Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.06.2013

07:09 Uhr

Nach Drohnen-Affäre

Rechnungshof moniert Hubschrauber-Deal de Maizières

Der Drohnen-Untersuchungsausschuss beginnt seine Arbeit, doch SPD-Chef Gabriel erwartet keinen Ministersturz mehr. De Maizière dürfe nicht abtreten. Dabei zieht der Minister in einer anderen Sache erneut Kritik auf sich.

Was wusste Verteidigungsminister Thomas de Maiziere zu welchem Zeitpunkt über das Drohnen-Desaster? Ein Untersuchungsausschuss will die Fragen beleuchten. dpa

Was wusste Verteidigungsminister Thomas de Maiziere zu welchem Zeitpunkt über das Drohnen-Desaster? Ein Untersuchungsausschuss will die Fragen beleuchten.

DüsseldorfSPD-Chef Sigmar Gabriel rechnet nicht mehr mit einem Rücktritt von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) wegen der Drohnen-Affäre. „Ich glaube nicht, dass Herr de Maizière zurücktreten darf“, sagte Gabriel vor der Einsetzung des Bundestags-Untersuchungsausschusses zu dem Thema. „Die Kanzlerin kann sich doch nicht leisten, nach zwei Bundespräsidenten, einem Umweltminister, einer Bildungsministerin nun auch noch den dritten Verteidigungsminister in nur drei Jahren gehen zu lassen“, sagte Gabriel. Gemessen an seinen eigenen Ansprüchen hätte de Maizière aber bereits zurücktreten müssen.

Der Verteidigungsausschuss konstituiert sich am heutigen Mittwoch als Untersuchungsausschuss. Bis zur Bundestagswahl soll er klären, ob und wie viele Steuergelder durch den späten Stopp des milliardenschweren Rüstungsprogramms verschwendet wurden und wer dafür die Verantwortung trägt. Die Opposition wirft Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) vor, zunächst falsche Angaben über seine Einbindung in das Projekt gemacht zu haben. Sie fordert seinen Rücktritt.

Das Drohnen-Projekt war im Mai wegen massiver Probleme bei der Zulassung für den europäischen Luftraum und einer drohenden Kostenexplosion gestoppt worden. Neben de Maizière will der Ausschuss in den letzten beiden Juli-Wochen 17 weitere Zeugen anhören, darunter die früheren Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) und Rudolf Scharping (SPD). Der Abschlussbericht soll Anfang September vom Plenum des Bundestags beraten werden.

Gabriel bekräftigte die Forderung seiner Partei, auf die Anschaffung von Kampfdrohnen zu verzichten. „Man muss sich überlegen, ob man eine neue Spirale im Rüstungswettlauf mitmachen will.“ International sollte man eher für die Ächtung von Waffen eintreten, die zu einer Automatisierung des Krieges führen könnten. De Maizière befürwortet die Anschaffung von Kampfdrohnen.

Unterdessen gibt es auch seitens des Bundesrechnungshofs Kritik an der Arbeit des Verteidigungsministers. Nach Informationen von „Spiegel Online“ kritisiert der Rechnungshof die von Thomas de Maizière ausgehandelten Kürzungen bei der Großbestellung von Hubschraubern für die Bundeswehr als unwirtschaftlich. Durch die mit der Industrie vereinbarte Reduzierung spare der Steuerzahler nur minimal, schreibt „Spiegel Online“ unter Berufung auf ein sechsseitiges Gutachten des Rechnungshofes.

Der Bund bekomme für nahezu gleiche Ausgaben nun deutlich weniger Hubschrauber. Statt der früher angepeilten 8,3 Milliarden wären es demnach nach der Reduzierung 8,1 Milliarden Euro. Letztlich steige schlicht der Stückpreis der einzelnen Helikopter. Laut Bericht soll der Haushaltsausschuss des Bundestages am Mittwoch über die Änderung der Stückzahl für die beiden Helikopter-Typen entscheiden.

Verteidigungsministerium und Rüstungsindustrie hatten Mitte März eine Absichtserklärung unterzeichnet, wonach statt der ursprünglich bestellten 122 Transporthubschrauber vom Typ NH-90 nur noch 82 geliefert werden sollen. Von ursprünglich vereinbarten 80 Tiger-Kampfhubschraubern sollen nur noch 57 abgenommen werden. Die Industrie hatte sich erleichtert gezeigt, weil sie noch tiefere Einschnitte befürchtet hatte. Das Ministerium erklärte, durch die Umsetzung der Absichtserklärung würden im Verteidigungshaushalt erhebliche Mittel frei.

Von

dpa

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

26.06.2013, 08:13 Uhr

Nachdem die amerikanisch dirigierte deutsche Hetzpresse unter Federführung der ebenfalls amerikanisch dirigierten (nur scheinbar "anti-imperialistischen") sogenannten Grünen seit Wochen so permanent gegen de Maiziere "schießt", fragt man sich schon, wer dessen "Abschuß" befohlen hat und warum (und damit meine ich nicht die sogenannte Opposition, die wir ja essentiell keine mehr im Parlament haben).

Möglicherweise hat sich der Verteidigungsminister bei unseren amerikanischen Kolonialherren unbeliebt gemacht, weil er ebenso möglicherweise nicht so richtig mit Elan dabei ist im "War OF Terror" der Amerikaner, z.B. in Syrien. Für mich jedenfalls wäre dies definitiv ein Grund den Verteidigungsminister zu stützen, nicht zu stürzen! Jedenfalls ist er ein anderes Kaliber als der US-Speichellecker zu Guttenberg seinerzeit!

Wir haben jedenfalls weder in Afghanistan noch in Syrien (Patriots in der Türkei) etwas verloren. Kein Angriffskrieg von deutschem Boden aus und keine Unterstützung von Terroristen - auch nicht wenn sie von der US ausgebildet wurden!

Mazi

26.06.2013, 09:24 Uhr

Gibt es überhaupt noch Menschen mit einem Wertegefühl, die in der Politik vertreten sind?

Schade!

Account gelöscht!

26.06.2013, 09:36 Uhr

Man sollte mal zu Ende rechnen. Die meisten Kosten fallen vermutlich durch den Unterhalt und die Aufbewahrung der Hubschrauber an und wenn zu viele bestellt worden sind, dann war das Abbestellen der überzähligen Hubschrauber nur konsequent und zum Vorteil der Steuerzahler. (Für Gutmenschen: ... und für den Weltfrieden).

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×