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08.08.2013

10:43 Uhr

Nach Jahren in Psychiatrie

Mollath wirft Ministerin Merk Heuchelei vor

Einen Tag nach seiner Entlassung aus der geschlossenen Psychiatrie hat Gustl Mollath Bayerns Justizministerin Beate Merk sowie das Rechtssystem scharf kritisiert. Außerdem schmiedet er bereits Zukunftspläne.

Gustl Mollath ist frei: Er bestreitet, seine inzwischen von ihm geschiedene Frau gewürgt und angegriffen zu haben. dpa

Gustl Mollath ist frei: Er bestreitet, seine inzwischen von ihm geschiedene Frau gewürgt und angegriffen zu haben.

MünchenNach seiner Entlassung aus der geschlossenen Psychiatrie hat Gustl Mollath der Bayrischen Justizministerin Beate Merk (CSU) Heuchelei vorgeworfen. „Die Wirklichkeit ist völlig anders als Frau Merk jetzt tut“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“ auf die Frage nach Versuchen Merks, die Wiederaufnahme des Prozesses als ihren eigenen Erfolg zu verbuchen. „Ich glaube nicht, dass die Bürger so blauäugig sind und ihr glauben“, sagte Mollath.

In dem am Tag nach seiner überraschenden Entlassung am Dienstag geführten Interview kündigte der 56-Jährige an, „die Auseinandersetzung in einem rechtsstaatlichen Prozess“ zu suchen. „Ich rechne mit großem Aufwand und viel Quälerei. Aber ich will vollständig rehabilitiert aus diesem Prozess gehen.“ Zugleich übte er scharfe Kritik am Rechts- und Psychiatriesystem und forderte Konsequenzen.

Sein Fall sei „die Spitze eines Eisbergs“, zitierte ihn die „SZ“. Geschlossene psychiatrische Kliniken seien „de facto ein rechtsfreier Raum. Der größte Teil der Menschen ist auf Gedeih und Verderb den Ärzten und dem Personal ausgeliefert. Wenn es darauf ankommt, versagen die Kontrollinstanzen. Man ist im weitesten Sinne der Willkür ausgesetzt und kann sich nicht wehren.“

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Was fehle, seien „Kontrollmechanismen“, sagte Mollath. „Ein Fortschritt wäre schon, Statistiken darüber zu veröffentlichen, wie viele Menschen lieber in die grauenvollen Gefängnisse gehen, anstatt in den wunderbaren Krankenhäusern zu bleiben.“

Nach seinen sieben Jahren in der Klinik sei er nun bei Freunden untergekommen, sagte der Nürnberger. Am wichtigsten für ihn sei es zunächst, einen Pass und andere notwendige Dokumente zu bekommen und sich eine verlässliche Unterkunft zu besorgen. Seinen ersten Tag in Freiheit habe er mit einem ausgiebigen Frühstück, Gesprächen mit seinen Unterstützern sowie seinem Anwalt verbracht, erzählte er der „Bild“-Zeitung. Es gehe ihm den Umständen entsprechend gut. „Nein, ich habe gottlob keinen Anflug von Traumata. Ich weiß genau, wo ich bin, wer ich bin, wie ich bin. Und konzentriere mich jetzt erst einmal auf die Probleme, die es nun zu lösen gilt“, sagte Mollath.

Zu seinen Zukunftsplänen sagte er, wieder in seinen alten Beruf als Maschinenbauer zurückkehren zu wollen. „Ich denke, dass meine Fähigkeiten noch immer am besten in dem Bereich, wo ich früher tätig war, gegeben sind. Also im technischen Bereich, mit Fahrzeugen.“

Kommentare (15)

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08.08.2013, 11:12 Uhr

Weder noch. Ich bin nur nicht von der Harmlosigkeit des Herrn Mollath überzeugt.

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08.08.2013, 11:17 Uhr

Such Dir was aus: Neuschwabenland, Fürstentum Germanitien oder ein anderes KRR-Refugium.

elly

08.08.2013, 11:51 Uhr

Hoffentlich kommen mehr Informationen über die Praxis der Unterbringung und vor allem der Überprüfung von Psychiatrieen ans Tageslicht!
Wie kann es sein, dass man so lange einfach weggesperrt werden kann!!!!!!!!!!!!!!!!

Vor allem sollte es nicht bei Lippenbekenntissen seitens der Politik bleiben, wenn es an die Reform der Überprüfung selbiger Einrichtungen geht. Vor allem die Gutachter sollten strenger kontrolliert werden!

Herrn Mollath kann man nur wünschen, dass er das alles gut stemmt.
Für mich bleibt aber die Frage offen, warum hat der Mann keinen Ausweis mehr???????????????
Wird einem dieser Abgenommen???????????????

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