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31.07.2017

17:54 Uhr

Nach Messerattacke in Hamburg

Bundesanwaltschaft übernimmt Ermittlungen

Seit Freitag war unklar: Ist die Messerattacke in einem Hamburger Supermarkt die spontane Tat eines psychisch labilen Mannes - oder ein islamistischer Anschlag? Die Ermittlungen deuten nun eher auf Letzteres hin.

Nach Messerattacke im Supermarkt

Gegen den Hamburger Messer-Angreifer ermittelt jetzt die höchste Stelle

Nach Messerattacke im Supermarkt: Gegen den Hamburger Messer-Angreifer ermittelt jetzt die höchste Stelle

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Karlsruhe/Berlin/HamburgDie Bundesanwaltschaft vermutet einen islamistischen Hintergrund bei dem Messerattentat von Hamburg und hat daher die Ermittlungen in dem Fall übernommen. Ein radikal-islamistischer Hintergrund liege nahe, der 26 Jahre alte Angreifer habe sich aber wohl selbst radikalisiert, teilte die Karlsruher Behörde am Montag mit und begründete die Übernahme der Ermittlungen mit der „besonderen Bedeutung des Falles“.

Der Palästinenser, dem nach einem abgelehnten Asylantrag die Ausreise drohte, hatte am Freitag in dem Supermarkt im Hamburger Stadtteil Barmbek unvermittelt auf umstehende Menschen eingestochen. Er tötete einen 50 Jahre alten Mann, sieben Menschen wurden verletzt. Passanten überwältigten den Angreifer. Er sitzt seit dem Wochenende wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft.

Nach Messer-Attacke eines Islamisten: Streit um die neue Gefährderhaft

Nach Messer-Attacke eines Islamisten

Streit um die neue Gefährderhaft

Ein Toter, sieben Verletzte - das ist die Bilanz der Messer-Attacke von Hamburg. Die blutige Tat eines Palästinensers schockiert weit über die Hansestadt hinaus. In Berlin beginnt die politische Schuldzuweisung.

Der in den Vereinigten Arabischen Emiraten geborene Mann war 2015 als Schutzsuchender nach Deutschland gekommen. Den Sicherheitsbehörden war er als Islamist bekannt, er wurde aber als nicht als „Gefährder“ eingestuft - also als jemand, dem ein Terrorakt zuzutrauen ist.

Bislang hatten die Hamburger Behörden betont, die Motivlage sei unklar. Es gebe einerseits Hinweise auf religiöse und islamistische Motive, andererseits auf eine „psychische Labilität“. Offen sei, was ausschlaggebend für die Tat gewesen sei.

Die Entscheidung der Bundesanwaltschaft deutet nun klar auf eine politisch motivierte Tat hin. Die Behörde verfolgt Straftaten gegen die innere und äußere Sicherheit. Ein wichtiger Bereich ist der Terrorismus. In der Erklärung heißt es, Anhaltspunkte für eine Mitgliedschaft in der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) oder einer anderen Gruppierung gebe es zwar nicht - auch nicht dafür, dass es Kontakte oder eine Einflussnahme gab. Es lägen auch keine Hinweise auf andere Tatbeteiligte oder Hintermänner vor.

Die Fakten zu der Attacke

Die Tat

Um 15.10 Uhr betritt ein Mann einen Supermarkt an der Fuhlsbütteler Straße in Hamburg-Barmbek. Er greift sich ein Messer aus einem Regal, packt es aus und greift Kunden an.

Der Täter

Nach Angaben der Polizei handelt es sich bei ihm um einen 26-jährigen abgelehnten Asylbewerber, der in den Vereinigten Arabischen Emiraten geboren wurde. Er war im März 2015 über Norwegen nach Deutschland eingereist. Er lebte in einer Flüchtlingsunterkunft im Norden Hamburgs im Stadtteil Langenhorn. Er war ausreisepflichtig, konnte aber wegen fehlender Papiere bislang nicht abgeschoben werden.

Die Opfer

Ein 50-Jähriger Mann erleidet tödliche Verletzungen. Eine 50-jährige Frau und vier Männer im Alter von 19, 56, 57 und 64 Jahren werden ebenfalls durch Messerstiche zum Teil schwer verletzt. Ein 35-Jähriger wird zudem verletzt, als er hilft den Täter zu stellen. Einen Tag nach der Tat waren alle außer Lebensgefahr.

