Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.03.2012

10:00 Uhr

Nach der Wahl

Lange Wunschliste für Joachim Gauck

Die Zeit des Lobens ist vorbei. Kaum ist Joachim Gauck zum neuen Bundespräsidenten gewählt worden, werden erste Wünsche laut - und die fallen nicht zu knapp aus. Aber die ersten Stimmen warnen vor zu hohen Erwartungen.

Video

Gaucks Rede in voller Länge

Video: Gaucks Rede in voller Länge

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Leipzig/PassauDer Präsident als Projektionsfläche: Nach der Wahl Joachim Gaucks zum Bundespräsidenten formulieren SPD und CSU ihre Erwartungen an das neue Staatsoberhaupt. SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte am Montag, Gaucks Amtszeit sei eine Chance, das „fürchterlich ramponierte Amt des Bundespräsidenten“ wieder zu der Reputation zu führen, die es früher hatte. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagte, er halte die Unabhängigkeit Gaucks von Parteien für einen Vorteil. Der Bonner Politikwissenschaftler Gerd Langguth erklärte, Gauck könne ein echter Bürgerpräsident werden - und DGB-Chef Michael Sommer wünscht sich einen Bundespräsidenten, der sich das Thema soziale Gerechtigkeit auf die Fahne schreibt.

Gauck nimmt am Montag seine Amtsgeschäfte auf. Die Bundesversammlung hatte den 72-jährigen Theologen am Vortag mit gut 80 Prozent der Stimmen zum Nachfolger des im Februar zurückgetretenen Christian Wulff gewählt.

Bundesversammlung wählt Bundespräsidenten

Video: Bundesversammlung wählt Bundespräsidenten

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Der SPD-Vorsitzende Gabriel sagte der „Leipziger Volkszeitung“: „Schon in seiner Rede unmittelbar nach seiner Wahl hat Joachim Gauck deutlich gemacht, dass zur Freiheit für das einzelne Individuum auch die Verantwortung für die Menschen in unserer Gesellschaft gehört.“ Verantwortung bedeute auch, niemanden im Land zurück zu lassen, dafür zu sorgen, dass alle Menschen die gleichen Chancen haben.

Der neu gewählte Bundespräsident Joachim Gauck sieht sich vielen Wünschen gegenüber. Reuters

Der neu gewählte Bundespräsident Joachim Gauck sieht sich vielen Wünschen gegenüber.

Seehofer sagte, nach seinen bisherigen Begegnungen mit Gauck gehe er sicher davon aus, dass der Präsident seine Unabhängigkeit auch nutzen wird. „Er wird manchen Diskurs auslösen und keine politische Seite wird ihn vereinnahmen können“, sagte der CSU-Vorsitzende. Seehofer warnte davor, von einem idealen Präsidenten als Typ zu sprechen. „Wenn etwas ideal wirkt, dann sind das meist Kunstfiguren, die gern von den Medien und der Öffentlichkeit entsprechend konstruiert werden - aber der Praxis nicht standhalten“, sagte er.

Das Leben des Joachim Gauck

Neuer Alltag

Joachim Gauck ist auf Empfängen, Eröffnungen und Benefizveranstaltungen ein gern gesehener Gast. Ein schnöder Alltag? Nein, denn der Bundespräsident interpretiert seine Rolle offensiv. Seine Äußerungen zum Islam, Deutschlands Rolle in der Welt und zur Linkspartei haben hitzige Debatten entfacht.

Neue Wohnung

Das Staatsoberhaupt Deutschlands wohnt in der Präsidentenvilla in Berlin-Dahlem. Im Schloss Bellevue gibt es keine Wohnung mehr. Dort ist nur der offizielle Amtssitz des Präsidenten. Zuvor lebte Gauck viele Jahre in einer Altbauwohnung in Berlin-Schöneberg.

Neuer Beruf für die Lebensgefährtin

Daniela Schadt arbeitet seit Gaucks Ernennung zum Bundespräsidenten nicht mehr. Die 52-Jährige war zuvor als Journalistin tätig und lebte in Nürnberg. Dort war sie Leitende Politikredakteurin bei der „Nürnberger Zeitung“. Als First Lady ist sie oft an Gaucks Seite zu sehen.

