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16.05.2012

15:26 Uhr

Nach Düsseldorfer Fan-Randale

Polizei will Deutsche Fußball Liga zur Kasse bitten

ExklusivDie Relegations-Rückpartie zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC könnte wegen der Fan-Tumulte ein teures Nachspiel haben. Die Polizeigewerkschaft fordert eine Sicherheitsgebühr.

BerlinDie Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) hält nach den Fan-Tumulten am Ende des Relegations-Rückspiels bei Fortuna Düsseldorf drastische Konsequenzen für nötig. Die „massiven Ausschreitungen“ seien ein weiterer Beleg dafür, dass es richtig sei, die Deutsche Fußball Liga (DFL) und den Deutschen Fußballbund (DFB) „an den Einsatzkosten der Polizei durch eine Sicherheitsgebühr in Höhe von 50 Millionen Euro pro Saison“ zu beteiligen, sagte der Erste stellvertretenden DPolG-Bundesvorsitzende Hermann Benker Handelsblatt Online. „Damit könnten unter anderem die anwachsenden Überstunden der Polizeieinsätze bezahlt werden.“

Benker sieht zudem den DFB nun in der Pflicht, ein „deutliches Signal gegen Gewalt in Fußballstadien“ zu setzen. So müssten zu erwartende Geldstrafen „zweckgebunden für die Verbesserung der Sicherheitsvorkehrungen in Stadien verwendet werden“, sagte der Gewerkschafter. „Aber auch die Sicherheitskonzepte in den Stadien müssen überprüft und aktualisiert werden, da sie offensichtlich nicht ausreichend waren.“

Das Relegationsspiel wurde vor allem von Chaos in der Schlussphase überschattet, als Fans auf das Spielfeld stürmten und für eine rund 20-minütige Unterbrechung sorgten.

Auf- und Absteiger der Saison

1. FC Köln
  • Lizenzspieler-Etat 2011/12: 33 Millionen Euro
  • Lizenzspieler-Etat 2012/13: 20 Millionen Euro
  • Platz in der abgelaufenen Saison: 17 (1. Liga)
  • Zuschauerschnitt Hinrunde 2011/12: 46.244
  • Bundesweites Interesse am Verein: 30 Prozent
Hertha BSC
  • Lizenzspieler-Etat 2011/12: 24,5 Millionen Euro
  • Lizenzspieler-Etat 2012/13: nicht bekannt
  • Platz in der abgelaufenen Saison: 16 (1. Liga), Abstieg (Relegation), noch nicht offiziell
  • Zuschauerschnitt Hinrunde 2011/12: 53.221
  • Bundesweites Interesse am Verein: 25 Prozent
1. FC Kaiserslautern
  • Lizenzspieler-Etat 2011/12: 16,5 Millionen Euro
  • Lizenzspieler-Etat 2012/13: 10 Millionen Euro
  • Platz in der abgelaufenen Saison: 18 (1. Liga)
  • Zuschauerschnitt Hinrunde 2011/12: 42.272
  • Bundesweites Interesse am Verein: 24 Prozent
SpVgg Greuther Fürth
  • Lizenzspieler-Etat 2011/12: 7,1 Millionen Euro
  • Lizenzspieler-Etat 2012/13: 12 Millionen Euro
  • Platz in der abgelaufenen Saison: 1 (2. Liga)
  • Zuschauerschnitt Hinrunde 2011/12: 9948
  • Bundesweites Interesse am Verein: 14 Prozent
Eintracht Frankfurt
  • Lizenzspieler-Etat 2011/12: 20 Millionen Euro
  • Lizenzspieler-Etat 2012/13: 24,5 Millionen Euro
  • Platz in der abgelaufenen Saison: 2 (2. Liga)
  • Zuschauerschnitt Hinrunde 2011/12: 35.256
  • Bundesweites Interesse am Verein: 25 Prozent
Fortuna Düsseldorf
  • Lizenzspieler-Etat 2011/12: 6,9 Millionen Euro
  • Lizenzspieler-Etat 2012/13: unbekannt
  • Platz in der abgelaufenen Saison: 3 (2. Liga), Aufstieg (Relegation), noch nicht offiziell
  • Zuschauerschnitt Hinrunde 2011/12: 27.720
  • Bundesweites Interesse am Verein: 17 Prozent

Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) erwartet vom DFB ein wirksames Signal gegen die zunehmende Eskalation von Fan-Ausschreitungen. Der GdP-Bundesvorsitzende Bernhard Witthaut sagte am Mittwoch in Berlin, offensichtlich brächten Appelle an Vernunft und Verstand nichts. Er betonte: "Tausende unkontrolliert agierende Fußball-Anhänger haben sich und andere in höchste Gefahr gebracht."

Der DFB sei jetzt vor dem angekündigten Anti-Gewalt-Gipfel von Fußball und Justiz in der Pflicht, zu prüfen, "ob über Punktestrafen die Fans diszipliniert werden können". Nach Auffassung der GdP erzielten die bisherigen Maßnahmen wie Stadionverbote und Geldstrafen für Vereine nur eine geringe Abschreckung. Witthaut sagte: "Erst wenn die Fans begreifen, dass ihre unbeherrschten Gewaltausbrüche zu Punktabzügen bei ihrem Lieblingsverein und somit im schlimmsten Fall zum Abstieg führen können, dürfte die Gewalt eher eingrenzbar sein."