Der Tatort

Ein Supermarkt an der Fuhlsbütteler Straße im Stadtteil Barmbek, wenige Kilometer nordöstlich des Stadtzentrums. Die „Fuhle“ ist eine belebte Einkaufstraße mit vielen kleinen Geschäften, Backshops, Imbissen, Drogerie- und Supermärkten.

Die Erkenntnisse der Behörden

Der Mann war den Behörden als Islamist bekannt, nicht aber als sogenannter Gefährder. Es gab Hinweise auf eine Radikalisierung und gleichzeitig auf psychische Labilität. Nach den Erkenntnissen der Ermittler handelte der Mann allein.

Die Tatwaffe

Ein großes Küchenmesser. Das Messer mit einer etwa 20 Zentimeter langen Klinge nahm sich der Täter in dem Supermarkt aus einem Regal und riss es aus der Verpackung. Anschließend stach er auf sein erstes Opfer ein - einen 50-Jährigen, der an seinen schweren Verletzungen starb.

Das Motiv

Der Hintergrund liegt für die Fahnder noch im Dunkeln. Es gab einerseits Hinweise auf eine Radikalisierung und islamistische Motive. Auf der anderen Seite haben die Behörden in der Vergangenheit auch Hinweise auf psychische Probleme des Mannes erhalten. Die Fahnder gehen von einer Gemengelage aus, wobei noch nicht geklärt ist, was den Ausschlag für die Bluttat gegeben hat.

Die weiteren Ermittlungen hätten allerdings nähere Erkenntnisse zur Motivlage des Täters erbracht. Eigenen Angaben zufolge habe sich der Mann seit geraumer Zeit mit radikal-islamistischen Themen beschäftigt. Zwei Tage vor der Tat habe er sich „für eine entsprechende Lebensweise entschieden“. Was genau damit gemeint ist, ließ die Behörde zunächst offen. Am Tattag selbst habe sich der 26-Jährige schließlich entschlossen, „ein Attentat zu begehen - verbunden mit der Hoffnung, als Märtyrer zu sterben“.

Ein Freund des Mannes hatte die Polizei vor Monaten auf eine mögliche Radikalisierung aufmerksam gemacht. Verfassungsschützer nahmen sich der Sache an, hatten jedoch Zweifel, ob eher eine psychische Auffälligkeit vorlag. Sie regten bei der Polizei an, den Mann durch den Sozialpsychiatrischen Dienst untersuchen zu lassen. Dazu kam es jedoch nicht. Die Polizei geht neben den weiteren Ermittlungen zu den Tathintergründen auch der Frage nach, warum dieser Check unterblieb.

Messerattacke in Hamburg: Rufe nach schärferer Abschiebepraxis

Messerattacke in Hamburg

Rufe nach schärferer Abschiebepraxis

Die Abschiebung abgelehnter Asylbewerber wurde bereits vereinfacht. Doch das Versagen der Hamburger Behörden entfacht die Debatte neu. Jetzt überschlagen sich die Forderungen nach einer härteren Gangart.

Die Attacke des ausreisepflichtigen Mannes löste eine Sicherheitsdebatte aus. Erst am Samstag war das „Gesetz zur besseren Durchsetzung der Ausreisepflicht“ in Kraft getreten. Damit wird unter anderem die Abschiebehaft für „Gefährder“ ausgeweitet und ihre Überwachung per Fußfessel erleichtert. Der innenpolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Stephan Mayer (CSU), sagte der „Passauer Neuen Presse“ (Montag), das Gesetz hätte ein Jahr früher kommen können. „Die SPD hat dies lange verhindert“, beklagte er. „Wenn die neue Regelung früher gekommen wäre, hätte man den Attentäter von Hamburg bis zu seiner Rückführung inhaftieren können.“

Der Innenexperte der SPD im Bundestagswahlkampf, Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius, hielt im Deutschlandfunk dagegen, wenn es keine Anhaltspunkte gegeben habe, um den Mann als „Gefährder“ einzustufen, habe man ihn auch nicht in Gefährderhaft nehmen können.

Was bedeuten die Begriffe?

Amoklauf

In Asien nannte man sie „amucos“ – Krieger, die den Feind ohne Angst vor dem Tod angreifen und vernichten. Heute beschreibt der Begriff in der Regel blindwütige Aggressionen – mit und ohne Todesopfer. Die meisten Amokläufer sind männlich und eigentlich unauffällig, in vielen Fällen ledig oder geschieden. Neben psychisch kranken Tätern gibt es auch Amokläufer, die aus banalen Gründen plötzlich ausrasten. Angst, Demütigung oder Eifersucht haben sich oft lange aufgestaut, bevor es zur Katastrophe kommt. Teils werden Taten auch im Kopf durchgespielt. „Amok“ kommt aus dem Malaiischen und bedeutet „wütend“ oder „rasend“.

