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04.01.2013

13:14 Uhr

Nach Herzinfarkt

Thomas Schäuble ist tot

VonThorsten Giersch

Finanzminister Wolfgang Schäuble trauert um seinen jüngeren Bruder. Thomas Schäuble starb im Alter von 64 Jahren. Er leitete in Baden-Württemberg nicht nur viele Jahre das Innenministerium, sondern auch eine Brauerei.

Thomas Schäuble hinterlässt seine Frau Brigitte und drei Kinder. dpa

Thomas Schäuble hinterlässt seine Frau Brigitte und drei Kinder.

StuttgartWolfgang Schäuble hat auch seinen zweiten Bruder verloren: Thomas Schäuble ist im Alter von 64 Jahren gestorben. Der frühere baden-württembergische Landesminister erlag am Donnerstagabend den Folgen eines Herzinfarkts, wie am Freitag aus Kreisen der Südwest-CDU in Stuttgart verlautete. Thomas Schäuble hatte den Herzinfarkt im vergangenen Sommer erlitten und zuletzt im Wachkoma gelegen. Wie sein Bruder Wolfgang hatte sich auch Thomas Schäuble politisch in der CDU engagiert. Eineinhalb Jahrzehnte war er Abgeordneter im baden-württembergischen Landtag gewesen und amtierte von 1984 bis 1991 als Oberbürgermeister der Stadt Gaggenau.

In den 90er-Jahren hatte er unter Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) verschiedene Ministerposten in der Landesregierung inne. 2004 gab er seinen Kabinettsposten auf und führte fortan die Staatsbrauerei Rothaus. Nach seiner Erkrankung gab Rothaus im Dezember bekannt, dass Schäuble nicht mehr auf den Posten des Brauereichefs zurückkehren werde.

Was Sie noch nicht über Wolfgang Schäuble wussten

Rolle des Vaters

Thomas Schäuble beschreibt den Vater als gütigen, weichen Menschen. Nicht mit Druck, sondern mit Argumenten hat der Vater den Söhnen die CDU nahe gebracht. Besonders Sohn Wolfgang sprang darauf an: Schon mit zehn, zwölf Jahren begleitete er den Vater auf seine Veranstaltungen als Landtagsabgeordneter.

Rolle der Mutter

Seine Mutter war stets eine sehr gewissenhafte Frau. So soll sie einmal keine 20 Pfennig für eine Parkuhr gehabt haben und deshalb am nächsten Tag hingefahren sein, um nachzuzahlen.

Kriegstage

Für Wolfgang Schäuble wäre der Krieg fast tödlich ausgegangen. Die alliierten Flieger warfen Brandbomben ab und trafen durch Zufall das Haus, in dem sich die Familie Schäuble versteckte. Das Haus ging in Flammen auf, die Familie flüchtete – alle, bis auf Wolfgang Schäuble. Gerettet wurde der damals Zweieinhalbjährige von seinem Bruder Frieder, der ihn unter brennenden Decken fand – grün und blau angelaufen wegen Atemnot.

Schüler

Thomas Schäuble beschreibt seinen Bruder als „mathematisches Genie“. Wolfgang hatte in der Schule von der Sexta bis zur Oberprima – entspräche heute der fünften bis 13. Klasse – eine Eins in Mathe. Er dachte sogar an ein Mathematikstudium, entschied sich aber dann doch für Jura.

Jura-Studium

Zu Jura kam Wolfgang Schäuble dann wieder durch seinen Vater. Für den wäre eine solches Studium ein Lebenstraum gewesen. Durch juristische Diskussionen hat er diesen Lebenswunsch dann auf seine Kinder übertragen – alle drei studierten später Jura.

Rolle in der Familie

Wenn Gertrud Schäuble in der Kur war, nahm Wolfgang die Rolle der Hausfrau und strengen Mutter ein: Er konnte kochen wie eine erstklassige Hausfrau, besonders Linsen und Spätzle.

Ehrgeiz

Unter den Brüdern zeigte Wolfgang Schäuble den größten Ehrgeiz. Er habe stets der Beste sein wollen, berichtet Thomas Schäuble. Anderen zuzusehen und zuzuhören, die nicht so gut waren, sei seinem Bruder stets schwer gefallen.

Führungsstärke

Schon beim Doppel mit seinem Bruder wollte Wolfgang Schäuble stets die Führungsrolle übernehmen – obwohl Thomas der bessere Spieler war. Auf dem Platz haben sie sich ständig angemacht: „Was macht du denn jetzt schon wieder?“ Danach vermieden die Brüder, miteinander Doppel zu spielen.