Die bisherigen Relegationsspiele seit 1982

Historie

Erstmals eingeführt wurden die Relegationsspiele zwischen dem Tabellen-16. oder Drittletzten der 1. Fußball-Bundesliga und dem Drittplatzierten der 2. Fußball-Bundesliga 1982. Die Auswärtstorregel galt damals nicht, bei Gleichstand nach zwei Partien kam es zu einem Entscheidungsspiel.

Nach der zehnten Auflage war ab 1992 erst mal wieder Schluss mit dieser Regelung, es gab wieder ausschließlich direkte Ab- und Aufsteiger. Ab der Saison 2008/2009 wurde die Relegation schließlich wieder eingeführt - mit Auswärtstorregel bei Gleichstand nach zwei Spielen und Entscheidung in Verlängerung und Elfmeterschießen im zweiten Spiel.

Im folgenden die Ergebnisse aller Relegationsspiele, der erstgenannte Verein war jeweils der Bundesligist, der Zweitgenannte der Zweitligist. Die Sieger sind jeweils gefettet.

1982

Bayer 04 Leverkusen - Kickers Offenbach 1:0/2:1 (Hinspiel/Rückspiel)

1983

FC Schalke 04 - Bayer Uerdingen 1:3/1:1

1984

Eintracht Frankfurt - MSV Duisburg 5:0/1:1

1985

Arminia Bielefeld - 1. FC Saarbrücken 0:2/1:1

1986

Borussia Dortmund - Fortuna Köln 0:2/3:1/8:0 (Hin-/Rück-/Entscheidungsspiel)

1987

FC Homburg - FC St. Pauli 3:1/1:2

1988

SV Waldhof Mannheim - Darmstadt 98 2:3/2:1/0:0 - 5:4 i.E.

1989

Eintracht Frankfurt - 1. FC Saarbrücken 2:0/1:2

1990

VfL Bochum - 1. FC Saarbrücken 1:0/1:1

1991

FC St. Pauli - Stuttgarter Kickers 1:1/1:1/1:3

2009

Energie Cottbus - 1. FC Nürnberg 0:3/0:2

2010

1. FC Nürnberg - FC Augsburg 1:0/2:0

2011

Borussia Mönchengladbach - VfL Bochum 1:0/1:1

Kommentare (15)

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dw-seneca

16.05.2012, 11:19 Uhr

Wieso schröpfen? Mich interessiert Fußball in etwa so wie ein Sack Reis in China. Trotzdem soll ich diese Einsätze der Polizei bezahlen. Angesichts der Millionenbeträge, die im Fußballsport fließen, eigentlich ein Unding. Wenn also derartige private Veranstaltungen einen Beitrag zu den Kosten der Polizeieinsätze leisten müssen, wäre das mehr als gerecht.

speculatorius

16.05.2012, 11:26 Uhr

Als neutraler Beobachter in Bezug auf die zwei gestern agierenden Vereine kann ich nur zustimmen, dass hier sportgerichtlich endlich einmal entschieden gehandelt werden muss, damit auch der letzte "Fan" begreift, dass es so einfach nicht geht und der eigene Verein nur geschädigt wird. Ich habe grössten Respekt vor dem Einsatz der Spieler, sowohl vor der Leistung der Düsseldorfer, die den Aufstieg sportlich bewerkstelligt haben und auch unter hohem Risiko und Einsatz versucht haben die eigenen Fans wieder zur Vernunft zu bringen. Aber auch vor den Berliner Spielern, die sich in diesem Spiel in Unterzahl zurückgekämpft haben und nach der langen Unterbrechung tatsächlich nochmals das Spielfeld betreten haben, trotz der massiven Gefahr hier von Fans der Düsseldorfer geradezu über den Haufen gerannt zu werden! Dass die Polizei hier seitens der DFL an den immer weiter steigenden Kosten beteiligt werden sollte, stimme ich zu. So unschön es ist, dass überhaupt einige Spiele teils nur noch unter massiven Polizeiaufgebot ausgetragen werden können, aber hier wäre es in jedem Fall angemessen, ein Teil der gigantischen Einnahmen den Einsatzkräften zukommen zu lassen. Natürlich kann es langfristig nicht Sinn der Sache sein, die Sicherheitskräfte immer weiter erhöhen zu müssen - vielmehr sollte dies so lang der Fall sein, bis ein entsprechendes Reglement derartige Auschreitungen von vornherein unterbindet. Außerdem muss sich die Gesellschaft die Frage gefallen lassen, was die eigentliche Ursache für die immer weiter ansteigende Gewaltbereitschaft (nicht nur bei "Fussballfans") ist?! Ich kann jedenfalls ein Einspruch der Berliner sehr gut nachvollziehen und denke ein Wiederholungspiel unter Ausschluss von Fans wäre eine Strafe, die natürlich für die Düsseldorfer Mannschaft sehr hart, aber als Lehrstunde im Hinblick auf Fanverhalten allgemein, sinnvoll erscheint. Eine grundsätzliches Reglement (Punktabzüge etc.) sollte zeitgleich durch die Ligaverantwortlichen erarbeitet werden.

Account gelöscht!

16.05.2012, 12:49 Uhr

Jeder Atomdemonstrant der weggetragen wird muss den Aufwand bezahlen. Für den Profit der Vereine und Spieler muss der Steuerzahler herhalten. Gewinne privatisieren, Kosten sozialisieren. Diese Art den Steuerzahler abzukassieren kommt mir bekannt vor. Eine Demo mit weniger Gewaltpotential wird verboten. Es widert mich an!

PS Mein Vorschlag: Wiederholung der letzten 2 Minuten des Spiels unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

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