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11.06.2013

15:07 Uhr

Nach Rassismus-Vorwürfen wegen FDP-Bashing

Steinbrück-Sprecher löscht Facebook-Profil

VonFelix Disselhoff
Quelle:Meedia.de

Peer Steinbrücks neuer Pressesprecher, Rolf Kleine, steht bereits unter Druck. Wegen eines umstrittenen Facebook-Postings fordert die FDP seinen Rücktritt. Nun ist Kleines Facebook-Profil verschwunden.

Peer Steinbrück stellt seinen neuen Pressesprecher Rolf Kleine vor. Der langjährige Politik-Journalist der "Bild-Zeitung" ist gleich wegen seines Facebook-Profils ins Visier der FDP geraten. dpa

Peer Steinbrück stellt seinen neuen Pressesprecher Rolf Kleine vor. Der langjährige Politik-Journalist der "Bild-Zeitung" ist gleich wegen seines Facebook-Profils ins Visier der FDP geraten.

Es war sein Beitrag zur Landtagswahl in Niedersachsen. Zu sehen war ein Foto des vietnamesischen Generals und Guerillakämpfers Võ Nguyên Giáp mit der Bildunterschrift “Die FDP ist wieder da”. Dass nicht nur seine Vita, sondern auch sein Facebook-Profil ins Visier der politischen Konkurrenz gerät, durfte Kleine jetzt auf die harte Tour lernen.

Nicht weniger als “Alltagsrassismus” werfen die Liberalen dem 52-Jährigen vor. "Wer über sein öffentliches Facebook-Profil ein Foto des vietnamesischen Generals und Guerillakämpfers Võ Nguyên Giáp mit der Bildunterschrift ,Die FDP ist wieder da!' postet, darf im politischen Umfeld nichts zu sagen haben”, erklärt der Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen, Lasse Becker, in der Welt. Er fordert Steinbrück auf, seinen neuen Sprecher zu entlassen.

Steinbrücks Hintermannschaft

Kleines Team von Vertrauten

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat ein kleines Team von Vertrauten um sich geschart, die ihn beraten sollen – und die Krisenmanagement betreiben müssen, wenn der Kandidat mit seinen lockeren Sprüchen für Wirbel sorgt. Zum Teil gehörten Steinbrücks Berater bereits zum engen Kreis um Altkanzler Gerhard Schröder und Ex-Parteichef Franz Müntefering.

Andrea Nahles

Nach Kompetenzgerangel übernimmt Generalsekretärin Andrea Nahles die Hauptverantwortung für die gesamte Wahlkampagne. Enge Vertraute Steinbrücks verlieren bisherige Zuständigkeiten. Steinbrücks Kampagnenleiter Heiko Geue wird von einigen im Willy-Brandt-Haus kritisch beäugt.

Rolf Kleine

Rolf Kleine ist ein alter Hase des Berliner Politikbetriebs. Der gelernte Redakteur arbeitete lange in verschiedenen Positionen für die „Bild“-Zeitung. Ende 2011 verließ er den Springer-Konzern, um als Head of Public Affairs die politische Kommunikation des Immobilienkonzerns Deutsche Annington zu verantworten. Rolf Kleine ist 52 und gilt als meinungsstark, erfahren und gut vernetzt.

Kleine arbeitete unter anderem bei den „Westfälischen Nachrichten“, der Nachrichtenagentur ddp und der „Berliner Zeitung“. Insgesamt 17 Jahre schrieb er für Springer, zuletzt mehrere Jahre vor seinem Ausscheiden als Co-Leiter des Hauptstadtbüros. „Bild“ hatte damals mitgeteilt, Kleine gehe auf eigenen Wunsch.

Kleine war regelmäßig Gast in Talkshows und Fernsehmagazinen, so auch bei N24 im „Politischen Quartett“. Titel einer Jubiläumssendung vor fast genau 10 Jahren, im April 2003: „Lust am Untergang - Stürzt die SPD ihren Kanzler?“ Die Deutsche Annington, die Kleine nun wieder verlässt, gehört nach eigenen Angaben mit rund 180 000 eigenen Wohnungen und etwa 2400 Mitarbeitern zu den führenden deutschen Wohnungsunternehmen.

Hans-Roland Fäßler

Der Medienprofi gilt als sehr gut vernetzt. Anders als Donnermeyer ist er nicht in der Parteizentrale angesiedelt, sondern soll von außen Steinbrück den Weg zu führenden Medienvertretern ebnen. Fäßler war erst für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, dann für die Medienkonzerne Gruner & Jahr und Bertelsmann tätig. Zu seinen Freunden zählt der frühere Wirtschaftsminister Wolfgang Clement, der inzwischen nicht mehr der SPD angehört. Fäßler soll hinter dem verunglückten Internetportal „PeerBlog" gestanden haben.

Matthias Machnig

Thüringens Wirtschaftsminister gilt als einer der wichtigsten politischen Berater Steinbrücks. Machnig leitete 1998 und 2002 erfolgreich die Wahlkämpfe Gerhard Schröders. Auch mit Müntefering arbeitete er eng zusammen, als dieser erst Generalsekretär und später dann Parteichef war. Nach 2002 war Machnig zeitweise für die Consulting-Firma BBDO tätig, die zahlreiche deutsche Konzerne berät, später für das Beratungsunternehmen Booz Allen Hamilton. Auch Machnig arbeitet als externer Ratgeber für Steinbrück, weswegen er sein Regierungsamt in Erfurt weiter ausübt.

