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07.05.2012

08:31 Uhr

Nach der Wahl

SSW-Spitzenkandidatin will "Dänen-Ampel"

Sie könnte die Dänen erstmals in Deutschland an die Macht bringen: SSW-Spitzenkandidatin Spoorendonk will mit SPD und Grünen regieren. Sie ist eine ruhige Teamspielerin, aber streitbar in der Sache.

Anke Spoorendonk, die Spitzenkandidatin des Südschleswigschen Wählerverbandes (SSW). dpa

Anke Spoorendonk, die Spitzenkandidatin des Südschleswigschen Wählerverbandes (SSW).

KielIhren größten Frust erlebte Anke Spoorendonk, als das Projekt einer rot-grünen Minderheitsregierung, toleriert vom Südschleswigschen Wählerverband (SSW), 2005 scheiterte. Sieben Jahre später steht die SSW-Spitzenkandidatin vor ihrem größten Triumph: Erstmals in der Geschichte könnte die Partei der dänischen Minderheit mitregieren - mit SPD und Grünen und einer Einstimmen-Mehrheit. Der SSW ist ein Unikum in ganz Deutschland, und die 64-jährige Spoorendonk ist sein Gesicht.

Von Triumph ist bei Spoorendonk am Wahlabend aber nicht viel zu spüren. Die kurzhaarige, blonde Frau ist etwas enttäuscht: „Wir hätten uns mehr gewünscht.“ Ob die „Dänen-Ampel“ Wirklichkeit wird oder es wieder ein Desaster gibt wie 2005, als der SSW eine rot-grüne Minderheitsregierung unter Heide Simonis (SPD) tolerieren wollte, Simonis aber bei ihrer Wiederwahl an einer Stimme scheiterte - die Sorge ist da. Die ersten Hochrechnungen seien schon „déja-vu-mäßig“, sagt Spoorendonk am Abend.

Aber auch bei einem größeren Erfolg: Triumphales Auftreten würde so gar nicht zu der Großmutter von sechs Jungs passen. Nahbar, unkompliziert, ruhig und sachlich im Ton ist sie. Aber sie kämpft energisch für die Interessen der dänischen Minderheit im Norden des Landes. Wenn es sein muss, geht sie dafür auf Konfrontationskurs. Als die CDU/FDP-Koalition im Zuge ihres Sparpakets 2010 die Zuschüsse für die Schulen der Minderheit kürzte und damit aus Sicht des SSW deren Gleichberechtigung infrage stellte, machte die Fraktionschefin nicht mit. Zum ersten Mal stimmte der SSW einem Landeshaushalt nicht zu.

Nun will Spoorendonk einen Regierungswechsel. Die CDU reagierte ungewöhnlich harsch. Spitzenkandidat Jost de Jager titulierte den SSW als Steigbügelhalter eines linken Bündnisses. „Ich finde, das ist unterirdisch“, echauffierte sich Spoorendonk. Schon vor sieben Jahren, als der SSW Rot-Grün tolerieren wollte, sah sie sich Angriffen und sogar Morddrohungen ausgesetzt. Aber Spoorendonk ist zäh - sie lässt sich nicht unterkriegen. Die 64-Jährige gilt als Teamspielerin. Die kleine SSW-Fraktion im Parlament ist fleißig und kann sich auch nur als „Mannschaft“ im Meinungsstreit mit der Konkurrenz behaupten.

Der Werdegang der Studienrätin schien von Anfang an vorgezeichnet: Ihre Familie entschied sich nach 1945 dafür, der Minderheit anzugehören. Ihr Vater war für den SSW aktiv und sprach mit ihr Dänisch. 1947 in Busdorf bei Schleswig geboren, besuchte Spoorendonk einen dänischen Kindergarten und eine dänische Schule. Sie studierte in Kopenhagen Geschichte und Germanistik.

Von

dpa

Kommentare (5)

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07.05.2012, 11:42 Uhr

Hallo Redaktion HB-online, sehr geehrter Herr Stock,

wie hoch war denn nun die Wahlbeteiligung bei der Wahl in Schleswig-Holstein endgültig (also NACH 18 Uhr) ?

Das wird immer verschwiegen in allen Zeitungen Deutschlands.

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07.05.2012, 11:44 Uhr

Wo gibt es eigentlich Minderheiten-Wahlrecht für Deutsche ausserhalb Deutschlands ? Noch nichts von gehört. Und wenn ja, gilt dann für Deutsche im Ausland auch nicht die 5-Prozent-Hürde ??

Account gelöscht!

07.05.2012, 11:56 Uhr

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