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12.05.2011

03:58 Uhr

Nach Plagiatsvorwürfen

Auch Koch-Mehrin wird der Doktor zum Verhängnis

Erst Karl-Theodor zu Guttenberg, jetzt Silvana Koch-Mehrin. Die FDP-Politikerin zieht die Konsequenzen aus einer Plagiatsaffäre und kündigt den Rücktritt von allen Ämtern an. Die FDP hatte nichts dagegen.

Die damalige Spitzenkandidatin fuer die Europawahl, Silvana Koch-Mehrin, aufgenommen in Hannover beim FDP-Bundesparteitag 2009. Quelle: dapd

Die damalige Spitzenkandidatin fuer die Europawahl, Silvana Koch-Mehrin, aufgenommen in Hannover beim FDP-Bundesparteitag 2009.

Brüssel/BerlinNach massiven Plagiatsvorwürfen ist die FDP-Spitzenpolitikerin Silvana Koch-Mehrin am Mittwoch überraschend von allen politischen Ämtern zurückgetreten. Die 40-Jährige teilte in einer knappen schriftlichen Erklärung mit, sie wolle mit diesem Schritt verhindern, dass ihre gesamte Familie durch die öffentliche Diskussion weiter belastet werde. Die FDP-Politikerin legte ihr Amt als Vorsitzende der FDP im Europäischen Parlament, als Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments und als Präsidiumsmitglied der FDP nieder.

In einer ersten Reaktion äußerte sich FDP-Generalsekretär Christian Lindner reserviert: „Wir haben die Entscheidung von Silvana Koch-Mehrin zur Kenntnis genommen und danken ihr für den langjährigen Einsatz für die liberale Sache“, sagte Lindner den Zeitungen der „WAZ“-Gruppe.Für den designierten FDP-Parteichef Philipp Rösler kam der Rückzug von Silvana Koch-Mehrin aus ihren Ämtern in Partei und Europaparlament nicht überraschend. Die beiden hätten am Mittwoch miteinander gesprochen, hieß es am Abend aus der Parteiführung in Berlin. Dabei gab es offenbar Einvernehmen darüber, dass die Europaabgeordnete Konsequenzen aus ihrer Plagiatsaffäre zieht.

FDP-Chef Guido Westerwelle bedauert den Rückzug von Silvana Koch-Mehrin aus ihren Ämtern in Partei und Europaparlament. „Ich bedaure diese Entscheidung, aber ich respektiere die Gründe und bin zuversichtlich, dass sie die Europapolitik auch künftig weiter prägen wird“, teilte Westerwelle am Mittwochabend in Berlin mit.

Koch-Mehrin war wegen einer wegen einer Plagiatsaffäre unter Druck geraten. Ihr droht die Aberkennung ihres Doktorgrades. Die Universität Heidelberg prüft derzeit Vorwürfe, Koch-Mehrin habe in ihrer im Jahr 1999 eingereichten Dissertation an mehreren Stellen abgeschrieben. Die FDP-Politikerin forderte für sich in ihrer Rücktrittserklärung eine vertrauliche Untersuchung der Vorwürfe. „Ich möchte, dass diese Prüfung nun vertraulich, fair, nach rechtsstaatlichen Maßstäben und ohne Ansehen der Person durchgeführt und nicht dadurch belastet wird, dass ich herausgehobene Ämter innehabe“, erklärte sie.

Die einstige liberale Hoffnungsträgerin ist der zweite Spitzenpolitiker, der über seinen Doktorhut stolpert. Am Mittwoch hatte die Universität Bayreuth ausführlich begründet, warum sie Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg den akademischen Titel entzogen hatte. Die Untersuchungskommission wirft dem ehemaligen CSU-Politiker in ihrem Bericht vor, vorsätzlich getäuscht zu haben.

Für die Uni Bayreuth ist die Plagiatsaffäre Guttenberg abgeschlossen. „Fälschungen durchziehen die Arbeit als werkprägendes Arbeitsmuster“, urteilte der Kommissionsvorsitzende Stephan Rixen.Erschummelte Dr.-Titel sind keine Ausnahme: Bis zu 300 Promotionen pro Jahr kommen nach Schätzungen unredlich zustande.

Kommentare (20)

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Spielverderber

11.05.2011, 20:43 Uhr

Durch Kompetenz konnte Frau Koch-Mehrin noch nie bestechen, aber sie hat definitiv mehr Anstand in dieser Affaire bewiesen, als ich ihr zugetraut hätte. Respekt dafür! Ich wünsche Ihr einen erfolgreichen Neuanfang, nur bitte nicht mehr in der Politik!

MfG, der Spielverderber

Morchel

11.05.2011, 20:47 Uhr

Der Bon die Verkäuferin verliert alles, sie AUCH

SuperLiberal

11.05.2011, 21:31 Uhr

nun sollte doch mal geprüft werden, wie hoch der Schaden durch diesen vorsätzlichen Betrug ist. Wem wurde die jeweilige Position durch betrügerische, vorsätzliche Machenschaften vorenthalten, welche echten Karrieren wurden zerstört. Die erschlichenen Gelder sollten -brutto- mit dem Faktor 15 sofort erstattet werden, als Abschreckung. Wenn mehr vorhanden ist, auch mit dem Familienvermögen. Da Frau Betrügerin Koch-Merin erst 40 Jahre ist, kann Sie noch 25 Jahre Ihre speziellen Fähigkeiten zum Wohle der Allgemeinheit einsetzen. Da Frau Koch-Merin der FDP angehört, sollten liberale Gedanken wie diese sie beflügeln bei der Wiedergutmachung Ihrer niederträchtigen Missetaten. Oder Sie möge für immer schweigen.

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