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03.03.2011

09:31 Uhr

Nach Guttenberg-Rücktritt

Seehofer schießt gegen CDU-Kollegen

Der Rücktritt des Verteidigungsministers hat das politische Klima in der Union vergiftet. CSU-Chef Seehofer kritisiert die CDU-Kollegen Schavan und Lammert scharf, weil sie Guttenberg in den Rücken gefallen seien.

Verärgert über die CDU-Kollegen Schavan und Lammert: CSU-Chef Horst Seehofer. Quelle: dpa

Verärgert über die CDU-Kollegen Schavan und Lammert: CSU-Chef Horst Seehofer.

Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer hat Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bundesbildungsministerin Annette Schavan scharf kritisiert. Er warf den beiden CDU-Politikern in der „Bild“-Zeitung vor, dem zurückgetretenen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in den Rücken gefallen zu sein. „Die Äußerungen von Frau Schavan und Herrn Lammert waren nicht in Ordnung.“

Der bayerische Ministerpräsident bezog sich auf ein nicht dementiertes Zitat Lammerts, der die Plagiatsaffäre als „Sargnagel“ für das Vertrauen in die Demokratie bezeichnet haben soll. Schavan hatte in einem Interview gesagt, sie schäme sich als Wissenschaftlerin „nicht nur heimlich“. Seehofer sagte: „Das war nicht solidarisch. Zum Selbstverständnis der Union sollte gehören, dass man den eigenen Leuten beisteht, ihnen nicht öffentlich in den Rücken fällt." Seehofer weiter: „Als ich Anfang der Woche davon hörte, war mein Blutdruck deutlich gestiegen. Darüber wird noch zu reden sein - ich habe mir das auf Wiedervorlage gelegt“.

Wolfgang Bosbach (CDU): „Man sollte den Kollegen ehrlich gegenüber treten." Quelle: dapd

Wolfgang Bosbach (CDU): „Man sollte den Kollegen ehrlich gegenüber treten."

Unterstützung erhält Seehofer aus den Reihen der Schwesterpartei. Der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), sagte zu den Äußerungen von Schavan und Lammert: „Wenn die beiden Wortmeldungen nicht gekommen wären, hätte ich sie nicht vermisst.“ Der CDU-Politiker fügte am späten Mittwochabend in der ARD-Sendung „Hart aber fair“ hinzu: „All das hätte man auch sagen können zu dem Zeitpunkt, als die Fraktion Karl-Theodor zu Guttenberg lautstark und ohne Einschränkung applaudiert hat.“

Er möge es „einfach nicht, wenn man in einer Fraktionssitzung, wenn der Kollege gegenüber sitzt, frenetisch applaudiert“ und anschließend gegenüber Journalisten Kritik an ihm äußere. Bosbach mahnte: „Man sollte den Kollegen ehrlich gegenüber treten und seine
Meinung sagen.“ Außerdem sollte man gerade dann zusammenstehen, „wenn ein Kollege in Bedrängnis ist“.

Zwei Tage nach dem Rücktritt von Guttenberg wird heute der Wechsel an der Spitze des Verteidigungsministeriums vollzogen. Der bisherige Innenminister Thomas de Maizière (CDU) tritt an die Stelle des über seine Plagiatsaffäre gestolperten CSU-Politikers. Das Innenministerium übernimmt dafür CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich. Bundespräsident Christian Wulff wird den drei Politikern zunächst im Schloss Bellevue die Entlassungs- und Ernennungsurkunden übergeben. Anschließend findet im Verteidigungsministerium die Amtsübergabe mit militärischen Ehren statt.

Kommentare (19)

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03.03.2011, 10:06 Uhr

Cui honorem, honorem! Rex dei gratia!

poolliter

03.03.2011, 10:11 Uhr

Herr Seehofer soll bezüglich Schavan/Lammert auch geäußert haben: "Das wird noch ein Nachspiel haben". Ist das pubertäres Gehabe? Oder meint er, dass er ähnlich wie einst Frau Hohlmeier über Jeden etwas habe?
Können wir uns jetzt auf die letzten Folgen der Soap-Opera "Merkel allein zu Haus" freuen?
Anstand wird anscheinend von Herrn Seehofer zu unanständig umdefiniert.

Cui_bono

03.03.2011, 10:19 Uhr

Der arme Herr Seehofer! Jetzt muss er womöglich noch länger bayerischer Ministerpräsident und CSU-Chef bleiben. Und das nur, weil von pösen, pösen Intriganten der Guttenberg ausgeschaltet wurde.

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