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12.08.2014

13:04 Uhr

Nach der Wahl in der Türkei

„Erdogan ist der perfekte Präsident“

VonMartin Pirkl

Idealbesetzung oder das Schlimmste, was der Türkei passieren konnte? Recep Tayyip Erdogan ist der neue türkische Präsident. Doch was halten die Türken in Deutschland von dem Wahlergebnis?

Mit Kopftuch oder ohne? Türkinnen in Deutschland nach der Wahl.

Mit Kopftuch oder ohne? Türkinnen in Deutschland nach der Wahl.

KölnMehr Freiheiten für Kurden und Frauen: Darum hat Esmer Simsek Erdogan zum Präsidenten gewählt. „Frauen dürfen nun auch in Behörden Kopftücher tragen und Kurden können nun auch kurdisch in der Öffentlichkeit sprechen“, sagt die 21-Jährige. Unter ihm werde sich die Türkei weiter in Richtung Wohlstand entwickeln, da ist sie sich sicher. Die Vorwürfe, Erdogan regiere zunehmend autokratischer und unterdrücke die Opposition beeindrucken Simsek nicht. „Kritik gibt es immer, egal wie gut ein Politiker ist.“ Simsek arbeitet in einem Brautmodengeschäft in der Keupstraße im Kölner Stadtteil Mühlheim.

Die Keupstraße ist in Deutschland bekannt für sein türkisches Geschäftszentrum. Ein türkisches Geschäft reiht sich neben dem anderen. In den Schaufenstern liegen Teeservice, Kaffeemühlen und Wasserpfeifen zum Verkauf bereit. Auch in den späten Nachmittagsstunden sind die Restaurants und Imbisse noch gut gefüllt. In den Bäckereien stapelt sich türkisches Gebäck wie Baklava und Tulumba, ein mit Zuckerguss überzogenes Spritzgebäck.

Esmer Simsek: „Frauen dürfen nun auch in Behörden Kopftücher tragen.“

Esmer Simsek: „Frauen dürfen nun auch in Behörden Kopftücher tragen.“

Zum ersten Mal wurde der türkische Präsident direkt vom Volk gewählt. Auch die 1,4 Millionen in Deutschland lebenden Türken durften abstimmen. Aus der Wahl ging Recep Tayyip Erdogan als Sieger hervor mit der absoluten Mehrheit im ersten Wahlgang. Die Meinungen über den neuen Präsidenten sind gespalten.

Cam Özgur hält Erdogan für einen Wahlbetrüger. Dies ist nur einer der Vorwürfe, die der Kurde dem designierten Präsidenten macht. „Er baut einen Polizeistaat auf und verletzt so massiv die Menschenrechte“, sagt Özgur. Außerdem islamisiere sich die Türkei unter Erdogan. Deshalb macht der 42-Jährige, der in Bayern geboren wurde und bis zum zwanzigsten Geburtstag in der Türkei lebte, keinen Urlaub mehr in dem Land in dem er aufgewachsen ist. „Ich will den doch nicht noch mit meinem Geld unterstützen“, erzählt er. Gewählt hat er niemanden.

Kommentare (3)

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Herr Hikmet Özdemir

12.08.2014, 15:44 Uhr

Ein Pastor als Bundespräsident, Pastortochter als Kanzlerin, warum nicht auch ein konservativer Erdogan, der die demokratischsten Reformen seit mehrals 50 Jahren umgesetzt hat, als Präsident?

Herr Günther Schemutat

12.08.2014, 18:29 Uhr

Ist es jemand schon mal aufgefallen das Erdogan in keinster Weise besorgt ist, dass ein Islamischer Staat mit Mördern und Halsabschneidern neben der Türkei ensteht.? Das sagt doch alles.

Nehmen wir mal an die Türkei wäre heute in der EU. Dann würden 28 Staaten sich zerstreiten wie man gegen die ISIS vorgehen müsste. Die Türkei als Führungsmacht der ISIS würde sich totlachen als 29 EU Staat.

Darum kein Beitritt zur EU und raus aus der Nato!.

hülya sanane

12.08.2014, 19:01 Uhr

Ich bin auf Erdogan stolz. Er hat die Türkei in den letzten Jahren demokratischer gemacht, Frauen mit Kopftuch werden in den Behörden und Unis nicht diskriminiert und können so wie sie sind, studieren bzw. arbeiten. Kurden können in ihre Sprache sprechen. Bauchen ihre Herkunft nicht zu leugnen, haben eigenen TV-Sender, können in ihrer eigenen Sprache tanzen, singen... Er hat dann für Demokratie im Lande gekämpft und erreicht. ER hat das Land wirtschaftlich aufgebaut, was bisherige Regierungen versäumt haben, im Lande herscht Wohlstand. Warum sollten sie dann ERdogan nicht wählen. Es ist eine kleine Minderheit, die ihn nicht mögen. Und diese Bevölkerungsschicht muss ja ein Argument finden, um ihn schlecht darzustellen. Zu den Korruptionsvorwürfen hat auch die Mehrheit nicht geglaubt. Daher ist der Vorwurf " autokratische Herrschaft" etc. nicht die herschende Meinung im Lande. Nur die Länder und Leute, denen er offen die Meinung sagt, schmeckt das Ganze nicht.

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