten aus.

BerlinVerbraucherschützer fordern eine grundlegende Neuausrichtung der Banken. „Die Institutionen müssen sehr viel tun, um das Vertrauen zurückzugewinnen, das durch die Finanzkrise und ihr Gebaren verloren gegangen ist“, sagte der Vorsitzende des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, Gerd Billen, am Donnerstag bei der Vorstellung des Buches „Wie sich die Finanzbranche neu erfindet“ in Berlin.

Auch die Online-Bank ING-Diba sieht eine Neuausrichtung der Geschäftsmodelle für unabdingbar. Dabei müsse „der Gewinn der langfristigen Loyalität der Kunden im Vordergrund stehen und nicht der schnelle Profit“, sagte der Vorstandsvorsitzende von ING-Diba, Roland Boekhout.

Die Bank der Zukunft ist Billen zufolge kundenorientiert und stärker auf Anlageziele und -grenzen der Verbraucher ausgerichtet. Außerdem biete sie einfache Basisprodukte. „Die Verbraucher wünschen sich verständliche Produkte“, sagte Billen. Eine Bank dürfe nicht an der Not der Verbraucher Geld verdienen. Vielmehr müsse sie Verbrauchern in finanzieller Notlage mehr Flexibilität ermöglichen, um einer Schuldenfalle zu entkommen.

Billen sprach sich zudem gegen Provisionen für Bankberater aus: „Ich würde Provisionen verbieten. Sie sind der entscheidende Fehlansatz.“ Bei den Banken habe sich eine Gewohnheit entwickelt, die den Kunden nicht als Beratungskunden sehe, sondern als Verkaufspartner. Eine unabhängige Kundenberatung sei aber nur auf Honorarbasis möglich.

„Durch Provisionen entstehen Fehlanreize, weil es nicht mehr darum geht, ob das Produkt zum Kunden passt oder nicht“, sagte Billen. Die Aufgabe der Bank solle darin bestehen, dem Kunden ein Produkt zu empfehlen, das er auch brauche. „Das muss die Deutsche Bank, wie alle anderen, begreifen“, sagte Billen.

Auch Boekhout sieht die Neigung, dem Kunden ein Produkt zu empfehlen, das dem Berater die höchste Provision bezahlt. „Das Beste für den Kunden ist es aber oft nicht“, sagte Boekhout. Mitarbeiter der ING-Diba arbeiteten daher auf Honorarbasis.

Von

dapd

Kommentare (2)

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melitaz

13.09.2012, 19:17 Uhr

Was sollen Banken denn noch alles schultern? Zuerst sollen sie Aufklärungsarbeit leisten, dann "einfache" Produkte anbieten, wobei man trefflich darüber streiten kann, was "einfache" Produkte sind, denn auch Herr Billen drückt sich vor einer Definition. Dann sollen die Banken an "der Notlage" von Kunden kein Geld verdienen, womöglich noch die Tätigkeit von Schuldnerberatungen übernehmen, und zu guter Letzt die Dispozinsen senken. Die Beratung auf Honorarbasis wird in Deutschland nicht funktionieren, weil die Bankenkunden möglichst alles zum Nulltarif erwarten. Man besten man verbietet den Banken generell Geld zu verdienen. Steuern zahlen die Banken dann aus der Substanz und das Eigenkapital fällt wie Manna vom Himmel! Gerade hat die Deutsche Bank eine Umfrage als beste Bank für die
Beratung in Altervorsorge gewonnen, aber hier steht sie an vorderster Front, wenn es darum geht, wie man es nicht machen soll. Meine Erfahrungen mit der Deutschen Bank sind nur die besten, sonst wäre ich nicht seit 40 Jahren Kundin.

uslibab

13.09.2012, 21:08 Uhr

Was nützt ein Kurswechsel wenn bald die ganze Einlagensicherung nur noch Makulatur ist!!!

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