Scheidung und Heirat?

Dazu müsste sich Gauck erst einmal von seiner Frau Gerhild scheiden lassen, mit der er seit 1959 verheiratet ist und vier Kinder hat. Seit 1991 leben beide getrennt, seit dem Jahr 2000 ist Gauck mit Daniela Schadt zusammen. „Er macht sich Gedanken über eine Hochzeit, aber er hat wohl noch keine Entscheidung gefällt“, sagte sein Sohn Christian kürzlich der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. „Hierzulande dürfte seine Art des Zusammenlebens heute nun wirklich kein Problem mehr sein, aber als Präsident kommt er auch in Länder, in denen andere moralische Maßstäbe gelten.“

Wichtigster Mitarbeiter

David Gill ist Staatssekretär und Chef des Präsidialamtes. Damit ist er der wichtigste Mitarbeiter des Präsidenten. Der bisherige Oberkirchenrat im Dienst der Evangelischen Kirche ist seit seiner Zeit als erster Sprecher der Stasi-Unterlagenbehörde ein enger Vertrauter Gaucks. Gill ist SPD-Mitglied.

Neuer Bürgerpräsident

Mit dem Pastor ist ein neuer Stil im Schloss Bellevue eingezogen. Auch wenn das Korsett für das Staatsoberhaupt eng is, spiel Gauck seine Karte als „Bürgerpräsident“ aus. „Ich bin nicht mal gewaschen“, sagte der 72-Jährige, als er am Abend seiner überraschenden Nominierung mit der Kanzlerin vor die Kameras trat. Seinem Sohn Christian war das peinlich. „Aber so ist er, ungeschminkt, ungefiltert“, sagte der Hamburger Arzt der „FAS“.

Nach Meinung des DGB-Chefs Michael Sommer sollte Gauch wiederum zunächst ein “europapolitisches i-Tüpfelchen” setzen. “Er soll deutlich machen, dass die Perspektive Deutschlands nur in Europa liegen kann”, forderte Sommer im Interview mit der Nachrichtenagentur dapd. “Gerade in der jetzigen Zeit wäre ein wichtiges europapolitisches Wort durchaus am richtigen Platz.”

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

susemichel

19.03.2012, 07:46 Uhr

Ich gratuliere Herrn Gauck zur Wahl zum Bundespräsidenten.

Mein Wunsch an Ihn ist, dass er entschieden für Inklusion eintritt, dass er darauf drängt, dass die UN- Behindertenrechtskonvention, die hier geltendes Recht ist, endlich umgesetzt wird! Noch immer sind gerade erwerbsunfähige Behinderte von Armut und Altersarmut bedroht (auch die pflegenden Angehörigen), wird behinderten Kindern der Zugang zur Regelschule verwehrt, wird Eltern erwachsener behinderter Kinder das Kindergeld abgezweigt, besteht eine Ungleichbehandlung durch die neu geschaffene Regelbedarfsstufe 3 im SGB Xll ( 20% weniger Grundsicherung für erwachsene Behinderte, die von ihren Eltern betreut werden!)etc. etc.....
Nicht nur Augenmerk auf die Integration sondern auch auf die Inklusion!
Auch Behinderte sollten die FREIHEIT haben, ihr Leben selbst zu gestalten!

Lutz

19.03.2012, 08:00 Uhr

Gauck, der Heiland der vom Himmel fiel.

Der Präsident der Herzen. Freiheitskämpfer. Bürgerrechtler. Freiheits-Lehrer. Behördenleiter.

Die Mediale Gehirnwäsche hatte in den letzten Tagen seinen Höhepunkt erreicht. In jeder Talkshow waren sogar vermehrt Springerleute zu sehen.

Völlig ab vom Thema wurde sogar gestern bei der Jauch-Propagandashow sogar der neue GEZ-Gott Markus Lanz in Position gebracht.

Mediale Gehirnwäsche ohne Grenzen.

Information

19.03.2012, 08:27 Uhr

Freiheit, Friede, Eierkuchen,jeder kann sein Glück versuchen.
Ich freue mich schon auf die nächste Wahl.
Bei diesem Karussell kommt wenigstens jeder einmal dran.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×