Folgen des Attentats

Thomas Schäuble bezeichnet seinen Bruder seit dem Attentat „zugänglicher“ als früher. Das liege daran, dass er sich unheimlich darüber gefreut habe, dass seine große Familie zu ihm stand, als er das Leben im Rollstuhl lernen musste. Andere wiederum sagen, er sei härter geworden.

Verhältnis zur Politik

Wolfgang Schäuble ist fasziniert von der Politik. Sein Bruder bezeichnet ihn gar als „politikbesessen“.

Verhältnis zu IWF-Chefin Christine Lagarde

In seinem politischen Wirken schätzt Wolfgang Schäuble besonders IWF-Chefin Christine Lagarde. Vor ihr sei er unglaublich beeindruckt, sagt sein Bruder. Zudem sei sie die einzige Frau, die ihn im Rollstuhl schieben darf – außer seiner Ehefrau.

Verhältnis zu Helmut Kohl

Bekannt ist, dass Wolfgang Schäuble ein loyaler Begleiter Helmut Kohls war – bis zur Spendenaffäre. Doch schon davor hat der heutige Finanzminister dem damaligen Kanzler die Meinung gesagt. Als 1998 klar wurde, dass es für Kohl nicht zu einer fünften Amtszeit reichen würde, war es Schäuble, der zu ihm sagte: „Helmut, du schaffst es nicht mehr.“ Diese Offenheit hat Kohl ihm allerdings übel genommen.

Kapitalismuskritik

Der Finanzminister hat seine Sicht auf den Kapitalismus verändert. „Je älter ich werde, und je mehr ich als Finanzminister sehe, desto größer wird meine Skepsis gegenüber dem Kapitalismus“, hat Wolfgang Schäuble einmal zu seinem Bruder gesagt. Er sehe den Kapitalismus wesentlich skeptischer als früher.

Thomas Schäuble hatte gute Perspektiven, auch Ministerpräsident von Baden-Württemberg als Nachfolger von CDU-Ministerpräsident Erwin Teufel zu werden. „Weil der aber hartnäckig am Amt festhielt und Thomas Schäuble nicht zu seinem Sturz beitragen, aber auch nicht als dienstältester Landesminister in die politische Nachkriegsgeschichte Baden-Württembergs eingehen wollte, zog er es 2004 vor, vom Ministeramt zurückzutreten und Chef der landeseigenen Badischen Rothausbrauerei im Schwarzwald zu werden, statt weiter auf dem Stuhl eines Landesministers zu sitzen“, schreibt Hans Peter Schütz in seiner Biografie über Wolfgang Schäuble „Zwei Leben“ (Droemer Verlag).

Thomas Schäuble leitete bis zu seinem Herzinfarkt die Rothaus-Brauerei. dpa

Thomas Schäuble leitete bis zu seinem Herzinfarkt die Rothaus-Brauerei.

Für die Biografie hat Thomas Schäuble auch ein langes Interview mit Schütz geführt, in dem er sehr offen über sich, seine Familie und den berühmten Bruder spricht. Bescheiden gibt Thomas an, dass Wolfgang die Karriereleiter deutlich weiter empor kletterte, auch weil er eher angefangen hatte: „Ich selbst kam viel später ins politische Fahrwasser. Ich habe meine Freizeit nicht bei der Jungen Union verbracht, wie der Wolfgang.“

Druck von seinem Vater, ein Anhänger der CDU zu werden, habe es für Thomas nie gegeben: „Druck in Richtung eines bestimmten Parteibuchs gab es nie. Das lief anders. Es war so, dass der Vater uns seine Sicht der Dinge dargelegt hat. Dadurch sind wir natürlich schon mittelbar beeinflusst worden. Aber es war nicht so, dass er uns strikt angehalten hat, CDU-Mitglied zu werden.“

Kommentare (8)

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Brasil

04.01.2013, 14:34 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Numismatiker

04.01.2013, 14:45 Uhr

Den Tod wünscht man niemandem, insbesondere auch dem politischen Gegner nicht!

Ich bin wirklich kein Fan Wolfgang Schäubles, aber Ihr Kommentar ist geschmacklos

Ockhams_Rasiermesser

04.01.2013, 14:56 Uhr

Bäh, sind Sie eklig und pietätlos, Brasil.

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