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28.07.2013

19:05 Uhr

Nach Fall Hoeneß

Selbstanzeigen könnten für üppige Mehreinnahmen sorgen

Der Fall Uli Hoeneß könnte dem deutschen Fiskus erhebliche Mehreinnahmen einbringen. Seit der Selbstanzeige des Präsidenten des FC Bayern München zählte die Deutsche Steuergewerkschaft weit mehr Nachahmer als erwartet.

Reuige Steuersünder: Die Deutsche Steuergewerkschaft rechnet mit Mehreinnahmen im dreistelligen Millionenbereich. dpa

Reuige Steuersünder: Die Deutsche Steuergewerkschaft rechnet mit Mehreinnahmen im dreistelligen Millionenbereich.

BerlinDie Deutsche Steuergewerkschaft rechnet wegen der stark gestiegenen Zahl von Selbstanzeigen nach dem Fall Hoeneß mit Mehreinnahmen von bis zu 600 Millionen Euro für den Staat. In diesem Jahr seien rund 15.000 Anzeigen und damit rund die Hälfte mehr als 2012 zu erwarten, sagte der Chef der Steuergewerkschaft, Thomas Eigenthaler, der „Bild“-Zeitung (Montagausgabe) laut Vorabbericht. Der Fiskus könne daher mit 500 bis 600 Millionen Euro mehr kalkulieren.

Als Grund für den Zuwachs der Selbstanzeigen nannte er den Fall des Präsidenten des FC Bayern München, Uli Hoeneß, dessen Selbstanzeige im April öffentlich wurde. Zudem wirke sich auch das gescheiterte Steuerabkommen mit der Schweiz aus, sagte Eigenthaler.

Wäre das Abkomme nicht im Bundesrat gescheitert, hätten viele Deutsche mit Schwarzgeld in der Schweiz ihre Steuervergehen diskret anonym und mit einem Pauschalsatz zwischen 21 und 41 Prozent bereinigen können. Stattdessen setzen Bundesländer den Ankauf von Daten-CDs aus der Schweiz fort, um Steuersündern auf die Spur zu kommen. Dies treibt die Zahl der Selbstanzeigen weiter. Allein Nordrhein-Westfalen hatte im ersten Halbjahr 2013 eine Vervierfachung gemeldet.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Ludwig500

28.07.2013, 19:55 Uhr

Man stelle sich vor, diese üppigen Mehreinnahmen würden den ehrlichen Steuerzahler entlasten...

OK, kleiner Scherz. Selbst die Einnahmen von 2017 sind ja schon verplant, und werden nicht reichen, weshalb weiter an der Steuerschraube gedreht wird. Selbst wenn sie sich als Maut, Verkehrssicherheitsüberwachung oder GEZ-Umlage tarnt.

Mehr Steuern = grösserer Umverteilungstopf = Mehr Subventionen = Noch schleimigere Lobbyisten = Noch mehr gepauchpinselte Politiker = noch mehr Vorteile für internationale Konzerne mit Steuergestaltungsmöglichkeiten = noch grösserer Druck auf Kleinbetriebe = noch mehr Druck auf Arbeitnehmer = noch m,ehr Kontrolle über das dumme Stimmvieh

steuerzahler-xy

28.07.2013, 23:19 Uhr

Vorsicht, Vorsicht! Man kann den Spieß auch umdrehen: Sollten einige clevere Steuerzahler den Staat wegen Verschwendung von Steuermilliarden künftig häufiger vor dem Verfassungsgericht zur Verantwortung ziehen, werden tatsächlich ganz schnell Steuersenkungen zum Thema.

Dann werden die überfälligen Privatisierungen von staatlichen Dienstleistern, die Reduzierung überflüssiger Beamter und die Senkung der Personalkosten im Öffentlichen Dienst umgesetzt. Das hat für die seit langem von der Mehrheit der Bürger geforderte Trendwende zum schlankeren Staat enorme Vorteile.

Und wenn weniger Steuervolumen da ist, kann auch weniger Unfug damit angestellt werden.

Ludwig500

29.07.2013, 00:00 Uhr

und warum klagt dann keiner? Obwohl dieses Recht ja eigentlich jedem Steuerzahler, also jedem, zustände?

Weil Steuerverschwendung nicht strafbar ist. War schon immer so. Wer seinen Zehnt nicht entrichtete konnte den Kopf verlieren, sich von den Steuereinnahmen prunkvolle Schlösser zu bauen war das normalste von der Welt. Heute werden weniger Schlösser gebaut, aber dafür Politikers Familie, Verwandte, Freunde, eifrige Parteispender und andere Lichtgestalten mit Posten und Aufträgen versorgt, man schiebt Leuchtturmprojekte an, deren Kosten sich stets im Laufe der Fertigstellung enorm erhöhen. Und natürlich lebt auch die Politikerkaste selbst bestens von dem eingetriebenen Steuergeld.

Der eigentliche Zweck von Steuern kommt da leider manchmal zu kurz. Die Justiz scheint sich keine Unabhängigkeit mehr leisten zu können. Bildung und Strassenbau werden sträflich vernachlässigt, das wird dazu führen dass bald Autobahnbrücken einstürzen, und keiner weiss warum. Die verantwortlichen Politiker werden natürlich juristisch nicht belangt.

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