Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.12.2012

14:02 Uhr

Nach Gehaltsaussage

Steinbrücks Genossen bemühen sich um Schadensbegrenzung

Sind Kanzler unterbezahlt? SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sieht das so – und erntet Häme aus allen Reihen. Die Genossen wollen die Diskussion so schnell wie möglich beenden, doch einige schießen quer.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück: Falsche Diskussion zur falschen Zeit. dapd

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück: Falsche Diskussion zur falschen Zeit.

Berlin/StuttgartSPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück bekommt in der von ihm angestoßenen Diskussion über das Gehalt des Bundeskanzlers Unterstützung aus der eigenen Partei. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sagte der „Rheinischen Post“: „Steinbrück hat in der Sache natürlich Recht: In Anbetracht der Größe des Landes ist das Gehalt der Kanzlerin zu gering.“ Lauterbach bezeichnete die Debatte über Steinbrücks Äußerungen als „Heuchelei“: „Die Debatte wird Steinbrück nicht schaden, weil jeder weiß, dass die Kanzler verglichen mit den Top-Managern zu wenig verdienen.“

Der wegen hoher Vortragshonorare ohnehin in der Kritik stehende Steinbrück hatte in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ gesagt, gemessen an der Leistung und im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten mit weniger Verantwortung und viel größerem Gehalt verdiene der Kanzler oder die Kanzlerin in Deutschland zu wenig. Dafür hatte er sich auch Widerspruch von Sozialdemokraten zugezogen. Darüber hinaus hatte er gesagt, Merkel habe bei der anstehenden Bundestagswahl einen „Frauenbonus“.

Urteil: Ministerium muss Honorare aus Steinbrück-Zeit offenlegen

Urteil

Ministerium muss Honorare offenlegen

SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück droht weiteres Ungemach in Sachen Honorare.

Ernst Dieter Rossmann, Sprecher der Parlamentarischen Linken der SPD im Bundestag, pflichtete Steinbrück in der „Rheinischen Post“ bei: „Peer Steinbrück hat vollkommen Recht: Spitzenvertreter in der Wirtschaft werden viel zu hoch bezahlt. Manche Gehälter sind obszön.“ In der „Berliner Zeitung“ fügte Rossmann allerdings kritisch hinzu: „Ökonomische Markt-Wahrheiten sind ein schlechter Maßstab für politische Werte.“ Auch der Vorsitzende der SPD in Bayern, Florian Pronold, pflichtete dem Kanzlerkandidaten bei: Wenn der Sparkassenpräsident ein Vielfaches des Gehalts der Kanzlerin verdiene, sei das keine leistungsgerechte Bezahlung.

Der Vorsitzende der nordrhein-westfälischen Landesgruppe in der SPD-Bundestagsfraktion, Axel Schäfer, würde die Diskussion am liebsten sofort stoppen. Der „Rheinischen Post“ sagte er, Steinbrücks sachliche Einschätzung werde von allen in der Politik geteilt. „Doch wir diskutieren das Kanzlergehalt jetzt nicht. Die Diskussion hört auf, bevor sie angefangen hat.“

Peer Steinbrück - seine Biographie

Gebürtiger Hamburger

Geboren am 10. Januar 1947 in Hamburg, verheiratet mit einer Studienrätin, drei Kinder. Den Namen Peer verdankt er seiner dänischen Großmutter.

Zwei Jahre Bundeswehr

1968 macht Steinbrück Abitur, danach ist er zwei Jahre bei der Bundeswehr.

Parteieintritt

1969 erfolgt der Eintritt in die SPD.

Studium

1970 - 1974 Volkswirtschafts-Studium in Kiel. Währenddessen lernt Steinbrück seine spätere Ehefrau kennen.

Erstes Treffen mit Helmut Schmidt

1974 - 1981 Tätigkeiten in Bundesministerien und im Kanzleramt. In dieser Zeit trifft Steinbrück auch zum ersten Mal den Bundeskanzler Helmut Schmidt. Heute spielen die beiden gelegentlich Schach. Schmidt über Steinbrücks Kanzlerkandidatur: „Er kann es“.

Zeit als Referent

1981 - 1985 Referent von Bundesforschungsminister Hans Matthöfer sowie in der SPD-Bundestagsfraktion

Büroleiter in Düsseldorf

1986 - 1990 Büroleiter von NRW-Ministerpräsident Johannes Rau.

Staatssekretär in Kiel

Zurück nach Kiel: Zwischen 1990 und 1992 ist Peer Steinbrück Umwelt-Staatssekretär im Kabinett Engholm. Daraufhin Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, später selbst Minister im gleichen Ressort.

Als Minister zurück in NRW

1998 - 2000 Wirtschafts- und Verkehrsminister in NRW, anschließend für zwei Jahre Finanzminister im bevölkerungsreichsten Bundesland.

NRW-Ministerpräsident

Wolfgang Clement wechselt überraschend als Superminister nach Berlin. Ein Nachfolger ist noch nicht aufgebaut, eher durch Zufall wird Steinbrück zwischen 2002 - 2005 Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen.