Terrorismus

...ist politisch motivierte, systematisch geplante Gewalt, die sich gegen den gesellschaftlichen Status quo richtet und auf politische, religiöse oder ideologische Veränderung ausgerichtet ist. Dass Terroristen töten und zerstören, ist Mittel zum Zweck. Sie wollen vor allem Verunsicherung in die Gesellschaft tragen. Terrorakte richten sich oft gegen die Zivilbevölkerung oder symbolträchtige Ziele.

Terror

...geht auf das lateinische Wort „terrere“ zurück, was „erschrecken“ oder „einschüchtern“ bedeutet. Terror und Terrorismus werden oft gleichbedeutend verwendet. Im Unterschied zum Terrorismus bezeichnet der Begriff „Terror“ aber eher das Machtinstrumentarium eines Staates. Der „Terror von oben“ steht für eine Schreckensherrschaft, die willkürlich und systematisch Gewalt ausübt, um Bürger und oppositionelle Gruppen einzuschüchtern. Auch in die Umgangssprache hat der Begriff Eingang gefunden – etwa für extreme Belästigung, zum Beispiel Telefonterror.

Attentate

...sind politisch oder ideologisch motivierte Anschläge auf das Leben eines Menschen, meistens auf im öffentlichen Leben stehende Persönlichkeiten. Der Ausdruck „Attentäter“ wiederum wird auch für Menschen verwendet, die einen Anschlag auf mehrere Menschen begehen. Terroristische Attentäter zielen etwa auf Angehörige eines ihnen verhassten Systems oder einer Religion ab. Mit Anschlägen auf öffentlichen Plätzen, in Verkehrsmitteln oder auf Feste versuchen sie, in der Bevölkerung Angst und Schrecken zu verbreiten. Der Begriff „Attentat“ leitet sich vom lateinischen attentare (versuchen) im Sinne eines versuchten Verbrechens ab.

Aus der Union kamen auch Forderungen nach einer Passpflicht für Asylbewerber und nach einer schärferen deutschen Visa-Politik gegenüber Staaten, die bei der Rückführung ihrer Bürger nicht kooperieren. Die Linke-Innenpolitikerin Ulla Jelpke wertete das als Wahlkampfmanöver und Versuch, ein Verbrechen zu instrumentalisieren, um „menschenverachtende Forderungen durchzusetzen“.

Mann stirbt bei Messerangriff

„Da läuft einer rum und sticht die Leute ab“ – Attacke in Hamburger Supermarkt

Mann stirbt bei Messerangriff:  „Da läuft einer rum und sticht die Leute ab“ – Attacke in Hamburger Supermarkt

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Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Günther Schemutat

01.08.2017, 08:43 Uhr

Eigentlich wäre es ehrlich wenn gegen den Hamburger Senat ermittelt wird , der
trotz Warnung aus dem Flüchtlings Heim , dass hier ein radikaler Irrer rumläuft ,
nichts unternommen hat. Man hat sich zwar unterhalten mit dem jetzigen Täter , aber wenn die Kuschel Justiz sich mit Verdächtigen oder Täter unterhält, oder der Verfassungsschutz , dann wird derjenige wie ein Neugeborener behandelt .

Dann mal ehrlich zu sagen , wir können nichts machen uns sind die Hände gebunden und wir hoffen , dass es nicht soviel Tote bei Anschlägen gibt. Das ist unsere Hoffnung und wir wünschen der Bevölkerung viel Glück

Aber nein man macht es wie immer , Abschiebungen sollen beschleunigt werden, nachdem Anwälte Asylanten durch alle Instanzen schleifen auf Staatskosten.

Das Merkel jetzt den neuen Asylanten entgegen reiste und in Südtiroler Urlaub auf Wanderungen die neuen Deutschen begrüssen kann, die auf allen Wegen aber vor allen auf Güterzügen nach Deutschland wollen . Ein Selfi mit einer Gruppe von Asylanten , darunter ciao,…Mutti bis bald in Deutschland wertet Angela Merkel
bei ihrem neuen Ko Partner die Grünen bestimmt auf.

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