Heiko Geue

Heiko Geue ist Steinbrücks Kampagnenleiter. Wegen dieser Funktion ließ er sich von seinem bisherigen Posten als Finanzstaatssekretär in Sachsen-Anhalt beurlauben. Ein Rückkehrrecht ist jedoch rechtlich umstritten. Auf Veranlassung von Sachsen-Anhalts Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) verlor Geue daher seinen Job. In der Ära Schröder war Geue einer der Architekten der Agenda 2010 gewesen. Damals war er unter anderem als persönlicher Referent von Kanzleramtschef Frank-Walter Steinmeier tätig. In der Zeit der großen Koalition koordinierte Geue den Leitungsstab des Bundesfinanzministeriums für den damaligen Ressortchef Steinbrück. Geue ist mit Steinbrücks Büroleiterin Sonja Stötzel liiert.

Timo Noetzel

Der Politikwissenschaftler gehört seit Anfang Februar zu Steinbrücks Mannschaft. Noetzel soll für den Kandidaten kampagnenfähige Themen identifizieren. Er war bisher Leiter des Politik- und Analysestabs der Münchner Sicherheitskonferenz sowie Vorstandsmitglied der Berliner Denkfabrik „Stiftung neue Verantwortung".

Torsten Schäfer-Gümbel

Steinbrück selbst nennt den hessischen SPD-Chef als Berater in Finanzmarktfragen. Der eher dem linken Parteiflügel zugerechnete „TSG" gehört aber wohl nicht zum engeren Umfeld des Kandidaten.

Jarmila Schneider

Mit ihr gehört neuerdings auch eine Frau zu Steinbrücks Beraterstab. Jarmila Schneider unterstützt seit Mitte Februar als zweite Pressesprecherin den Hauptsprecher Donnermeyer. Sie war bisher Sprecherin der bayerischen SPD.

Würde der SPD-Spitzenpolitiker diese Forderung tatsächlich in die Tat umsetzen, wäre es wohl die kürzeste Zeit, die ein Pressesprecher eines Kanzlerkandidaten im Amt war. Erst am Montag präsentierte Steinbrück den medienerfahrenen Kleine der Presse. Schon zuvor war der SPD-Wahlkampf alles andere als glatt verlaufen. Zu Jahresbeginn sorgte Steinbrück für Schlagzeilen, als er im Interview das Kanzlergehalt als zu gering bezeichnete. Derlei Versäumnisse sollen ein Grund sein, warum Donnermeyer gehen musste. Für Steinbrück brechen nun die letzten 100 Tage des Wahlkampfes an.

Inwiefern der ehemalige Leiter des Berliner Bild-Büros ihm bei wichtigen politischen Themen unter die Arme greifen kann, ist unklar. Zuletzt war Kleine als Cheflobbyist für den Immobilienriesen Deutsche Annington tätig. Böse Zungen sprechen von einer “Immobilen-Heuschrecke”. Zum Portfolio des Unternehmen zählen unter anderem 180.000 Wohnungen in Deutschland. Der Konzern mit Sitz in Bochum strebt an die Börse. Bezahlbare Wohnungen sind eines der zentralen Themen im SPD-Wahlkampf. Da macht sich der ehemalige Lobbyist einer Immobilien-"Heuschrecke" an der Spitze des Wahlkampfteams auch nur bedingt gut.

Doch der jüngste Vorfall zeigt, dass auch ein erfahrener Medienmann und Lobbyist vor den Tücken sozialer Netzwerke nicht gefeit ist. Beiträge rutschen zwar in der Timeline nach unten, dennoch geht nichts verloren. In der Vergangenheit entpuppten sich Facebook, Twitter und Co. schon des öfteren als Karrierekiller. Der wohl prominenteste Fall war die Nackt-Affäre um den US-Politiker Anthony Weiner, der schließlich zurücktreten musste. Kleine selbst zog jetzt allem Anschein nach die Notbremse und ließ sein Facebook-Profil aus der Öffentlichkeit verschwinden. Die SPD und Steinbrücks Wahlkampfteam äußerten sich bislang nicht zu dem Vorfall.

Souveräne Kommunikation geht anders.

Kommentare (5)

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Aristoteles

11.06.2013, 15:48 Uhr

Hat aber auch ein Pech, der Steinbrück. An dem klebt die Sch.... egal, was er macht, egal, wen er bestellt. Macht auf soziale Wohnungspolitik und engagiert einen aus der übelsten Heuschrecken-Szene, vor denen die Mieter zittern.

Account gelöscht!

11.06.2013, 16:21 Uhr

Ich verstehe das Problem nicht. General Giap war ein sehr guter General, unter seiner Führung sind die Franzosen aus Dien Bien Phu und die Amis aus Vietnam rausgeflogen.

Wieso ist man ein Rassist, wenn man den gut findet?

Selten_so_gelacht

11.06.2013, 16:47 Uhr

"Bei Philipp Rösler würde ich allerdings gerne wissen, ob unsere Gesellschaft schon so weit ist, einen asiatisch aussehenden Vizekanzler auch noch länger zu akzeptieren."

Daß Herr Steinbrück diese Frage so beantwortet hätte Jörg- Uwe Hahn sicher nicht gedacht. Es wäre interessant was Günter Rudolph von der Hessen SPD dazu sagt. Auch Tarek Al-Wazir von den Grünen, oder die stellvertetende SPD-Vorsitzende Aydan Özoguz. Oder einfach alle jene, die Hahn Rassissmus unterstellten und nun einen Sprecher unterstützen müssen, dem der Vietnamesen-Witz nicht fremd ist.

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