Finanzminister

Nach der verlorenen Landtagswahl wechselt er als Finanzminister der großen Koalition nach Berlin. In dieser Zeit (2005 - 2009) ist er stellvertretender SPD-Bundesvorsitzender.

Vortragsredner

Seit 2009 ist er einfaches Mitglied des Bundestags. Als Vortragsredner reist er durchs Land. Über die Höhe der Honorare brach nach seiner Nominierung eine Debatte vom Zaun.

Auch die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth zeigte kein Verständnis für die Debatte: „Unser Land hat drängende Probleme, die es anzupacken gilt. Die Frage des Gehalts der Kanzlerin gehört sicher nicht dazu“, sagte sie der „Süddeutschen Zeitung“ .

Parteienforscher Jürgen W. Falter nannte Steinbrücks Vorgehen „grauenvoll ungeschickt“. „Es wirkt, als wolle er mehr Geld haben und verhandele bereits im Vorfeld darüber“, sagte er der „Passauer Neuen Presse“.

Obwohl sich viele in der SPD um Schadensbegrenzung bemühen, schießen immer wieder Genossen quer. Erneute Kritik kam von den Bundestagsabgeordneten Carsten Sieling und Rüdiger Veit. „Um Geld zu verdienen, geht man nicht in die Politik, da muss man sich was anderes einfallen lassen“, sagte Veit der „Bild“-Zeitung. Sieling regte an, sich stärker darauf zu konzentrieren, dass „viele andere Berufe unterbezahlt sind“. Der frühere SPD-Chef Björn Engholm betonte: „Ich gehe davon aus, dass man vom Gehalt des Bundeskanzlers leben kann. Man darf die Einkünfte eines Kanzlers nicht mit den völlig überhöhten Bezügen mancher Vorstände vergleichen.“

Debatte um Kanzlergehalt: Steinbrück und das liebe Geld

Debatte um Kanzlergehalt

Steinbrück und das liebe Geld

Der SPD-Kandidat beklagt sein mögliches Salär als zu niedrig.

Die Vize-Vorsitzende der Südwest-SPD, Leni Breymaier, warf Steinbrück mangelnde Sensibilität vor. Breymaier sagte der Nachrichtenagentur dpa, in der Sache habe Steinbrück zwar recht. „Aber er hat kein Fingerspitzengefühl für den richtigen Zeitpunkt.“ Breymaier, die auch Verdi-Landeschefin ist, würde nach eigenen Worten lieber über das Thema Mindestlohn diskutieren als über Kanzlergehälter. So dürfte es den meisten gehen, die Steinbrück als nächsten Kanzler sehen wollen.

Der FDP-Finanzpolitiker Volker Wissing sagte, Steinbrück komme es offensichtlich sehr auf das Geld an. Der SPD-Politiker habe den falschen Maßstab angelegt, sagte Wissing im Sender WDR 5. „Für politische Ämter gelten nicht die Gehaltsvorstellungen oder auch die Gehaltsrealitäten in der Banken- und Finanzwirtschaft.“

Von den blanken Zahlen her liegt Steinbrück allerdings richtig, wie ein Blick auf einige zufällig ausgewählte Sparkassen in NRW ergibt. Selbst kleinere Häuser zahlen ihrem Vorstandsvorsitzenden nach dpa-Recherchen tatsächlich mehr, als die Kanzlerin verdient: Merkel kommt mit Kanzlerbesoldung und Abgeordnetenbezügen auf knapp 300.000 Euro im Jahr. Der Chef der Sparkasse KölnBonn dagegen kassierte im Jahr 2011 eine Vergütung von insgesamt 578.000 Euro. Mit einer Bilanzsumme von rund 30 Milliarden Euro ist Köln-Bonn allerdings auch eine der größten Sparkassen in Deutschland.

Kommentare (71)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Raffzahn

31.12.2012, 12:59 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

31.12.2012, 13:01 Uhr

Warum nicht pragmatisch die Forderung bewerten:
Die Politik unterstellt Einkunftsbeziehern oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze und Selbständigen grundsätzlich die Befähigung sich eigenverantwortlich um ihre Alterssicherung zu kümmen.
Gut.
Poltiker scheinen bis heute diese Befähigung zur Eigenverantwortung für sich selber nicht zu kennen.
Schlecht.
Damit stehen sie auf dem Niveau eines Grundschülers der die These vertritt, dass ohne Kapital der Zinsertrag höher ist als mit jedem Kapital (Pension ohne Einzahlung höher als Renten mit Einzahlung).
Damit wären (auch) Politiker hochbezahlte Personen mit sehr geringem IQ - und als solche überbezahlt.
Da sie sich aber diese mathematische Unmöglichkeit selber gesetzlich verordnet haben, kommt eine Menge krimineller Energie zu dieser Unbedarftheit noch hinzu.
Und nun?!

Account gelöscht!

31.12.2012, 13:01 Uhr

Zu spät , die Wahl am 20.01 dürfte gelaufen sein , das vergisst bis dahin keiner , wer wählt schon einen nimmersatt der den andern nix gutes verspricht ?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×